Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
54 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Film ist trotz aller Kritik ein kleines Meisterwerk !, 25. Juni 2008
Trotz aller negativen Kritik habe ich mich vor ein paar Monaten ins Kino gewagt um mir den Film mit dem mir bisher längsten bekannten Filmtitel anzusehen. Man könnte nun sagen das man schon beim Titel des Films Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ahnen müsste das es eine langwierige Angelegenheit werden könnte. Mit 160 min (nicht wie hier angegeben 150 min) ist daraus auch ein Film geworden der zum einen wirklich etwas Geduld einfordert und der glücklicherweise so weit weg vom Hollywood Mainstream Kino angesiedelt ist.
Soll nicht heissen das ich besagtes Blockbuster Kino nicht mag, aber es ist dann immer wieder schön Filme zu finden die alleine durch Atmosphäre und tolle Bilder überzeugen können und nicht nur durch Special Effects punkten.
Ich muss an dieser Stelle aber auch zugeben das der Film im Grunde genommen alles hat was es für einen richtig gewaltigen Hollywood Flop braucht. Wenig Handlung, kaum Spannung, ein vorhersehbares Ende, kaum Action und oft endlose Dialoge machen den Film auch nicht gerade zu einer leichten Kost. Trotzdem hat mich der Film so richtig gefesselt, den zum einen schafft Regisseur Andrew Dominik eine Atmosphäre die in meinen Augen sehr gelungen ist und dann kann er mit einer Bilderflut punkten die einfach großartig ist. Dazu kommen mit Brad Pitt und Casey Affleck zwei Hauptdarsteller die absolut geschaffen sind für Ihre Rollen. Wer hier einen Western mit großartiger Action und absoluter Hochspannung erwartet, der sollte lieber gleich die Finger davon lassen, wer sich aber gerne mal auf Kino der etwas anderen Art einlässt und sich auch die Zeit nimmt für einen großartigen Film, der sollte hier zugreifen. Wer hier nur einen Stern vergibt, der ist meiner Meinung nach wohl schon zu sehr abgestumpft worden durch vollgepflastertes Special Effects Kino und hat kein Gespür für einen guten Film.
Der Film erinnert vom Erzähltempo her eher an die Filme Der mit dem Wolf tanzt oder auch Erbarmungslos und ist nicht mit den typischen Western der 50er und 60er Jahre zu vergleichen.
Was mir sehr gefallen hat war die Fimmusik von Nick Cave und Waren Ellis, die einen perfekten Film noch den letzten Schliff verleiht. Die Pianoklänge wirken immer einprägsam aber nie aufdringlich wie es oft bei Filmmusiken der Fall ist.
Erzählt wird uns die Geschichte des vielleicht berüchtigsten Banditen des wilden Westens ab dem letzten zusammen mit seinem Bruder Frank verübten Überfall auf eine Zug im Jahre 1861. Nach diesem Überfall versucht der erst zwanzig jährige Robert Ford Mitglied in der Bande von Jesse James zu werden. Für den nicht beliebten und etwas zurück gebliebenen Ford ist Jesse James ein absolutes Vorbild und er versucht dieses immer mehr zu kopieren. Es kommt schließlich zum unausweichlichen Finale. Darüber hinaus erzählt uns aber der Film auch, über den Mord an Jesse James hinaus, was mit seinem Mörder und dessen Bruder danach passiert ist.
Für mich defintiv einer der besten Western die ich kenne und ich meiner Sammlung befinden sich so einige. Genau deshalb habe ich mich auch entschlossen mir von Jesse James die Special Edition im Digi Pack nach Hause zu holen und da wurde ich dann bitter enttäuscht. Zum einen git es im Vergleich zur normalen DVD überhaupt kein Bonusmaterial und dann ist der Preis auch noch erheblich teurer. Einzig allein ein zugegeben recht schick gestaltetes Digi Pack machen noch lange keine Special Edition. Das beiliegende Booklet das angepriesen wird ist dann auch nicht der Rede Wert. Ich erwarte von einer Special Edition eine zweite DVD mit ausreichend Bonusmaterial und nicht die selbe DVD Ausstattung wie ich sie schon bei der normalen DVD Auflage bekomme. Also, für alle die sich den Film zulegen wollen sei gesagt das die Einzel DVD völlig ausreicht, da die DVD selbst zu 100% identisch ist mit der DVD aus der Special Edition.
Der Film ist für mich wie gesagt ganz große Klasse, die Special Edition dafür eine bodenlose Unverschämtheit und jeder der sich den Film zulegen will ist wie gesagt mit der Einzel DVD sehr gut versorgt. Den hier bekommt er nur eine andere Verpackung und ein kleines Heftchen mit dazu welches den Preisunterschied garantiert nicht wert.
|
|
|
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Being Jesse James, 22. Mai 2009
Der Titel lässt es erahnen: DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist ein langer Film. Was er nicht erahnen lässt: Er ist kein Western. Er erzählt über eine Zeit, in der der "Wilde Westen", jene Zeit wilder Schießereien und Legenden über Revolverhelden und Banditen im Niedergang war und in Buffalo Bills Wild West Show konserviert werden musste, weil es ihn in der wirklichen Welt immer seltener gab.
Entsprechend beginnt der Film auch mit dem letzten Beutezug der James-Brüder Frank und Jesse. Beide sind der Heldenverehrung müde, die ihnen als vermeintlichen Robin Hoods des Westens zuteil wurde, sie sind die Legenden leid, die in Groschenromanen über sie Verbreitung finden und junge, enthusiastische Möchtegern-Banditen wie den jungen Robert Ford anlocken. Das Bild, das der Film von Jesse James zeichnet, ist nicht das eines Helden. Es ist das Bild eines Mannes, der an sich selbst zusehends verzweifelt, der sein Leben als Outlaw hinter sich lassen will, um Familienvater zu sein, jener Thomas Howard, in dessen Identität er von Stadt zu Stadt zieht und diese wieder verlässt, sobald das Pflaster dort zu heiß wird. Er ist sich selbst und diese Robert Fords leid, die ehrerbietig zu ihm aufblicken und doch irgendwann beginnen, jenes glorifizierte Zerrbild der Legenden mit dem mangelhaften Menschen zu vergleichen, der Jesse James ist. Und enttäuscht zu sein.
Der Film ist kein New Western, keiner dieser Filme, der die Mythen des guten alten Western begräbt, der mit den Heldenbildern der großen Western-Ära aufräumt, er ist kein UNFORGIVEN, spielt nicht mit Genreversatzstücken wie THE QUICK AND THE DEAD, er ist keine Hommage an ein Vorbild wie 3:10 TO YUMA. Streckenweise erinnert er an Ang Lees RIDE WITH THE DEVIL - bloß ist auch dieser Film deutlich viriler. DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist ein Kammerstück. Es wird kaum geritten, es wird wenig geschossen, und die Schießereien klingen, als würde mit Platzpatronen geschossen. Es gibt wenig Tote, und diejenigen, die es gibt, werden fast alle - wie unehrenhaft - von hinten erschossen.
DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist ein Film über sterbende Männer und deren enttäuschte Sehnsüchte. Alle Männer aus Jesses Bande sind Totgeweihte, und sie alle wissen es. Die Rollen sind ohne Ausfall mit Schauspielern von Format besetzt, auch wenn die behäbige Spiel- und Sprechweise und das gekünstelte Lachen in vielen Szenen das Gegenteil zu vermitteln scheint. Es ist Blendwerk. Der Umgang der Männer mit Jesse James ist geprägt von nackter Furcht, der Jesses mit seinen Spießgesellen von Mißtrauen und Argwohn. Brad Pitt spielt den frühgealterten Outlaw mit einer fast geistesabwesenden Schläfrigkeit, hinter deren Fassade ein wildes Tier darauf lauert, loszuschlagen. Casey Affleck gibt den vermeintlichen Feigling Robert Ford, den sich Jesse James als Erlöser erwählt hat, als eine abstruse Mischung aus Selbstbewusstsein und Kleinmut.
Die von Roger Deakins begnadet geschossenen Bilder und die von Nick Cave und Warren Ellis beigesteuerte, sehnsuchtsvoll-moritätische Musik nötigen auch dem Zuschauer die Leere jener tragisch-unaufrichtigen Berühmtheit auf, an der Jesse James verzweifelt. Am Ende wird er nicht erschossen von dem Feigling Robert Ford, er lässt sich von ihm erschießen, von dem Mann, dem er die Waffe dazu eigenhändig übergibt und der ihn von seinem unerträglich gewordenen Dasein erlöst. Im ersten Drittel des Films fragt Jesse James seinen späteren Mörder: "Can't figure it out: do you want to be like me or do you want to BE me?" Am Ende lässt er Robert Ford erfahren, wie es war, Jesse James gewesen zu sein und wie er zu enden.
Ich gestehe: Ich musste den Film zweimal anfangen. Beim ersten Mal war ich müde, und ich wusste bereits nach zwanzig Minuten, dass ich die langen 160 Minuten, die der Film dauert, nicht durchstehen werde. Irgendwann unternahm ich - durchaus in der Annahme, womöglich erneut zu scheitern - einen zweiten Anlauf, verkniff mir die Bequemlichkeit, die bereits gesehene halbe Stunde zu überspringen und entschloss, noch einmal von vorne anzufangen.
Es hat sich gelohnt. DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist eine schrecklich-schöne Elegie. Das Schöne daran ist: Auch wenn der Titel den Ausgang des Films verrät, versteht man dennoch erst am Schluss, was eigentlich passiert ist.
|
|
|
20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kammerspiel in epischen Bildern: Entmystifizierung eines Helden aus der Kindheit., 2. November 2008
Zwei Dinge lassen diesen Film besonders herausragen: Die Kamera und die zwei Hauptdarsteller.
Die Bilder dieses Filmes sind einfach ein unwahrscheinlicher Genuss! Jede Kameraeinstellung ist ausbalanciert, die Naturaufnahmen, sehr still und weit, sind schlicht atemberaubend. Auch die Kostüme sind ein Augenschmaus. Die wunderschöne Musik von Nick Cave und Waren Ellis untermalt auf unaufdringliche aber eindringliche Art und Weise die außergewöhnlichen Bilder.
So kann man sich in dem drei Stunden langem, kammerspielartigen Film, immer wieder zurücklehnen und die schönen Bilder genießen. Das langsame und fast meditative Fortschreiten der "Handlung" fordert zwar einiges an Geduld vom Zuschauer ab, aber man wird immer wieder belohnt durch faszinierende Bilder ziehender Wolken, wogendem Grasland, Blicke in einen zugefrorenen See und Blicke hinter die Fassade von Jesse James.
Die beiden Hauptdarsteller Brad Pitt als Jesse James und Casey Affleck als (Robert) Bob Ford sind aufgrund ihrer Spielkunst absolut genial ausgesucht und auch beide mehr als hübsch genug, dass man sie überhaupt ganze 3 Stunden lang angucken mag. Brad Pitt schafft es nicht nur die Grausamkeit und Kaltblütigkeit eines Jesse James zu vermitteln sondern auch die Leere dazwischen, den Überdruss, die Sinnlosigkeit und die Angst.
Bob Ford, der Jesse James schon seit Kindesbeinen an, wie eine Ikone verehrt und ihm nacheifert, kann man den Film über beobachten, wie er in der Auseinandersetzung mit dem echten Jesse James seinen Helden entmystifiziert und sich schließlich von ihm befreit. Er, Bob Ford, ist das eigentliche Zentrum des Filmes. Ein hoch sensibler Junge von 19 (fast 20) Jahren, der in seiner Familie gehänselt und nicht ernst genommen wird und, obwohl er intelligenter als seine Geschwister und Vettern ist, wird er immer klein gehalten. Er versteckt sich hinter dem was er gerne wäre, anstatt das zu leben was er ist. Er steht sich im Endeffekt selbst im Wege und anstatt sich zu entwickeln und zu reifen, eifert er einer Wunschfigur nach. Er leidet darunter dass er naiv, unbeholfen und gehemmt, ja auch feige ist. Jesse James war immer das genaue Gegenteil, die Verkörperung dessen was er einmal sein wollte, der das Maximum an Respekt für sich in Anspruch nimmt, welchen er zur Gänze vermisst. Die Realität sieht allerdings anders aus. Als er dies erkennt schafft er sich die Figur die seinem Leben im Wege steht endlich vom Hals. Peng!
Dies ist auch schon die Geschichte des Filmes. Der lange Titel erzählt sie ja schon fast zur Gänze, deswegen habe ich hier hoffentlich nicht zuviel verraten.
Oder ist am Ende doch alles anders??
Es handelt sich hier nicht wirklich um einen Western, auch nicht um einen Abenteuerfilm, der eine spannende Robin Hood Geschichte erzählt, sondern um eine charakterliche Studie, die eher die Heldenfigur von ihren Sockel stößt und ihre Niedrigkeiten und Belanglosigkeiten zeigt, statt ihre Ruhmesgeschichte. Viel mehr ist da nicht. Eine Handlung mit Spannungskurve und markanten Actionszenen ist da nicht auszumachen. Es werden zwar ein paar Überfälle gezeigt und in ein paar Nebensträngen der Zerfall der räuberischen Gemeinschaft aber darum geht es im Film nicht. Auch die sonst obligatorische weibliche Hauptrolle fehlt.
Hab ich`s vermisst? Jein.
Ich gestehe, dass ich manchmal etwas ungeduldig wurde, aber es muss auch solche Filme geben, die nicht den konventionellen Sehgewohnheiten entsprechen und dem Zuschauer liebgewordene Dinge z.B. Romantik, Pathos oder Action vorenthalten und dafür den Blick für etwas anderes öffnen. Eine Straffung hätte dem Film vielleicht gut getan, ich vermag mich da aber nicht festzulegen.
Ich glaube nicht, dass dieser Streifen dem Klischee eines Jesse James gerecht wird, glaube aber auch nicht, dass der Film dies überhaupt will. "Die Ermordung des Jesse James" ist kein Western, diese Geschichte vom gescheiterten Helden und dem Verrat an ihm, hätte genauso im galaktischen Orbit unter den Klingonen stattfinden können. Trotzdem ist Jesse James himself, im Vergleich zu anderen Filmen, hier vielleicht am authentischsten dargestellt.
Manchmal hatte ich den Eindruck Jesse James und Bob Ford wären eine einzige Person, so als wäre James nur ein Ableger in Fords Seele. Aber vielleicht ist das jetzt auch arg weit hergeholt. ;-))
Man könnte Bob Ford sogar als eine Art "Judasfigur" betrachten. Jesse James hat dessen Verrat nicht nur vorausgesehen, sondern auch gefördert und darüberhinaus zu seiner Bestimmung gemacht.
Jedenfalls hängt auch James nicht mehr an seinem leeren Dasein. "Ich bin für mich selbst ein Problem geworden." Konstatiert Jesse James am Ende. Und schenkt Bob Ford eine Pistole....
Mag sein, dass meine Interpretation sehr persönlich und eigenwillig ist. Der Film lädt aber dazu ein, dass sich jeder seine eigene bastelt.
Die DVD wird der genialen Kameraarbeit von Roger Deakins, dem Stammkameramann der Coen-Brüder, optisch absolut gerecht, wartet aber mit so gar keinem Hintergrundmaterial und auch keinem anderen Bonus auf.
Originaltitel: The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford
USA 2006
160 Min
Regie: Andrew Dominik
*Jesse James - Brad Pitt
*Robert(Bob) Ford - Casey Affleck
*Charley Ford - Sam Rockwell
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|