Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gedanken aus dem verlorenen Paradies!, 1. Oktober 2008
Julien Green schrieb seine "Erinnerungen an glückliche Tage" bereits im Jahr 1940, als eine Rückkehr an den Ort seiner Kindheit ausgeschlossen ist.
Julien Greens verlorenes Paradies heißt Paris, die europäische Kulturmetropole, die zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur Avantgardisten und Künstler begeisterte, sondern auch Scharen von wohlhabenden Amerikanern, zu denen auch Greens Eltern gehörten.
Der Anfang in der Stadt ist für die Eltern gar nicht so einfach, doch Julien verlebt eine wunderbare Kindheit zwischen französischen Dienstmädchen, Conciergen und vielen Hausgästen, die bei den Greens ein- und ausgehen.
Julien ist ein fantasiebegabtes Kind, er spielt Theater, schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen, deklamiert Verse und Monologe und verliert sich in seinen Spielen, die durch die weltoffene und zugleich freie Atmosphäre seines Elternhauses stets genährt werden.
Sein Rückblick ist ein anrührendes und zugleich stilles Vergnügen.
Er beschwört Geräusche, Gerüche und Emotionen aus glücklichen Tagen, lässt den Leser teilhaben an einfachen, kindlichen Freuden und der Unbeschwertheit seines Elternhauses.
Diese Gedanken aus einem verlorenen Paradies erzählen von bereits 1940 untergegangenen, glücklicheren Zeiten. Im Jahr 2008 muten diese Erinnerungen wirklich wie Nachrichten aus fernen Zeiten an.
Man muss Zeit und Muße für diese Gedankensplitter und Erinnerungsfetzen mitbringen. Dann breiten sie für den Leser ihre ganze Fülle und Schönheit aus.
Ein Buch für literarisch ambitionierte Leser, die das Besondere suchen!
|
|
|
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
über das helle im leben, 22. September 2008
julien green ist ja nicht gerade für heitere bücher bekannt. leviathan oder adrienne mesurat, der andere sind alpträume weit weg von einer äußeren realität. und dieses buch? der grundton ist heiter, ohne jede überreiztheit, man fühlt sich wohl in diesem buch. aber trotzdem ist ein buch julien greens. es sind eben erinnerungen an glückliche tage, man merkt den mann, der anfang der vierziger in den usa sitzt und versucht, die glücklichen tage, die kindheit, das freie paris usw. zurückzuholen. ein heiterer traum, den julien green diesmal träumt. und deshalb so berührend, weil er gleichzeit weiß, daß er davon nur noch träumen kann.
|
|
|
17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erinnerungen an die Kindheit und Jugend eines großen Schriftstellers, 9. November 2008
Julien Green (1900-1998) hat neben einer Reihe von Romanen, die von der Daseinsangst des Menschen handeln und deren Charaktere sich nicht selten aus Leidenschaft, unerfüllter Liebe oder eben aus Angst in Wahnsinn und Verbrechen verstricken (lassen), eines der bedeutendsten Tagebücher der Weltliteratur veröffentlicht. Es erstreckt sich über einen Zeitraum von 1926 bis zu seinem Todesjahr 1998, ist in vier Bänden veröffentlicht und damit das umfangsreichste jemals publizierte Tagebuchwerk überhaupt.
Das vorliegende Buch "Erinnerungen an glückliche Tage" verfasste Green 1942 im Exil in den USA. Seine Eltern waren Amerikaner und immer wieder nahm er mit seinem Wohnsitz kurze Stippvisiten in Amerika, lebte aber hauptsächlich in seiner Geburtsstadt Paris, wo er auch verstarb. Seiner dort verbrachten Kindheit und Jugend sind ein großer Teil dieser "Erinnerungen an glückliche Tage" gewidmet. Als der kleine Julien Green in das Alter kommt, wo Kinder ihren Eltern beginnen Fragen zu stellen, ist sein Geburtsland Frankreich durch die Folgen des Krieges von 1870 und den Verlust von Elsass-Lothringen noch schwer getroffen. Aber auch das Herkunftsland seiner Eltern, sie waren beide Südstaatler, leidet immer noch unter den Folgen des schrecklichen und das ganze Land spaltenden Bürgerkriegs.
Immer wieder reflektiert Julien Green in diesen auch heute noch lesenswerten Erinnerungen jene Themen seiner beiden Heimatländer. Aber auch fröhliche Themen tauchen auf, die Schilderung seiner Schulzeit und die Streiche, die er spielte zum Beispiel.
Dem Ersten Weltkrieg, wie ihn der jugendliche Julien Green erlebt hat, ist ein umfangreicher Teil des Buches gewidmet, zunächst als unbeteiligter Beobachter, dann als aktiver Soldat für die amerikanische Armee.
Nach dem Krieg kehrt er nach Frankreich zurück und startet seine Schriftstellerkarriere, nachdem er den zunächst bevorzugten Wunsch, Maler zu werden, verworfen hat. Wie schon in seinen Tagebüchern, zeigt sich Julien Green auch in dem vorliegenden Buch eher als ein stiller Beobachter, der mit leisen Töne präzise beschreiben kann, was er sieht und wahrnimmt. Er lässt unter anderem mit diesem Buch ein Paris wiederauferstehen, das schon längst vergangen zu sein scheint.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|