Die Memoiren der Fürstin Maria Wolkonskaja sind (falls sie denn ungekürzt ediert und übersetzt wurden, wobei ich mir nicht sicher bin) überraschend dünn. Das meine ich nicht so sehr inhaltlich als vielmehr physisch. Netto beschränken sie sich auf 123 kleine Seiten mit sehr breiten Rändern, von denen ich noch die Bilder abziehen muß. Das ist recht wenig Text. Dieser Text ist praktisch zu 100 % (das ist viel!) von Christine Sutherland in ihrer Biographie "Die Prinzessin von Sibirien" übernommen worden, so daß man sich die Original-Erinnerungen beinahe sparen kann.
Der Anmerkungsapparat ist inhaltlich gut recherchiert, leidet aber daran, daß er stilistisch auf penetrante Weise im Kindergartenstil gehalten ist (stilprägendes Wort: "nämlich"). Auf die Dauer ist das nur nervig.
Schlimmer allerdings ist das Nachwort. Daß die DDR (ob das für die UdSSR in gleicher Weise galt, weiß ich nicht) die Dekabristen für sich vereinnahmt hat, indem sie sie als eine Art Vorläufer der Oktoberrevolution umgewidmet hat (Gegenfrage: glaubte man ernsthaft, einer von denen hätte im Zweifel auch nur den Hauch einer Chance gehabt, die Oktoberrevolution zu überleben? Von Stalins Regierungszeit noch gar nicht zu reden?), ist eine historische Tatsache, die nicht zu ändern ist. Das macht die Lektüre entsprechender Nachworte allerdings nicht weniger qualvoll.