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Erklärte Nacht: Gedichte
 
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Erklärte Nacht: Gedichte [Gebundene Ausgabe]

Durs Grünbein
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Mit 40, so denken die Dichter, sei Hälfte des Lebens vorbei. In der Jugend hingen die Früchte des Ruhms noch allzu hoch, nun hängt das Land mit gelben Birnen in den See, wie im Gedicht von Friedrich Hölderlin. Wo hier, "sprachlos und kalt", die Fahnen im Winde klirren, so klappern dort, oftmals wortgewaltig, die müden Knochen. Überall wittern die Dichter Verfall, Verwesung, Tod. Dabei sind sie doch erst 40.

Der früh bereits zu Berühmtheit gelangte und jung mit dem Lorbeer des Georg-Büchner-Preises bekränzte Poet Durs Grünbein kommt nun langsam in diese Jahre. Entsprechend dunkel geben sich die Gedichte seines neuen Bandes Erklärte Nacht, dessen Titel auf ein Orchesterstück Arnold Schönbergs verweist. Der Frühling: vergangen, selbst in der Erinnerung ("Was ist das, Frühling?"); Berlin: Nicht mehr das alte, eine tote Stadt sogar ("Berlin posthum"). Das geliebte Umbrien ohnehin nur noch präsent als rissige Gedächtnislandschaft ("Vier Erinnerungen an Umbrien"). Überhaupt, die Zeit vergeht, unaufhaltsam: "Unheimlich ist sie, die Eile der Zeit, blickt man zurück." -- "Mit Augen, die hätten jede Mutter erschreckt", hat Grünbein dies wieder einmal getan und dabei Poesie in höchster Vollendung und voller rhythmischer Meisterschaft geschaffen. Nostalgisch zwar, elegisch beizeiten, aber immer wieder unverwechselbar und voller aktueller Bezüge. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September werden da zu grandiosen Monumenten der Vergänglichkeit, zum zivilisatorischen Memento mori, das im eigenwillig kosmischen Blickwinkel des Dichters wieder zu Natur transformiert: "Der Globus dreht seine Runden wie eh und je. Aus dem All/Gleicht der Fleck in Manhattan einem erloschenen Vulkan."

Die Hälfte des Lebens also hat Grünbein vielleicht erreicht. Aber kraftvoll und innovativ in ihrer Verknüpfung unterschiedlichster Bild- und Wissensbereiche ist seine junge Lyrik immer noch. --Thomas Köster

Pressestimmen

"Sein hoher Grad an klassischer Bildung, seine Intellektualität, aber auch die sprachliche Brillanz, die ihn immer wieder einprägsame Bilder für einschneidende menschliche Erfahrungen, für Tod und Vergänglichkeit finden lässt, sind hier versammelt." (Claudia Sandner-v. Dehn Hessische Niedersächsische Allgemeine )

"Dies sind Gedichte, die sich an einzelne wenden. Sie sind dem inneren Lesen zugedacht; das Lied, der Spruch, das Auswendiglernen liegen außerhalb ihres Bereichs." (Lorenz Jäger Frankfurter Allgemeine Zeitung )

"Ich habe nicht oft in den letzten Jahren so weltöffnende Gedichtsbände lesen können wie die von Drawert und Grünbein. Aus der Flut neubiedermeierlicher Harmlosigkeiten ragen sie sowieso hervor." (Peter Geist Freitag )

"Es sind die Assoziationen der Worte, der Bilder und der Geschichten, die sich nach der Lektüre dieser Gedichte so intensiv ins Gedächtnis festsetzen, dass einem die Welt außerhalb dieses Buches für eine Weile ganz flach und konturlos erscheint." (Tobias Heyl Falter )

"Die Schönheit der Grünbeinschen Gedichte zeigt sich nicht im Klärenden, sondern in der Verwirrung, die sie stiften, ohne dass sie sich dadurch im Beliebigen verlieren würden. Vielmehr lassen sie teilhaben an einem Prozess des Findens, der um das Verlieren weiß. Aber sie eröffnen dem sehr komplexe Räume - Bereiche, die plötzlich Leuchtkraft erlangen - der es versteht, die Lücke im Text zu finden, die es gibt, auch wenn es sich manchmal nur um einen Spalt handelt." (Michael Opitz Neues Deutschland )

»Intensiven Erlebnissen gleich, vermögen die besten Gedichte - und das sind nicht wenige - den konstanten Strom der physikalischen Zeit für Augenblicke scheinbar zu verlangsamen, aufzuhalten, auszudehnen: gebannte Momente gelebter Zeit. [...] Viel in Grünbeins Dichtung erinnert an Benjamins Verfahren, einem Perlentaucher gleich kristallisierte "Denkbruchstücke" vom Grund der Vergangenheit heraufzuholen, sie mit ihrer gespenstischen Kraft stückweise in der Gegenwart anzusiedeln und dieser den falschen Frieden der gedankenlosen Selbstzufriedenheit zu rauben. [...] Die Kunst dieses mit unverblasster Begabung brillierenden Autors zeigt sich an etwas, was man den Faltenwurf seiner Sprache nennen könnte. In ihren Zwischenräumen begegnet man geraffter Zeit. Dichterische Schwerstarbeit hat sich in poetische Leichtigkeit aufgelöst.« (Thomas Wild Berliner Zeitung )

Kurzbeschreibung

Die Notation fotografisch genauer Wahrnehmungen verschmilzt in den Gedichten Durs Grünbeins mit Abschweifungen über vermeintlich Entferntliegendes zu konzentriertester Reflexion: über die Zeit und die Geschichte, über das Gewordensein des gesellschaftlichen Ganzen von der Antike über die Renaissance bis in die jüngste Vergangenheit, über den eigenen Platz in den Zeitläuften.
"Wohin aber sickert denn Zeit, / Nachdem sie die Körper durchlief? / Kein Tropfen im Grundwasser schreit. / Nicht Schweiß hat das Felsloch vertieft."
Die Erkundung der Möglichkeiten des Individuums innerhalb der Grenzen seiner eigenen Lebenszeit und seines Lebensraums Großstadt sind seit langem Themen dieses Autors: "Warum bist Du hier? steht als Frage gleich morgens mit auf." In seinen neuen Gedichten, die unter die Kapitelüberschriften "Unzeitgemäße Gedichte", "Neue Historien" und "Traktat" vom Zeitverbleib geordnet sind, führt er diese Themen weiter und entfaltet sie in Langgedichten und Zyklen.
Das poe tologische Titelgedicht, das auf ein Schönbergsches Orchesterstück anspielt, beschreibt als Movens das Fortschreiten in Oppositionen zwischen magischen und rationalen Definitionen der Poesie und beschließt den Band mit einem vorläufigen Fazit.

Über den Autor

Durs Grünbein wurde am 9. Oktober 1962 in Dresden geboren. Seit 1986 lebt er nach kurzzeitigem Studium in Berlin, als Dichter, Übersetzer und Essayist.

Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Er war Gast des German Department der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er mehrere Preise, darunter den Peter-Huchel-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Literaturpreis der Osterfestspiele Salzburg 2000, den Friedrich Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anhalt 2004 und den Berliner Literaturpreis 2006 der Preussischen Seehandlung verbunden mit der Heiner-Müller-Professur 2006.

Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
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