Jack Kornfield hat hier ein wunderbares und sehr hilfreiches Buch zum Thema "'Erleuchtung"' geschrieben. Ohne abzuheben, ohne den so oft gehörten esoterischen Überschwang, sondern in einer Art und Weise, die vermuten lässt, dass er weiss, wovon er spricht.
Über "'Erleuchtung"' gibt es viele Missverständnisse. Das vielleicht grösste: Es herrscht die Meinung, dass sie einfach irgendwann da ist und dann auch bleibt. Ein '"Erleuchteter'" wandelt dann quasi selig im ewigen Nirvana auf Erden. Das ist natürlich nicht so -' höchstens die Hollywood-Happy-End-Erleuchtungs-Version. Es gibt zwar durchaus beglückende und über alle Beschreibungen sprengende Erleuchtungserfahrungen (im Zen: Satori), also Einsichten, die über das kleine Ich hinausgehen und uns absolut befreiende Erfahrung machen lassen, aber sehr, sehr selten gibt es eben das, was man als "'vollkommene Erleuchtung'" bezeichnet: Dieser Zustand, der dann voll und ganz so bleibt ' trotz irdischen Daseins. Jack Kornfield meint sogar, dass es seiner Meinung nach zur Zeit im Westen keinen einzigen Menschen gibt, der über diese "vollkommene Erleuchtung" 'verfügt'.
Kornfield hat mit vielen Lehrern, Heiligen, Zen-Meistern, Nonnen und Mönchen gesprochen 'und lässt diese auch in sehr ausführlichen und teilweise seitenlangen Zitaten zu Wort kommen. Alle bestätigen sie diese Erkenntnis: '"Erleuchtung"' ist nichts, was geschieht und dann so bleibt. Es handelt sich bei ihr zwar um ein absolut tiefgreifendes Erlebnis, das unsere Sicht des Lebens ganz grundlegend verändert, aber dieser Zustand ist damit eben nicht ein für allemal '"da'". Es mag sicher die eine oder andere seltene Ausnahme geben, aber in aller Regel benötigt es weitere Praxis, um diesen Zustand zu stabilisieren und in auch in den Alltag zu bringen. Also das, was man als '"die Praxis leben"' bezeichnet.
Das ist für mich der wesentliche Kern dieses Buches: Wir alle können diese Erfahrungen durch geduldiges Üben und durch Hingabe machen, aber wir dürfen nicht der irrigen Meinung verfallen, dies wäre es dann. Es geht immer weiter. Es gibt nichts festzuhalten ' nicht einmal Erleuchtung.
Jack Kornfield hat in meinen Augen eines der wenigen Bücher geschrieben, in denen das so klar zum Ausdruck kommt. Er hat es nicht nötig, in seinem Buch auf eine Weise über "Erleuchtung" zu schreiben, die uns glauben machen soll, dass wir es hier mit einem '"vollkommenen Erleuchteten" ' oder gar Heiligen zu tun hätten. Er bleibt ganz Mensch.
Das zeigt vielleicht gerade einen wahren erleuchteten Geist. Wenn er wirklich nichts mehr nötig hat. Nicht einmal die Prahlerei mit Erleuchtung.
Peter Steiner, Autor von "Weisheit für Minimalisten" und "Das Wesentliche so nah"....
PS: Vorsicht, es handelt sich um dasselbe Buch, das 2001 bereits unter dem Titel "Das Tor des Erwachens" im Kösel-Verlag erschien! (Vergleichen Sie die Buchcovers.) Es handelt sich hier also nicht um ein neues Buch von Jack Kornfield, sondern viel mehr um eine Art Reprint - worauf vom Verlag eigentlich hingewiesen werden müsste!