Döblins 'Die Ermordung einer Butterblume' ist meine kleine Bibel geworden. Noch nie habe ich ein Buch angetroffen, das mich in seiner Ganzheit so fasziniert hat. Döblins ausdrucksvolle, intensiv-sinnliche Sprache, seine verstörenden Geschichten, seine tiefgründigen, aber doch ganz unverbrauchten Allegorien sind unvergleichlich. Natürlich muss man mit der expressionistischen Literatur einigermassen vertraut sein und diese verstörendste, nackteste, ehrlichste Strömung verstehen und fühlen, um zu Döblins Werk einen Zugang zu haben. Döblin, der Nervenarzt war, geht nicht zimperlich um mit den Gefühlen seiner Leser, baut auf Absurditäten und Schockwirkungen und dringt wie kein Zweiter in die erschreckend hässlichen Abgründe der menschlichen Seele vor. Sein Buch ist wahrlich 'die Axt für das gefrorene Meer in uns'.