Es gibt eine Reihe von vortrefflichen Büchern über das Enneagramm: Das leider vergriffene erste Buch von Margaret Frings Keyes ("Transformiere deinen Schatten") gehört unbedingt dazu, das umfassende und darin unersetzliche, wunderbar sensible Buch von Hurley und Dobson ("Wer bin ich?") und auch alle dicken Bücher der Helen Palmer; und wenn man auch für eine gediegene Kenntnis nicht hinreichende einführende Bücher nennen will: Helen Palmers "Kleines Enneagramm" und die Bücher von Eli Jaxon-Bear und Richard Rohr. Manch andere Autoren würde ich persönlich eher nicht empfehlen. Doch das tiefste, darin unersetzliche und zugleich begrifflich gediegenste von allen - und dabei in den unten empfohlenen Teilen von konzentrierter, doch verständlicher Knappheit - ist wohl Naranjos Buch. Zugleich ist es die beste Übersetzung eines Sachbuches, die ich in meinem 65-jährigen Leben gelesen habe: Der Übersetzer ist ein ausgesprochener Kenner der von Naranjo stark verwendeten philosophischen Terminologie, und er setzt seine Kenntnis so behutsam und treffend ein, dass man kaum glauben kann, dass das englische Original ebenso gut sein kann.
Doch empfehle ich, mit der Lektüre gleich bei Kapitel 2 zu beginnen und zudem in jedem Kapitel den weitläufigen und den Laien eher nervenden Abschnitt "Vorläufer in der wissenschaftlichen Charakteriologie" einfach zu überspringen: Er bringt dem Laien nichts, im Gegenteil: macht ihn eher konfus; weniger ist hier mehr. Die Lektüre der Einleitung und des 1.Kapitels mag er dann nach Abschluss der Buchlektüre nachholen.
Ein Buch, das es in den empfohlenen Teilen wert ist, ganz langsam und besinnlich Satz für Satz gelesen und bedacht zu werden und sich dabei in den jeweiligen Typus hineinzuversetzen: Wer es schnell herunterliest, hat nicht davon, was man davon haben kann.
Manfred Kinsler, Dozent für Philosophie i.R.