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Erklärte Nacht: Gedichte
 
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Erklärte Nacht: Gedichte [Gebundene Ausgabe]

Durs Grünbein
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (18. März 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518413058
  • ISBN-13: 978-3518413050
  • Größe und/oder Gewicht: 22,5 x 15,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Durs Grünbein
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Mit 40, so denken die Dichter, sei Hälfte des Lebens vorbei. In der Jugend hingen die Früchte des Ruhms noch allzu hoch, nun hängt das Land mit gelben Birnen in den See, wie im Gedicht von Friedrich Hölderlin. Wo hier, "sprachlos und kalt", die Fahnen im Winde klirren, so klappern dort, oftmals wortgewaltig, die müden Knochen. Überall wittern die Dichter Verfall, Verwesung, Tod. Dabei sind sie doch erst 40.

Der früh bereits zu Berühmtheit gelangte und jung mit dem Lorbeer des Georg-Büchner-Preises bekränzte Poet Durs Grünbein kommt nun langsam in diese Jahre. Entsprechend dunkel geben sich die Gedichte seines neuen Bandes Erklärte Nacht, dessen Titel auf ein Orchesterstück Arnold Schönbergs verweist. Der Frühling: vergangen, selbst in der Erinnerung ("Was ist das, Frühling?"); Berlin: Nicht mehr das alte, eine tote Stadt sogar ("Berlin posthum"). Das geliebte Umbrien ohnehin nur noch präsent als rissige Gedächtnislandschaft ("Vier Erinnerungen an Umbrien"). Überhaupt, die Zeit vergeht, unaufhaltsam: "Unheimlich ist sie, die Eile der Zeit, blickt man zurück." -- "Mit Augen, die hätten jede Mutter erschreckt", hat Grünbein dies wieder einmal getan und dabei Poesie in höchster Vollendung und voller rhythmischer Meisterschaft geschaffen. Nostalgisch zwar, elegisch beizeiten, aber immer wieder unverwechselbar und voller aktueller Bezüge. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September werden da zu grandiosen Monumenten der Vergänglichkeit, zum zivilisatorischen Memento mori, das im eigenwillig kosmischen Blickwinkel des Dichters wieder zu Natur transformiert: "Der Globus dreht seine Runden wie eh und je. Aus dem All/Gleicht der Fleck in Manhattan einem erloschenen Vulkan."

Die Hälfte des Lebens also hat Grünbein vielleicht erreicht. Aber kraftvoll und innovativ in ihrer Verknüpfung unterschiedlichster Bild- und Wissensbereiche ist seine junge Lyrik immer noch. --Thomas Köster

Pressestimmen

"Sein hoher Grad an klassischer Bildung, seine Intellektualität, aber auch die sprachliche Brillanz, die ihn immer wieder einprägsame Bilder für einschneidende menschliche Erfahrungen, für Tod und Vergänglichkeit finden lässt, sind hier versammelt." (Claudia Sandner-v. Dehn Hessische Niedersächsische Allgemeine )

"Dies sind Gedichte, die sich an einzelne wenden. Sie sind dem inneren Lesen zugedacht; das Lied, der Spruch, das Auswendiglernen liegen außerhalb ihres Bereichs." (Lorenz Jäger Frankfurter Allgemeine Zeitung )

"Ich habe nicht oft in den letzten Jahren so weltöffnende Gedichtsbände lesen können wie die von Drawert und Grünbein. Aus der Flut neubiedermeierlicher Harmlosigkeiten ragen sie sowieso hervor." (Peter Geist Freitag )

"Es sind die Assoziationen der Worte, der Bilder und der Geschichten, die sich nach der Lektüre dieser Gedichte so intensiv ins Gedächtnis festsetzen, dass einem die Welt außerhalb dieses Buches für eine Weile ganz flach und konturlos erscheint." (Tobias Heyl Falter )

"Die Schönheit der Grünbeinschen Gedichte zeigt sich nicht im Klärenden, sondern in der Verwirrung, die sie stiften, ohne dass sie sich dadurch im Beliebigen verlieren würden. Vielmehr lassen sie teilhaben an einem Prozess des Findens, der um das Verlieren weiß. Aber sie eröffnen dem sehr komplexe Räume - Bereiche, die plötzlich Leuchtkraft erlangen - der es versteht, die Lücke im Text zu finden, die es gibt, auch wenn es sich manchmal nur um einen Spalt handelt." (Michael Opitz Neues Deutschland )

»Intensiven Erlebnissen gleich, vermögen die besten Gedichte - und das sind nicht wenige - den konstanten Strom der physikalischen Zeit für Augenblicke scheinbar zu verlangsamen, aufzuhalten, auszudehnen: gebannte Momente gelebter Zeit. [...] Viel in Grünbeins Dichtung erinnert an Benjamins Verfahren, einem Perlentaucher gleich kristallisierte "Denkbruchstücke" vom Grund der Vergangenheit heraufzuholen, sie mit ihrer gespenstischen Kraft stückweise in der Gegenwart anzusiedeln und dieser den falschen Frieden der gedankenlosen Selbstzufriedenheit zu rauben. [...] Die Kunst dieses mit unverblasster Begabung brillierenden Autors zeigt sich an etwas, was man den Faltenwurf seiner Sprache nennen könnte. In ihren Zwischenräumen begegnet man geraffter Zeit. Dichterische Schwerstarbeit hat sich in poetische Leichtigkeit aufgelöst.« (Thomas Wild Berliner Zeitung )

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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Durs Grünbein setzt sich, 21. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Erklärte Nacht: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Wer das Werk Durs Grünbeins seit Beginn verfolgt, dem ist klar, daß wir es hier wohl mit einem der größten lebenden deutschen Dichter zu tun haben. Ich würde sein Talent ohne Zögern dem eines Hans Magnus Enzensberger oder Robert Gernhardt gleichstellen - um nur lebende deutschsprachige Dichter zu erwähnen. Auf jeden Fall aber haben wir es aber mit einem Lyriker zu tun, dessen Werke sich weitab von experimentellem Wort-Geschreddere oder selbstverliebt-solipsistischer Blümeleien so mancher Lyriker bewegen. Weshalb? Grünbeins Lyrik stellt wieder in den Mittelpunkt, was höchste Dichtung seit den Zeiten Homers ausmacht: das Erleben des Subjekts, ohne die Form zu vernachlässigen. Der Dichter spricht in erster Linie zwar für sich, doch hinter der subjektiven Ebene erkennt sich jeder Mensch, dessen Seele nicht vertrocknet ist.

Grünbein stellt die Frage nach dem Tod, nach der Bedeutung unserer Existenzen, nach dem Platz der Gegenwart in der Geschichte. Ist es nicht so, daß wir DIE Gedichte als besonders gelungen einstufen, die unser eigenes Empfinden wiedergeben, es womöglich durch ihre Kunstfertigkeit überhöhen? Die Gedichte, in denen Dichter und Leser in kostruktiver Resonanz schwingen? Schlechte Gedichte hingegen sind diejenigen, bei denen man dem Autor auf anstrengenden und windungsreichen Pfaden folgen muß, um schließlich nur das eine zu finden: einen schwierigen Charakter, dem gefolgt zu sein uns nicht weiterbringt.

Durs Grünbein ist mittlerweile 40. Der Markt für hohe Kunst ist klein, sehr klein, leider. Ihm ist mittlerweile alle Anerkennung zuteil geworden, die seit Menschengedenken den ernsthaft Schaffenden zuteil wird: stets zu wenig.

So nimmt es nicht Wunder, daß in der letzten Zeit bei Grünbein eine Tendenz zur Monumentalisierung, zur angestrebten Apotheose in den Klassikerhimmel festzustellen ist. Das will Grünbein durch auch von anderen (schlechteren) Autoren in Anspruch genommene Mittel erreichen: den Rekurs auf klassische Sujets und Topoi, díe Reise nach Umbrien, die venezianische Skizze, Seneca und Horaz und Archilochos. Der überfahrene Frosch, die besinnungslos gegen die Fensterscheibe anfliegende Stubenfliege - Sinnbilder der conditio humana - geraten dabei ins Hintertreffen. Das schmerzt uns ein wenig.

Unnötig zu sagen, daß Grünbein diesen Hang zur Marmorifizierung nicht nötig hat. Wer solche Verse schreibt wie im "Nachbilder"-Zyklus, dessen Platz in der europäischen Literaturgeschichte ist schon gesichert. Wir können nicht entscheiden, ob "Erklärte Nacht" das Zeugnis eines inspirativ-genuinen Entwicklungsschritts des in die Jahre kommenden Autors ist oder das Ergebnis eines auf Travertin pochenden Wollens, das nicht immer auf den leisen Ruf der Muse hört. Eines jedoch ist klar: "Erklärte Nacht" ist trotz allem besser als das meiste, was man unter "Lyrik" in den Buchhandlungen findet. (2ve)

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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Erklärte Nacht, 2. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Erklärte Nacht: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Kennt man eines, kennt man alle- möchte man gelegentlich über Grünbeins Gedichte sagen.
Mein drittes Buch von ihm in zwei Jahren und meine Begeisterung, von "Grauzone morgens" entfacht, hat arg nachgelassen.
Schreiben kann er, keine Frage aber: Vieles zu Glatte, Abgehobene, Konstruierte kommt in diesem Band vor. Am besten gefiel mir noch "Traktat vom Zeitverbleib".
Manche Bücher mag man wegen einzelner Sätze, dieses würde ich ( als drittes von Grünbein ) nicht wieder kaufen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lyrik vom Feinsten, 26. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Erklärte Nacht: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Das Buch enthält rundherum so ziemlich die besten Gedichte die es zur Zeit in Deutscher Sprache gibt. Sehr empfehlenswert. Durs Grünbein hat es zu einer wahren Könnerschaft in Punkto Poesie gebracht. Seine Gedichte sind rund, sind ganz sind voll da. Er macht selbst vor gewagtesten Formulierungen, modernsten Worten im landläufigen Sinne keinen Halt. Auch spiegelt eine leichte Ironie in seine Texte hinein, die das Lesen leicht macht. Ohne an Qualität oder Ernsthaftigkeit zu verlieren, ist in seiner Poesie vor allem der Respekt erkennbar, den er seinen Lesern entgegenbringt.

Ich kann nur sagen, Hut ab vor der Bereitschaft von Durs Grünbein alles zu geben, um am Ende selber wieder mit vollen Händen da zu stehen.
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