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Erkenntnis und Interesse: Mit einem neuen Nachwort (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) [Taschenbuch]

Jürgen Habermas
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 420 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 15 (9. Mai 1973)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518276018
  • ISBN-13: 978-3518276013
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 10,9 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 303.339 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Jürgen Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley und war Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Jürgen Habermas erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und Preise, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2001) und den Kyoto-Preis (2004).


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5.0 von 5 Sternen Theoretisch auf dem Weg zur Praxis 4. Juni 2012
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Odo Marquard bezeichnete die Geschichte der Philosophie als Geschichte eines allmählichen Kompetenzverlusts: Zuletzt sei die Philosophie nur noch kompetent für das Eingeständnis der eigenen Inkompetenz". Wenn dem so ist, haben wir mit Erkenntnis und Interesse gleichsam die letzte Stellung der Philosophie in einem langen Rückzugsgefecht vor uns. Habermas geht dieses Rückzugsgefecht bemerkenswert offensiv an: Die Philosophie müsse eine Sonderrolle spielen, fordert er, nämlich quasi die eines Aufsichtsrats des unaufhaltsam expandierenden Unternehmens Wissenschaft; leugnenden Stimmen zum Trotz besitze sie doch eine Spezialkompetenz: die Fähigkeit, das emanzipatorische Interesse der Menschheit an Erkenntnis zu durchschauen. Eine um diese Einsicht bereicherte kritische Philosophie gelte es zu erschaffen. Nur sie könne den Schleier herrschaftslegitimierender Illusion zerreißen, die zweckrationalistische Verarmung des modernen Erkenntnisbegriffs rückgängig machen und so der Gesellschaft wieder auf den Weg zum Erwachsenwerden zurückhelfen. Ein ehrgeiziges Programm, das mit großem Ernst verfolgt wird. Wie dieses Programm umzusetzen ist, bleibt offen: Das Werk erschöpft sich in minutiösen philosophischen Analysen seiner Notwendigkeit.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Ende der Ahnungslosigkeit 26. Juli 2009
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Ein Richter, der ein Zeugnis als <vorsätzlich falsch> sanktioniert, ohne dieses Buch gelesen (und verstanden) zu haben, handelt selbst bislang zumindest fahrlässig und ab sofort zumindest grob fahrlässig. Es ist nämlich schon das Bild von <Wirklichkeit>, das auf den Prüfstein gehört, ehe Urteilsfähigkeit - im philosophischen und erst recht im juristischen Sinne - überhaupt erreichbar ist. Da ich Habermas' Schrift bislang noch in keiner Gerichtsbibliothek, ja noch nicht einmal juristischen Fakultätsbibliothek angetroffen habe, muss ich davon ausgehen, dass die entsprechende Brisanz bislang nahezu flächendeckend verkannt wird. Dabei steht sie der Frage, ob die Erde eine Scheibe ist oder nicht, eigentlich eher voraus als nach.

Denken setzt Erkenntnisfähigkeit voraus - dies ist keinesfalls eine Entdeckung des J. H.. Der Frage hingegen, wie Erkenntnis möglich und vor allem, wie sie wirksam wird, hat er zur zentralen Bedeutung verholfen. Erkenntnis ist unter keinen Umständen eine unabhängige, eigenständige, verlässliche Zugangsmöglichkeit zu irgendetwas, sondern stets Ergebnis einer Art Selbstgefälligkeitsleistung, die einem verdeckten Erkenntniswunsch gerecht wird und sich von diesem nicht abzukoppeln vermag.
Sie ist bestenfalls Dienerin und schlechtenfalls Sklavin einer Art Forschungsauftrag und so gut wie nie ergebnisoffen. Sie ist Vorbedingungen unterworfen, die im <Erkennenden> selbst liegen, dem <Erkenntnis leitenden Interesse>. Und damit ist sie nur unter großer Vorsicht vergleichbar und unter noch größerer Vorsicht verwertbar - für die Beschreibung von <Wirklichkeit> wie für das (Selbst-) Verständnis von Denken.

Dass das Denken ein Beleg für das Sein ist, hat zumindest einschlägig bereits vor Habermas gegolten. Dass ich nur erkenne, was ich erkennen will (und meist auch exakt so, wie ich es erkennen will), ist hingegen seines Geistes Kind. Diese Leistung kann meines Erachtens nicht hoch genug anerkannt werden.
Es gibt ganz sicher Bücher auch dieses Genres, die sich leichter lesen und verstehen lassen. Allerdings wohl kaum eines, bei dem für die Leserschaft Aufwand und Erfolg in so günstigem Verhältnis zueinander stehen wie in diesem.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von der Erkenntnis und dem Interesse 18. März 2011
Von Graf
Von Amazon bestätigter Kauf
Habermas' bekanntes Werk "Erkenntnis und Interesse" ist zweifelsohne eine idiosynkratische Schrift und handelt von den titulierten Begriffen. Habermas Programm ist die Entfaltung einer kritischen Theorie aufbauend auf die Krise der Erkenntniskritik (Hegelsche Kantkritik des Erkenntniszirkels, d.h. Erkenntnisvermögen ist je schon Voraussetzung einer jeden Erkenntnistheorie). "Die Dimensionen des Ansich, Für es und Für uns bezeichnen das Koordinatensystem, in dem die Erfahrung der Reflexion sich bewegt." In der Marx-Deutung kommt er zu dem Schluss, dass die Idee der Selbstkonstitution der Gattung durch Arbeit als Leitfaden einer entmythologisierenden Aneignung der Phänomenologie [des Geistes] dienen soll. Dabei wird die "Dialektik der Sittlichkeit" offenbart - wobei Sittlichkeit kulturell institutionalisierter Rahmen ist, die Dialektik eine Art "Bewegungsgesetz" auf Basis gesellschaftlicher Arbeit - Geschichte ihrer Repression und Wiederherstellung. Aber was hat das mit Erkenntnis oder Interesse zu tun? Huch bringt die Habermas'schen Thesen bzgl. Hegel und Marx auf den Satz: "Arbeit und Interaktion [jeweils conditio sine qua non des Interesses], instrumentales und kommunikatives Handeln, technische Verfügung über Naturprozesse (!) und lebenspraktische, intersubjektive Verständigung sind die Bedingungen, unter denen sich das Selbstbewusstsein der Menschengattung ursprünglich konstituiert." Und Erkenntnis ist hergestellt durch die technische Verfügung und lebenspraktische Verständigung. Gattung ist folgerecht an ihrer Existenz und Reproduktion interessiert - das Interesse avanciert zum transzendentalen Definitionsmerkmal möglicher Erkenntnis der Natur. Erkenntnistheorie mündet in ihr Ende, in den Positivismus ("Sinn der Tatsachen") also. Habermas analysiert damit die heute zwei hegemonialen Wissenschaftsbereiche: Naturwissenschaften (hierzu insbes. die Abhandlung zu Peirce und seiner Wissenschaftslogik, "Erklärungswissenschaften") und Geisteswissenschaften (Diltheys Hermeneutik in der nicht-formalisierten bzw. nicht-formalisierbaren Umgangssprache und die "Verstehenden Wissenschaften"). Weiter bespricht Habermas Freuds Psychoanalyse (Tiefenhermeneutik: "Übersetzung des Unbewussten in Bewusstes") als Wissenschaft der psychopathologischen Diagnose mit therapeutischer Explikationskraft über das Individuum hinaus. Das ist typisch für den Ansatz der kritischen Theorie, denn nicht zufällig stellt der Autor die Begriffe Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie im letzten Kapitel zusammen und evoziert einen korrelativen Eindruck. Und er schließt: "Wenn aber die Naturbasis der Menschengattung wesentlich durch Antriebsüberschuss und verlängerte infantile Abhängigkeit bestimmt ist, und wenn auf dieser Basis die Erzeugung von Institutionen aus Zusammenhängen verzerrter Kommunikation begriffen werden kann, dann gewinnen Herrschaft und Ideologie einen anderen, einen substanzielleren Stellenwert als bei Marx." Er meint, wir hätten uns die Strukturen von Arbeit, Sprache und Herrschaft einer wissenschaftstheoretisch ansetzenden und ihres objektiven Zusammenhanges innewerdenden Selbstreflexion der Erkenntnis versichert. Seine finale Formel lautet daher, dass die Vernunft es ist, die dem Interesse innewohnt (und nicht umgekehrt). Und zugleich kritisiert er den Siegeszug nicht der Wissenschaft sondern den Sieg der wissenschaftlichen Methode über sie! Man mag über die eine oder andere These streiten, doch das kardinale Verdienst dieses Werkes können wir an der Herleitung des Begriffes des Erkenntnisinteresses festmachen. Und auch hier sollte eine jede Kontroverse erst beginnen...
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