Ja so hätten wir es gerne: Wir kommen nach Hause und alles ist erledigt. Die Chipstüten stapeln sich, die Musikanlage ist eingestöpselt, die Bierflaschen liegen in der Wanne. Wenn da nicht bloß noch was wäre: Ja richtig, was feiern wir heute abend denn? Doch sich jetzt in kleinmütiges Nachsinnen zu verlieren, dazu kommt die Hauptfigur in Tilman Rammstedts Roman erst gar nicht. Warum? Es klingelt. Die ersten Gäste stehen vor der Tür, Menschen, die er gar nicht kennt, oder gar nicht kennen möchte. Denn die besten Partys feiert man mit Unbekannten und so wird es irgendwie trotzdem nett. Und diese Szene verrät etwas über die übrigen Geschichten im Buch: Deren Hauptfigur ist ein junger Mann, Ende 20, der sich immer noch nicht entschieden hat, ob er die einzige Frau, mit der er sich regelmäßig trifft - eine gewisse "L" - nun liebt oder nicht, ob er mit ihr zusammen sein möchte, oder ob er es überhaupt mit ihr aushält. Und so ist seine Beziehung, wie sein gute Feier. Eins A vorbereit, doch im letzten Moment passieren immer wieder seltsame Dinge - und das macht es spannend: L. wird einsilbig, es wird Winter, die beiden fahren zusammen nach Köpenick oder nach München auf eine Hochzeit. Am Ende ist die Hauptfigur auch um eine Erkenntnis reicher: Unentschlossenheit macht sich bezahlt. Die Party wird schön, L. ist schön, auch wenn er es ihr nicht sagen kann, und als er es doch versucht, und ein stotternd ein Komplimenthervorbringt, dann wird sie fast schon überschwänglich. So schön kann die Liebe vor der Liebe sein, und Tilman Rammstedt schafft es, meisterhaft diese Zwischenräume auszuloten. Die übrigens auch Zwischenräume der Sprache sind. Und auch von guten Partys hat er - allem Anschein nach - jede Menge Ahnung. Ein junger Autor, den wir ab jetzt gespannt verfolgen werden.