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Erledigt in Paris und London: Bericht
Format: TaschenbuchÄndern
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. September 2005
Mit „Erledigt in Paris und London“ hat George Orwell nicht nur bewiesen, dass Leid und Elend förderlich für die Kreativität sind, sondern auch den Mythos von sogenannten Kulturstädten erheblich ins Wanken gebracht. Ich werde keine der beiden Städte jemals wieder mit den gleichen Augen sehen.
Das Buch entstand quasi als „Kompensation“ für Orwells kurze Karriere als Polizeibeamter in Burma, wo er die Verlogenheit des britischen Kolonialismus hautnah miterlebt hatte. Aus persönlichem Schuldgefühl über die Arroganz seiner Landsleute gegenüber den Einwohnern entschloss sich Orwell ein Jahr lang in das Leben der untersten sozialen Schichten einzutauchen, um hinterher darüber zu schreiben. Der Gewinn ist enorm.
Im ersten Teil bewohnt der Autor ein winziges Zimmer in einem Pariser Armenviertel und arbeitet als „Plongeur“ d.h. Tellerwäscher und Kellner in einem feinen Hotel. Zusammen mit einigen anderen gescheiterten Glücksuchern schuftet er in den muffigen Gewölben des Gebäudes, in die niemals auch nur ein Sonnenstrahl fällt. Ständig unter Druck, immer in Bewegung, in zischendem Dampf und bedrückender Enge.
Im zweiten Teil des Buches verzichtet Orwell sogar auf den Gelderwerb und eine geregelte Unterkunft und schliesst sich den Landstreichern und Obdachlosen in London an, einem Milieu, das wirklich keine Gnade kennt, und in dem jeder jeden bestiehlt und ausnutzt.
Der größte Vorzug dieses Buches ist, dass Orwell auf den erhobenen Zeigefinger komplett verzichtet, es ist weder eine Anklage gegen Kapitalismus, noch ein Lobeslied auf das einfache Leben, es ist nichteinmal deprimierend, sondern einfach nur ein nüchterner Erlebnisbericht.
Ob der Betrieb in den großen Hotels auch nach siebzig Jahren noch so abläuft, wie es Orwell beschreibt, sei dahingestellt, es bleibt dennoch ein sehr bereicherndes Buch, dass den Leser mit Sicherheit in manchen Dingen zum Nachdenken bringen wird. Unnötig zu sagen, dass es jedoch als Urlaubslektüre vollkommen ungeeignet ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Oktober 2013
Nach seiner Kündigung als Polizeioffizier der britischen Kolonialmacht in Burma landet Orwell 1928 in Paris, um dort – auf seinem angestrebten Weg zum Schriftsteller – als Englischlehrer zu arbeiten. Leider klappte beides nicht und er musste sich als Tagelöhner, Erntearbeiter und Tellerwäscher in einem Luxusrestaurant durchschlagen. Elend und krank ging er 1929 zurück nach England, wo es auch nicht besser lief und er gezwungen war, als fast Dreißigjähriger wieder bei seinen Eltern zu wohnen bzw. zeitweilig als Obdachloser zu leben. Noch 1936 war er derart arm, dass er bei seiner Hochzeit kein Geld für die Eheringe hatte. Vermutlich hat er sich in dieser Zeit auch seine Tuberkulose zugezogen, an der am 21. Januar 1950 im Alter von nur 46 Jahren starb. In dieser großen Sozialreportage beschreibt Orwell sein Leben als Billiglöhner und „Arbeitssklave“ in Paris (die Beschreibung der hygienischen Zustände in den Nobelrestaurants erinnert manchmal an Upton Sinclairs Roman über die Fleischfabriken in Chicago, „Der Dschungel“, von 1906) und als Obdachloser und Bettler in London. Es ist kein Pamphlet und keine romantische Verklärung der Armen zu Helden, sondern eine persönliche, sehr genaue Schilderung dessen, was Orwell und die Menschen, von denen er erzählt, erlebt hat – und vielleicht deshalb auch heute noch so erschütternd zu lesen, ahnt man doch, dass sich die Verhältnisse zumindest für die Menschen am unteren Ende der neoliberalen Nahrungskette bis heute nicht wirklich geändert haben.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. September 1999
Bevor George Orwell mit "Farm der Tiere" auf einen Schlag beruehmt wurde, musste er sich eine ganze Zeit lang als Landstreicher und Bettler ernaehren. In den fruehen 30er Jahren kam er so in Paris und London herum und versuchte u.a., sich als Tellerwaescher durchzuschlagen. Von seinen Erlebnissen berichtet sein Buch "Erledigt in Paris und London", das er teils dokumentarisch, teils anekdotenhaft, teils politisch/sozial - reflektierend erzaehlt. Dennoch steht das anekdotenhafte stets im Vordergrund, wirkt auch am eingaengigsten: Durch Orwells anschaulichen Stil faellt es leicht, sich z.B. in das harte Leben der Hotelbediensteten im fruehen 20. Jahrhundert hineinzuversetzen. Sechs bis sieben Arbeitstage in der Woche zu je vierzehn oder mehr Stunden mit geringer Bezahlung lassen die "goldenen 20er/30er Jahre" in einem ganz anderen Licht erscheinen; fuer Orwell war diese Arbeit schlicht die eines Sklaven. Doch auch als Bettler macht er in den Armenhaeusern keine besseren Erfahrungen; doch das harte Leben beschert ihm auch Erlebnisse, die ihn auch spaeter noch beeindrucken und sich z.B. deutlich in "1984" widerspiegeln. Das Buch ist nicht nur als Fruehwerk Orwells interessant, sondern v.a. auch als eindringliche Sozialbeschreibung der Armen anfang dieses Jahrhunderts, das sich aufgrund der Vielfaeltigkeit und Lebendigkeit des Stils sehr gut lesen laesst. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Juli 2009
Dieses Buch ist nach meiner Meinung Georg Orwells ehrlichstes und aufrichtigstes Werk. Es atmet die Unmittelbarkeit des selbst Erlebten.
Wenn es im Leben an die nackte Existenz geht, dann kommen solche Bücher zustande.
In außergewöhnlichen Situationen, konkreten Gefahren und Bedrohungen oder Entbehrung gebiert Not manchmal Heldentum, vor allem in der Literatur.
Hier, in diesem Report aus der realen Antiwelt, berichtet der "Niemand", um dessen Not sich keiner kümmert, weil es den anderen genau so dreckig geht. Da hat er dann die Wahl, einfach zu verhungern oder sich umzubringen. Als Ausweg bleiben auch ihm nur Kampf und Sieg. Das sieht dann so aus, dass er froh ist, einen Platz als Rudersklave auf der Galeere ergattert zu haben, auf der sich die spazieren fahren lassen, die "Es geschafft haben". Für Heldentum keine Chance.
Das XXII. Kapitel ist besonders entlarvend. Die Funktion des "Plongeurs", des Springers und Tellerwäschers in dieser auch mir sogar heute so seltsam vertrauten kaputten Welt:
"Er verdient sein Brot im Schweiße seines Angesichts, aber daraus folgert noch nicht, dass er irgend etwas Nützliches täte; es könnte ja sein, dass er sich nur in den Dienst eines luxuriösen Anspruchs stellt, der ja sehr oft in Wirklichkeit gar keinen Luxus bedeutet."

Sie können ja einmal versuchen, sich vorzustellen, ohne Geld in unserer Welt der Reklame und der mit Überangeboten werbenden "Konsumgesellschaft" auszukommen; alles angeboten zu bekommen und sich nichts davon leisten zu können ... Sollte es Ihnen wirklich passieren, dann wissen Sie, dass Sie es sich nicht vorstellen konnten ...
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am 14. März 2015
...von George Orwell.

Aber dennoch sehr lesenswert, vor allem Gastronomieaffine Menschen werden sich an mancher Stelle wiederfinden (trotz des Handlungszeitraums)...

Einfach empfehlenswert!
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am 16. Juli 2015
Diese Ausgabe habe ich verschenkt, ist aber eines meiner Lieblingsbuecher. Sehr zu empfehlen! Kein Roman, sondern ein Tatsachenbericht, sehr sehr interessant.
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