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Darüber hinaus: wer bereits "Dummheit ist machbar" kennt, wird 'nur' 5 neue Essays finden; dem aufmerksamen Leser werden diese 5 Essays, die - so wie die anderen auch - bereits vorher in der deutschsprachigen Presse publiziert wurden, vermutlich nicht entgangen sein (die Essays lassen sich z.T. auch aus den Online-Archiven holen, Hinweise unten). Nichts neues also, allerdings will das Buch ja auch nur eine (aktualisierte) Sammlung sein. Also, wer "Dummheit ist machbar" noch nicht hat, besorgt sich das komplettere "Erklär mir Österreich". Die anderen müssen für sich selbst entscheiden, ob es Ihnen die 5 ergänzten Essays wert sind - mir persönlich war es das neue Buch wert.
Aus der Inhaltsangabe: "Es scheint aussichtslos. Das Bild, das sich die Welt heute von Österreich macht, ist genauso verschroben wie das österreichische Weltbild selbst. Fast alles, was über Österreich nach der Wahl vom 3. Oktober 1999 und dann nach der Regierungsbildung geschrieben wurde, sowohl in der österreichischen wie auch in der internationalen Presse, ist so falsch, daß nicht einmal das Gegenteil richtig ist - so kann es keine Diskussion mehr über die reale Lage geben, sondern nur noch über die Gefühle, die den jeweiligen Kommentator angesichts der scheinbar gespenstigen Lage beschleichen. Tenor der Berichterstattung ist, daß sich über Österreich wieder die langen Schatten der Geschichte gelegt haben, daß es wieder finster wird, wie in finstersten Zeiten und daß in dieser Finsternis die Wiedergänger am Werk sind. Das ist falsch. Das Gegenteil aber auch. Aber das heißt ebenfalls nicht, daß wir uns überhaupt keine Sorgen machen müssen. Das müssen wir sehr wohl - aber aus ganz anderen, unbeachteten Gründen.
Mit seinen Essays zur österreichischen Geschichte und Politik hält Robert Menasse dem Land, seinen Politikern, aber auch seinen Bewohnern einen Spiegel vor. Mit assoziativer Leichtigkeit und scharfsinniger Genauigkeit führt er Vergangenheit, Gegenwart, und Zukunft Österreichs zusammen und ermöglicht so Kenntnisse, die weit über tagespolitische Einsichten hinausgehen."
Enthaltene Essays: Erklär mir Österreich (S.9; Falter?); Das war die Zweite Republik* (S.24); Masse, Medium und Macht* (S.62); Der Mitmacher* (S.81); Der Vormacher* (S.89); Die Geschichte vom Haus der Geschichte* (S.96); Es wäre nicht Wien, wenn es wäre, wie es scheint* (S.103); Die kleinen Vorsitzenden* (S.110); Neutralität in Österreich und der Schweiz* (S.119); Sterbensworte* (S.122); Österreich-Liebe in Zeiten der Cholera* (S.131); Ein Glückstag für Österreich (S.140; DerStandard); Dummheit ist machbar (S.147; FAZ, DerStandard); Der Hauptakteur als Zuschauer (S.154; DerStandard); In 80 Tagen gegen die Welt. Eine österreichishe Zwischenbilanz (S.158; DerStandard - Album) *bereits in der Essaysammlung "Dummheit ist machbar" erschienen
Während die Mehrheit der österreichischen Intellektuellen sich mit Aufführverboten ihrer Stücke oder Ausreisegedanken beschäftigten, legt Menasse dar, wieso die Regierungsbeteiligung der FPÖ keinen Bruch, sondern eine Kontinuität in der Geschichte der Zweiten Republik darstellt.
Robert Menasse ist davon überzeugt, dass nicht der Rechtspopulismus deutsch-nationaler Facon, sondern der strukturelle Alltagsfaschismus das Grundübel ist.
Seine These, wonach die Wende ein Ende für die Nebenregierung Sozialpartnerschaft bedeutet und eine generelle Normalisierung der Zustände bewirkt, da diese Regierung beim nächsten Wahlgang abgewählt werden kann (im Gegensatz zur Periode 1987-2000, als bereits vor jedem Wahlgang die Weiterführung der rot-schwarzen Koalition fix gewesen ist), hat sich nur bedingt als richtig erwiesen - schließlich befindet sich Schwarz-Blau nach Neuwahlen in einer zweiten Amtsperiode wieder.
Nichtsdestotrotz halte ich Menasse für den fähigsten Intellektuellen Österreichs, was er mit diesem Buch bestätigt hat.
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