Das Standardwerk von Bernd Heckmair und Werner Michl erschien erstmals 1993 und liegt nun in der 6. aktualisierten, erweiterten Auflage vor. Wie bisher ist das Buch sehr anregend und gut verständlich geschrieben sowie übersichtlich in 6 große Kapitel gegliedert. Die Hauptüberschriften stellen zugleich gelungene Metaphern dar: Rückblicke, Rundblicke, Einblicke, Überblick, Seitenblicke und Ausblicke.
Der historische Teil "Rückblicke: Von Rousseau zur Risikogesellschaft" (Kap. 1) setzt gezielt Akzente "ohne die Liste der Vordenker ins Unverbindliche zu erweitern" (S. 16).
"Rundblicke: Von Aberdovey bis Zimbabwe" (Kap. 2) vergleicht aktuelle Entwicklungen international. Neue Impulse, wie beispielsweise die Arbeit mit subjektiven Metaphern der Teilnehmer, werden geschickt mit aktuellen konstruktivistischen Auffassungen von Lernen verknüpft und führen zu der Frage, in wieweit individuelle Lernprozesse überhaupt plan- und steuerbar sind. Neu ergänzt wurden neurowissenschaftliche Erkenntnisse (Kap. 2.6) zur wichtigen Rolle von Emotionen, körperlicher Aktivität und Kooperation.
In weiteren Kapiteln werden Praxisfelder und Zielgruppen erlebnispädagogischer Arbeit (Jugendarbeit, Jugendhilfe, Schule, Erwachsenenbildung, Behindertenhilfe, Prävention und Psychotherapie), typische Lernorte (Meer, Gebirge, Höhle, Stadt etc.) und Problemlösungsaufgaben vorgestellt. "Starke Mädchen - arme Jungen?" (Kap. 5.3) wurde aktualisiert und bietet hilfreiche Anregungen zur unaufdringlichen Reflexion von Rollenklischees. Ein nützlicher Anhang orientiert z.B. über Anbieter und Ausbildungen in der Erlebnispädagogik.
FAZIT: Das bisher umfassendste Werk für Einsteiger und Fortgeschrittene; es hat sich in meinen Seminaren mit Studierenden sehr gut bewährt.
Eine ausführlichere Fassung meiner Rezension findet sich hier: "Zeitschrift für Pädagogik", Heft 3, 2010, S. 438.