Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2003
Als "Feuerwerk gelebter Philosophiegeschichte" würdigt Rezensent Christian Geyer die Erinnerungen des vor zehn Jahren verstorbenen Philosophen Hans Jonas, die dieser bereits 1989 im Gespräch mit Rachel Salamander auf dreiunddreißig Tonbänder gesprochen hatte. Entstanden sei ein "faszinierendes Ineinander von biografischer Erzählung, Exil-Literatur, Liebesgeschichte, Philosophiegeschichte und Philosophie in actu", zitiert der Rezensent zustimmend aus Christian Wieses Nachwort. Das Verhältnis von Philosophie und Leben spielt nach Ansicht Geyers eine tragende Rolle in Jonas' Erinnerungen: die große Enttäuschung, die Jonas über die "braune Kehre" seines Lehrers Martin Heidegger, für Jonas damals "der tiefste Denker der Zeit", empfand, lag nach Einschätzung Geyers an der zu hoch gespannten Erwartung, die Jonas mit der Philosophie verknüpfte. Geyer sieht hier einen "äußerst sympathischen" blinden Fleck von Jonas, der mit dessen Bescheidenheit in Bezug auf die eigene Person zusammenhänge. "Welche Philosophie einer treibt", ist sich Geyer sicher, "hängt davon ab, was für ein Mensch er ist und nicht umgekehrt." Jonas sei ein "guter Mensch" gewesen, der die Welt als einen fremden, feindlichen oder gar absurden Ort erfahren habe. Jonas' Philosophie beschreibt Geyer entsprechend als "Philosophie des Antinihilismus", die dem entzauberten Kosmos doch noch eine Seele lassen wolle.
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Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 10.05.2003
Als "Stück deutsch-jüdischer Alltagsgeschichte" und "Kapitel gelebter Philosophie" würdigt Rezensent Micha Brumlik die zum hundertsten Geburtstag erschienenen Erinnerungen des Philosophen Hans Jonas, eine von Christian Wiese "sorgfältig kommentierte" Verschriftung von autobiografischen Gesprächen, die Rachel Salamander in den neunziger Jahren mit Jonas geführt hatte. Wie Brumlik ausführt, erzählt Jonas von seiner jüdischen Herkunft, der Mitgliedschaft bei zionistischen Vereinen, dem Studium bei Heidegger und der wechselhaften Freundschaft mit Hannah Arendt ebenso wie von seinen Reisen im Nachkriegsdeutschland, den akademischen Tätigkeiten in Kanada und den USA und der späten Anerkennung in Deutschland. Dabei finden sich neben "indezentem Klatsch" auch "bewegende menschliche Szenen", bemerkt Brumlik, etwa wenn Jonas haarklein schildere, wie Heidegger in seiner Sprechstunde vor Hannah Arendt auf die Knie gesunken sei. Alles in allem zeugen die "Erinnerungen" nach Ansicht Brumliks vom "gelungenen Leben" eines Philosophen, "der das Glück hatte, der Lebensbejahung treu bleiben zu dürfen".
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 10.05.2003
"Stilistische Brillanz und komplizierte Gedanken sucht man in dem Buch vergebens", meint Rezensent Alexander Kissler. Die mündliche Gesprächsform sei es jedoch, die es zu einer kurzweiligen Lektüre mache. Zudem, so Kissler, ist Jonas' Forderung nach einer "Ethik der Furcht" angesichts einer Wissenschaft, die droht, in die "Substanz des Menschen" einzugreifen, heute "brennend aktuell". Das Buch ist die Quintessenz eines langen Gespräches, welches Rachel Salamander im September 1989 mit Hans Jonas über sein Leben führte. Jonas, einem Schüler Heideggers, wird dabei von Kissler eine "herzliche Offenheit sich selbst und anderen gegenüber" bescheinigt, wenn er etwa den Zionismus selbstkritisch die einzige Ideologie nennt, der er verfallen sei, oder eine unverhohlene Befriedigung seiner Rachegelüste beschreibt, als er das im Krieg zerstörte Deutschland 1945 wiedersieht, das er 1933 direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlassen musste. Eindrücklich beschreibt Jonas auch seine Zeit in Palästina von 1939-1945, so der Rezensent. Am Ende seines Lebens hatte Jonas jedoch seinen Frieden mit den Deutschen gemacht, so veröffentlichte er als Siebzigjähriger erstmals wieder in deutscher Sprache. Aus dem Spötter, der einst die "Watte guter Gesinnung und untadeliger Absicht" aufs Korn nahm, so Kissler, war ein hoffnungsfroher Skeptiker geworden, der die Zuversicht hatte, dass "eine neue Solidarität des Ganzen der Menschheit über uns dämmert".
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Hans Jonas' Erinnerungen sind das bewegende Dokument eines Lebens, das fast das gesamte 20. Jahrhundert umspannte. Lebendig und spannungsreich erzählt Jonas vom jüdischen Leben in der Zeit der Weimarer Republik, von der Emigration nach Palästina, der Militärzeit in einer jüdischen Brigade der britischen Armee, den Fahrten durch ein zerstörtes Deutschland und der Zeit in Kanada und den USA, wo er Das Prinzip Verantwortung schreibt, das ihn weit über die Grenzen des akademischen Lebens hinaus berühmt machte.Hans Jonas' Erinnerungen sind das bewegende Dokument eines Lebens, das fast das gesamte 20. Jahrhundert umspannte. Lebendig und spannungsreich erzählt Jonas vom jüdischen Leben in der Zeit der Weimarer Republik, von der Emigration nach Palästina, der Militärzeit in einer jüdischen Brigade der britischen Armee, den Fahrten durch ein zerstörtes Deutschland und der Zeit in Kanada und den USA, wo er Das Prinzip Verantwortung schreibt, das ihn weit über die Grenzen des akademischen Lebens hinaus berühmt macht.