... Denn der Mongols MC macht dem einstigen Khan der Mongolen alle Ehre, so zweifelhaft diese sein mag...
Doch zunächst mal zu Mr. William Queen alias "Billy St. John": Queen ist ein hochdekorierter Vietnam-Veteran und ATF-Agent. Ist also ein gaaanz harter Hund, der keine Drogen nimmt außer seine tägliche Ration 'Stars and Stripes'. Ein stolzer Amerikaner, so dass in seiner Erzählung auch gerne mal ordentlich amerikanischer Pathos mitschwingt. Während seiner Karriere beim ATF hatte er bereits diverse Gangs und Nazi-Organisationen infiltriert und nahm sich dann vor, die Biker-Outlaw-Szene mal gehörig aufzumischen.
Was soll ich sagen? Zum Verständnis: Zuvor hatte ich Jay Dobyns "Falscher Engel" gelesen. Ich weiß nicht, ob's daran liegt, dass Dobyns sich bei der Beschreibung der Hells Angels zurück hält (die mit Sicherheit auch keine Waisenknaben sind), oder Queen maßlos übertreibt, aber die Hells Angels wirken gegen die Mongols tatsächlich wie Gentlemen. So ist Mord bei den Mongols nix weiter als ein kleines Malheur, Schlägerein und Vergewaltigungen ein netter Zeitvertreib und die Frauen gehören zum Besitz. Tatsächlich soll ständig irgendwer erstochen oder vermöbelt werden, aber mein persönliches Highlight ist der Versuch eines Mongols die erhebliche Verletzung seiner Freundin (er hatte sie gerade verdroschen) mit Klebeband zu tapen. !!!. Auch Queen stößt dies sauer auf, obwohl auch er nicht immer Prince Charming ist. So erzählt er, dass er in einer Nacht nicht viel schlafen konnte, weil seine Freundin sich mal wieder "aussprechen" wollte (ja ja, das dumme Huhn...), und die Biker Damen beschreibt er ganz blumig als "drogensüchtigen Fleischberg" oder "mit einem Gesicht zum Weglaufen". Hab trotzdem gelacht.
Ähnlich wie Dobyns für die HAs, entwickelt Queen für die geselligen Mongolen Sympathien und wünscht sich das ein oder andere Mal den Job an den Nagel zu hängen. Nicht zuletzt geraten seine Überzeugungen ins wanken, als seine Ziehmutter stirbt und der einzige Trost, den er erhält nicht von seinen ATF-Kollegen kommt, sondern von den bösen Bikern, die ihm auf die Schulter klopfen und ihm ihr Beileid aussprechen.
Fazit: Queens Buch liest sich schnell, schon fast zu schnell. Für meinen Geschmack ein wenig zu reißerisch geschrieben. Die 2 Jahre bei den Mongols fliegen nur so dahin... Kaum ist er Anwärter und wird von freundlichen Zeitgenossen wie 'Red Dog' gequält, ist er auch schon Schatzmeister und dann Vize seines Chapters. Ich hätte mir ein bißchen mehr zwischen den Räuberpistolen gewünscht. Und ob man tatsächlich alles für bare Münze nehmen kann oder sollte, muss jeder für sich selbst entscheiden... Ich jedenfalls habe an der einen oder anderen Berschreibung der Tathergänge so meine Zweifel. Trotzdem lesenswert durch Begebenheiten, die einen teilweise den Kopf schütteln oder auch mal laut loslachen lassen.