Ein hoher Polizeikommissar und ein ihm untergeordneter Inspektor machen sich auf den Weg, in der Grenzregion zu Algerien im Gebirge zu ermitteln. Der Kommisar gehört zur neuen marokkanischen Elite, hat eine französische Schulbildung und benimmt sich den Dorfbewohnern, die beide in der glühenden Berghitze treffen, gegenüber als wenn er ein wertvollerer Mensch wäre. Der Inspektor hingegen, stammt aus ärmlichen typisch marokkanischen Verhältnissen, ist der Kultur seines Heimatlandes näher. Was beide dort suchen, will der Kommissar nicht preisgeben. Sie werden im Bergdorf freundlich, aber skeptisch aufgenommen und im Verlauf ihres Aufenthalts wird immer deutlicher, wie sehr der Kommissar die Rolle des ehemaligen Protektoren Frankreich weiterspielt. Dies ist auch eines der primären Anliegen in Driss Chraibis gesamten Werk. Schon vor über 30 Jahren, mit "Le passe simple" hat er den Grundstein für eine immer wieder beissende Kritik an der marokkanischen Gesellschaft gelegt. Den Verlust der eigenen Identität, die Unterdrückung der sozial Schwachen durch die sogenannte französisch-marokkanische Elite und auch die Stellung der Frau im modernen Islam (Die Zivilisation, Mutter) sind Chraibis zentrale Themen. Dabei bedient er sich einer sehr genauen Beobachtungsgabe, beschreibt das Lebensgefühl und die arabisch/berberischen Eigenheiten auf eine sehr mitfühlende Art. Gerade "Ermittlungen im Landesinneren" versteht es ausgezeichnet mit feinsinnig-satirischem Humor die Groteske, die Verzweiflung und Hoffnung im Leben der Mehrheit der Marokkaner zu vermitteln, ohne dabei deren Stolz zu verletzen. Chraibi vermittelt ein farbiges, wenn auch sehr kritisches, Bild seines Heimatlandes und hat mit "Ermittlungen im Landesinneren" einen, nicht nur für Freunde des Maghreb, äußerst unterhaltsamen Roman geschrieben.cg (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)