Fühlt sich der Leser auf den ersten Seiten vielleicht noch zwiegespalten, so muss er sich dann entscheiden: das Buch in die Tonne hauen - da es beim Leser einen freien Geist voraussetzt - oder den Hut zu ziehen vor einem freien Geist, der sich seine Klarheit nicht durch dogmatisches Denken, devote Lehrerunterwerfung und irrationale Befreiungswünsche verdunkeln lässt. Sondern stattdessen die Wurzeln der buddhistischen Lehre zeitgemäss freilegt. Und damit auch den Leser herausfordert.
Wer allerdings glaubt, viele Jahre sich mit Buddhismus zu beschäftigen und viele Vorträge reichen aus, um irgend etwas zu verstehen, wird den Inhalt nicht an sich herankommen lassen. Denn Buddha verlangte nicht mehr und nicht weniger, als unabhängige Arbeit an sich selbst in einer Gemeinschaft freier Geister. Und Arbeit an sich selbst bedeutet: sich selbst zu prüfen, die eigenen Gedanken und das eigene Handeln auf ihren Wert und ihre Auswirkung untersuchen und wo nötig so zu ändern, dass es mir und den anderen gut tut.
Und dies arbeitet der Autor m. M. hervorragend heraus. Dabei wird auch deutlich, dass inzwischen westlich psychologische Methoden die buddhistische Praxis unterstützen können, ohne sie in Frage zu stellen oder zu ändern.