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"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" [Originaltitel:The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford] ist ein Westerndrama vom Regisseur Andrew Dominik elches 2007 erschien.

Jesse James ist auf grund zahlreicher Überfälle im ganzen Land bekannt. Nachdem bis auf seinen Bruder Frank keiner der ursprünglichen James-Bande mehr übrig ist, umgeben sie sich mit diversen Taugenichtsen, die ihnen bei ihren Überfällen helfen. Unter der Gruppe befindet sich auch Robert [Bob] Ford. Bob Ford bewundert Jesse und beobachtet alles was er macht genau. Doch Jesse misstraut Bob von Anfang an und hat ausser Hohn nichts für den jungen Mann übrig. Bald erkennt Ford, dass James nicht der Held ist, den er vermutete und seine anfängliche Bewunderung kehrt sich ins Gegenteil um. Und schließlich kommt es zur "Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford".

Nachdem ich von vielen hörte, dass der Film sehr langweilig sein soll, habe ich lange überlegt ob ich ihn mir auf BluRay kaufe. Am Ende überwog meine Neugier und wass ich sah gefiel mir sehr.
Wer den Namen "Jesse James" hört, denkt fast automatisch an den wilden Westen, Pistolen, Showdowns und einen heroischen Helden in Gestalt eines Ganoven. Die Wahrheit in diesem Film sieht anders aus. Es gibt einen Ganoven, der menschlich aber nicht heroisch ist und einen Westen, der realistisch ist. Es gibt keine Revolverhelden keine Showdowns um 12Uhr mittags. Es gibt nur das Leben in all seiner Form. Der Film ist ruhig ohne Spezialeffekte er zeigt keine wilden Schießereien und Fluchten. Er zeigt 2 Männer deren Schicksal miteinander verknüpft ist. Der Film ist kurz gesagt nicht mehr als eine Biographie des Jesse James und Robert Fords.
Schauspielerisch war der Film sehr gut besetzt (vor allem Pitt weiß zu überzeugen). Man sieht tolle Bilder und das ganze ist untermauert von einer Absolut passenden Musik.

Das Bild der BluRay ist meist gut (Schwächen inklusive) und der Ton weiß auch zu überzeugen.
Extras wird man wohl vergeblich suchen und leider hat die BD auch kein Wendecover.

FAZIT: Ein sehr schöner und glaubhafter Film, der abseits des Actionwesterns in seinem eigenem actionfreien Tempo zu überzeugen weiß.
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am 22. Juli 2015
Es werden tatsächlich auch heutzutage noch hervorragende Westernfilme produziert! "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" (2007) von Regisseur Andrew Dominik zeigt in epischen Bildern die letzten Tage im Leben des berüchtigten Outlaw Jesse James (Brad Pitt) und wie es dazu kam, dass er schließlich von den beiden Ford-Brüdern Robert (Casey Affleck) und Charley (Sam Rockwell) erschossen wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen und Klassikern aus dem Genre wird der Wilde Westen hier nicht romantisiert, sondern stattdessen schonungslos realistisch gezeigt. Der Film wirft für mich auf ethischer Ebene außerdem die Frage auf, ob es sein kann, dass die Moral manchmal nicht auf Seiten des Gesetzes steht? Gibt es bestimmte Situationen im Leben, in denen man aus moralischer Sicht das Recht auf ein Weiterleben innerhalb der Gesellschaft einbüßt, wenn man inhuman und amoralisch gehandelt hat? Die Kernaussage des Films beläuft sich für mich letztendlich darauf, dass selbst der größte Außenseiter einen höheren Wert für eine Gesellschaft besitzt als der kleinste Feigling. Brad Pitt zähle ich zwar nicht zu den Schauspielern, die ich unbedingt so gerne mag, aber in der Rolle des Jesse James hat er mir ausnahmsweise mal sehr gut gefallen und konnte mich als tragische Westernikone überzeugen. Auf positive Weise gewagt und ziemlich mutig finde ich, einen depressiven Desperado zu zeigen, der zum Lebensabend hin in Handeln und Tun durch seine melancholischen Verstimmungen beeinträchtigt wird. Für Casey Affleck ist die Rolle des Feiglings Robert Ford eine dankbare Angelegenheit gewesen, denn diese ambivalenten, leicht verschlagenen, opportunistisch und hinterhältig agierenden Charaktere sind für ihn wie gemacht. Die anderen Darsteller konnten mich auch überzeugen, allen voran Sam Rockwell in der Rolle von Robert Fords Bruder Charley, ein junger Mann ohne Ehre, dafür aber mit schlechtem Gewissen - und somit Menschlichkeit. Etwas fragwürdig finde ich einzig den Filmtitel, der zwar den Balladencharakter des Films betont, aber einen der wichtigen Hauptprotagonisten von vornherein abstempelt und stigmatisiert, so dass man als Zuschauer von vornherein mit der Nase darauf gestoßen wird um was für einen Charakter es sich bei Robert Ford handelt, ohne dass einem die Möglichkeit gegeben wird gedanklich selbst zu diesem Schluss zu kommen. Denn wie der gute alte "Honest Abe" Lincoln schon meinte, kann man einen Feigling nicht wirklich sinnvoll dafür bestrafen, dass er feige gehandelt hat. Entweder man ist ein Feigling, oder man ist es nicht. Wenn man etwas für Filme aus dem Genre übrig hat, sollte man sich "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" auf gar keinen Fall entgehen lassen!
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am 8. November 2014
Wer hätte das gedacht? Andrew Dominik, der 2000 seinen ersten und bis dato einzigen Film gemacht hatte, drehte 2007 mit "The Assassination ..." einen der besten Western der letzten 50 Jahre.

Brad Pitt, der schon sehr viel Ramsch fabriziert hat, spielt überraschend gut, hat aber keine Chance gegen Casey Affleck, der weinerlich und hinterhältig allen die Show stiehlt.
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am 22. Mai 2009
Der Titel lässt es erahnen: DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist ein langer Film. Was er nicht erahnen lässt: Er ist kein Western. Er erzählt über eine Zeit, in der der "Wilde Westen", jene Zeit wilder Schießereien und Legenden über Revolverhelden und Banditen im Niedergang war und in Buffalo Bills Wild West Show konserviert werden musste, weil es ihn in der wirklichen Welt immer seltener gab.

Entsprechend beginnt der Film auch mit dem letzten Beutezug der James-Brüder Frank und Jesse. Beide sind der Heldenverehrung müde, die ihnen als vermeintlichen Robin Hoods des Westens zuteil wurde, sie sind die Legenden leid, die in Groschenromanen über sie Verbreitung finden und junge, enthusiastische Möchtegern-Banditen wie den jungen Robert Ford anlocken. Das Bild, das der Film von Jesse James zeichnet, ist nicht das eines Helden. Es ist das Bild eines Mannes, der an sich selbst zusehends verzweifelt, der sein Leben als Outlaw hinter sich lassen will, um Familienvater zu sein, jener Thomas Howard, in dessen Identität er von Stadt zu Stadt zieht und diese wieder verlässt, sobald das Pflaster dort zu heiß wird. Er ist sich selbst und diese Robert Fords leid, die ehrerbietig zu ihm aufblicken und doch irgendwann beginnen, jenes glorifizierte Zerrbild der Legenden mit dem mangelhaften Menschen zu vergleichen, der Jesse James ist. Und enttäuscht zu sein.

Der Film ist kein New Western, keiner dieser Filme, der die Mythen des guten alten Western begräbt, der mit den Heldenbildern der großen Western-Ära aufräumt, er ist kein UNFORGIVEN, spielt nicht mit Genreversatzstücken wie THE QUICK AND THE DEAD, er ist keine Hommage an ein Vorbild wie 3:10 TO YUMA. Streckenweise erinnert er an Ang Lees RIDE WITH THE DEVIL - bloß ist auch dieser Film deutlich viriler. DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist ein Kammerstück. Es wird kaum geritten, es wird wenig geschossen, und die Schießereien klingen, als würde mit Platzpatronen geschossen. Es gibt wenig Tote, und diejenigen, die es gibt, werden fast alle - wie unehrenhaft - von hinten erschossen.

DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist ein Film über sterbende Männer und deren enttäuschte Sehnsüchte. Alle Männer aus Jesses Bande sind Totgeweihte, und sie alle wissen es. Die Rollen sind ohne Ausfall mit Schauspielern von Format besetzt, auch wenn die behäbige Spiel- und Sprechweise und das gekünstelte Lachen in vielen Szenen das Gegenteil zu vermitteln scheint. Es ist Blendwerk. Der Umgang der Männer mit Jesse James ist geprägt von nackter Furcht, der Jesses mit seinen Spießgesellen von Mißtrauen und Argwohn. Brad Pitt spielt den frühgealterten Outlaw mit einer fast geistesabwesenden Schläfrigkeit, hinter deren Fassade ein wildes Tier darauf lauert, loszuschlagen. Casey Affleck gibt den vermeintlichen Feigling Robert Ford, den sich Jesse James als Erlöser erwählt hat, als eine abstruse Mischung aus Selbstbewusstsein und Kleinmut.

Die von Roger Deakins begnadet geschossenen Bilder und die von Nick Cave und Warren Ellis beigesteuerte, sehnsuchtsvoll-moritätische Musik nötigen auch dem Zuschauer die Leere jener tragisch-unaufrichtigen Berühmtheit auf, an der Jesse James verzweifelt. Am Ende wird er nicht erschossen von dem Feigling Robert Ford, er lässt sich von ihm erschießen, von dem Mann, dem er die Waffe dazu eigenhändig übergibt und der ihn von seinem unerträglich gewordenen Dasein erlöst. Im ersten Drittel des Films fragt Jesse James seinen späteren Mörder: "Can't figure it out: do you want to be like me or do you want to BE me?" Am Ende lässt er Robert Ford erfahren, wie es war, Jesse James gewesen zu sein und wie er zu enden.

Ich gestehe: Ich musste den Film zweimal anfangen. Beim ersten Mal war ich müde, und ich wusste bereits nach zwanzig Minuten, dass ich die langen 160 Minuten, die der Film dauert, nicht durchstehen werde. Irgendwann unternahm ich - durchaus in der Annahme, womöglich erneut zu scheitern - einen zweiten Anlauf, verkniff mir die Bequemlichkeit, die bereits gesehene halbe Stunde zu überspringen und entschloss, noch einmal von vorne anzufangen.

Es hat sich gelohnt. DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist eine schrecklich-schöne Elegie. Das Schöne daran ist: Auch wenn der Titel den Ausgang des Films verrät, versteht man dennoch erst am Schluss, was eigentlich passiert ist.
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am 13. März 2016
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, ist ein Western, der kein Western ist.
Hier wird Jesse James, als Mensch hinter der lebenden Legende gezeigt, wo er sonst, als schießwütiger Krimineller / Volksheld dargestellt wird.
Alles dreht sich um die Hauptfigur, so dass die anderen Charaktere kaum wirklich Entfaltung finden- aber Brad Pitt, trägt diesen Film so souverän, so, wie ihn die Regie dies lässt.
Die Inszenierung ist gelungen, die Regie leider etwas zu zäh / langatmig.
Wer aber Erzählkino mit langsamen Bildern und viel Tiefe mag, wird bei diesem Western- der kein Western ist- auf seine Kosten kommen.
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am 12. März 2008
ICh fand den Film nicht langweilig. Ein interessantes Potrait eines Mannes, der für viele ein Held war und doch irgendwie nicht so wirklich ein Held war. Brad Pitt spielt Jesse James als einen sehr schwer zugänglichen Charackter was den Sympathiebonus für diesen Mann noch mal nach unten sinken lässt ( So sympathisch war Jesse James nicht) Auch bei Robert Ford weiss man nicht genau, was in ihm vorgeht, obwohl sein Motiv ja eigentlich
hinlänglich bekannt ist : Ruhm ! Doch tut er es wirklich aus Ruhm oder aus Angst, oder aus beiden Gründen oder hat er ein anderes Motiv ?
Der Film ist jedenfalls äußert stilvoll in Szene gesetzt worden, mit tollen warmen Farben und sehr schönen Landschaftsaufnahmen. Ein Punkt Abzug dafür, dass es an manchen (klizekleinen ) Stellen doch hakt.
Trotzdem hat mich der Film auf seltsame Art und Weise fasziniert. Es ist nur schwer die richtigen Worte für den Film und das Genre zu finden. Western trifft nicht ganz zu und "Kunstfilm" ist mir auch etwas weit hergeholt. Für wahr, der Film erstreckt sich über ein ziehmlich weites Feld
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am 22. Mai 2015
Die Konflikte der Protagonisten in dieser Western Ballade bleiben von Anfang an Unausgesprochen.
Es zeigt sich wie schmal die Grenze zwischen Faszination und Besessenheit ist bei Bob Ford.
Unfähig über seine Enttäuschung und dem Romantischen Gedanken ein Bandit zu sein bleibt der Mord
an Jesse James der ein Wrack ist und Depressiv die einzige Erlösung für Beide.
Noch nie wurde in so schönen Bildern und einer perfekten Ausstattung diese Zeit eingefangen wie in diesem
Film, dabei spielt die Musik von Warren Elis und Nick Cave eine tragende Rolle.
Er ist Ruhig und extrem Melancholisch und zeigt wie Schändlich es ist wenn man in Menschen etwas hineininterpretiert.
Perfekt gespielt von allen Schauspielern ist das ein Meisterwerk das es viel zu selten gibt.
Leider verleitet dieser Film etwas zu erwarten was er nicht ist was interessant ist weil das eine Handlung des Films ist.
Kein Actionfilm oder Western sondern ein Melodram ohne Kitsch oder Tränen.
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am 12. Februar 2016
Ein sehr außergewöhnlicher Western mit melancholischen Stimmungen. Der Film ist kein Action geladener typischer Western mit Revolverhelden sondern zeigt den wilden Westen von einer realistischeren Seite. Auch die Handlung des Films ist großteils historisch korrekt. Man wird von wunderbarer melancholischer aber erhebender Musik durch den Film begleitet. Ein episches Meisterwerk!!!
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Jesse James ist der wohl bekannteste Bankräuber des 19. Jahrhunderts im Wilden Westen. Mit seiner Bande dringt er in Zügen, Postkutschen und Banken ein, um Geld zu erwirtschaften und für seine Frau und Kinder zu sorgen. Robert Ford begegnet ihm eines Tages und möchte so sein wie Jesse, da er ihn schon als Kind in den Comics verehrt hat. Robert wird in die Bande mit aufgenommen, beobachtet Jesse und jede seiner Gesten, erhält Waffen und wird irgendwann übermütig...

Der Titel des Films verrät schon den Ausgang bzw. den Kern des Films, das ist nicht gerade gut, wenn man einen spannenden Streifen sehen möchte, dessen Ende unerwartet bleiben soll. Der Film selbst ist zwar auf der einen Seite von der Warte des schauspielerischen Talents aus betrachtet ein Meisterwerk, denn Brad Pitt überzeugt in seiner furchteinflößenden Rolle als unberechenbarer und brutaler Bösewicht aus dem Wilden Westen, genauso wie Ben Afflecks Bruder Casey Affleck, der hier Robert Ford als einen infantilen, unentschlossenen, beeinflussbaren 19-jährigen darstellt, der wie 20 Jahre erscheinen möchte. Die Rollenverteilung ist somit perfekt, die Drehorte sind auch typisch für den Wilden Westen und die Dialoge sind manchmal sehr tiefgründig, psychologisch in den Bann ziehend und verstrudelt, so, als ob man als Zuschauer in eine Spirale blickt und einem ganz schwindlig wird vor lauter Spannung. Das wirklich mangelhafte an diesem Film ist der Mangel an Kompaktem, man sitzt einfach viel zu lang vor dem Fernseher und bekommt oft sehr ähnliche Bilder vorgespielt, Szenen, die gar nicht zur Weiterführung der Handlung beitragen, ganze 150 Minuten mit langatmigen Szenen, die genauso fad scheinen, wie der viel zu lange Titel des Films. Etwas Gutes hat der Streifen dennoch: Man lernt Jesses Leben etwas kennen und bekommt einen bildichen Eindruck und Einblick der damaligen Umstände in Amerika bzw. des Republikaner-Demokraten-Konflikts zur Zeit des Sezessionskriegs. Insofern ist dieser Film nur eine biographische Verfilmung des bekannten Bankräubers James, wenn man also etwas über ihn in einem Buch oder im Internet nachliest, ist man genauso schlau wie in diesem Film, man muss den Streifen also nicht unbedingt im Leben gesehen haben, um Jesse anschaulich dargestellt zu bekommen.

~Bücher-Liebhaberin~
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am 23. Januar 2008
Daß viele Leute inklusive des FAZ-Rezensenten mit diesem Film nicht zurechtkommen,obwohl sie das Ungewöhnliche an ihm durchaus irgendwie registrieren, hängt damit zusammen, daß er darstellerische Kategorien des Genres völlig durcheinanderwirbelt, um damit etwas Neues zu machen, das bisher noch nicht da war. Ein Actionfilm ist er sowieso keiner, wer das von ihm erwartet, liegt nicht weniger daneben wie jemand, der in den "Tod in Venedig" geht in der Erwartung, es handele sich um einen Kriminalfall. "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist aber auch nicht bloß ein weiterer jener sogenannten Spätwestern, die die Fallstricke dieser Filmgattung vorführen, ihre Funktion im kollektiven Bewußtsein Amerikas in Frage stellen. Der Film ist in erster Linie eine Verknüpfung von Formen, die nach den Kriterien des gesunden Menschenverstandes eigentlich nicht zusammenpassen: grandiose Naturbilder und intimes Kammerspiel, die Weite des Raumes und Dialoge wie auf dem Theater. Die Sprache hat einen ganz anderen Stellenwert als das Bild, manchmal scheint es, als käme sie gegenüber den Bewegungen der Akteure mit Verzögerung, als wäre das, was man hört, eine eigenständige Schicht gegenüber dem, was zu sehen ist. Häufig sind die Naturbilder aber auch artistisch aufgeteilt, in der Mitte klar und profiliert, und zu den Rändern verschwommen und diffundierend, als seien es Ausgeburten menschlicher Phantasie. Es gibt in diesem Film Szenarien, die von Ingmar Bergman stammen könnten, z.B. die Anfangsszene im Wald, wo die Crew auf den Stämmen hockt und über das Leben "philosophiert", während die Sonne den Hintergrund erhellt. Ein anderes Element kommt wie aus Stanley Kubricks "Barry Lyndon": eine extreme, bis in die kleinsten Details reichende Rekonstruktion des historischen Ambientes. Gegenüber dem, was man gemeinhin Western nennt, ist der Raum hier von einer ungeheuren materiellen Schwere, der die Menschen ausgeliefert sind, die sie jedenfalls nicht souverän beherrschen. Zu Zeiten von John Ford und John Wayne war die Prärie das freie Feld für die Handlungen der Personen, sie agierten in ihm, vielleicht nicht ganz nach Plan, aber sie füllten ihn mit ihrem Tun aus, er setzte ihnen nur eingeschränkt Widerstand entgegen. Bei "Jesse James" aber werden die Personen vom Gewicht der Dinge geradezu erdrückt: daß Robert Ford am Schluß Jesse James wirklich erschießt, glaubt man fast gar nicht, so sehr wird die Schwere und Unhandlichkeit der Waffe inszeniert, die ihrerseits aber nur ein Zeichen ist für die Last des Materiellen überhaupt. Lastend schwer ist nicht zuletzt alles Körperliche: z.B. die Nacht vor dem Mord, in der Robert Ford und Jesse James in einem Zimmer schlafen und jedes Räuspern oder jeder Atemzug erscheint, als ob ein Gewicht gestemmt werde. Daß JJ RF untersagt, auf den Lokus zu gehen, bringt das auch sprachlich auf den Punkt.
Über die Schauspieler ist zu Recht viel Gutes geschrieben worden, vor allem über Casey Affleck, der der hundsschwierigen Rolle des Robert Ford mehr als gerecht wird, die Beziehung zu JJ glaubhaft als eine aus Kleinheit geborene verzweifelte Liebe "rüberbringt". Daß Brad Pitt ein eindrucksvoller Schauspieler sein kann, wußte ich vorher nicht, ich hielt ihn für einen schwächlichen Schönling. Das war eindeutig falsch, wie sich an seiner Darstellung des Jesse James zeigt: Pitt verleiht dieser Rolle eine ungemein eindringliche Zwiespältigkeit: sie ist böse (in der Szene mit der Schlange etwa), aber zugleich resigniert und depressiv. Sie übt brutale Gewalt aus, aber sie denkt auch über sich und die eigene Rolle nach."Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist der mit Abstand bedeutendste Western seit Clint Eastwoods "Unforgiven". Innerhalb des heutigen Kino-Mainstream mag er primär ein Fremdkörper sein (allein der sehr inhaltlich orientierte Trailer schlägt allem ins Gesicht, was einem im aktuellen Vorprogramm geboten wird. Vor allem aber strahlt er eine Atmosphäre aus, wie sie in keinem anderen Film existiert. Er ist ein historisch einzigartiges Kunstwerk.
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