Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fesselnde Autobiographie , 7. November 2007
Ralph Giordano gewährt der Leserschaft mit dieser Autobiographie einen sehr bewegenden, lehrreichen und fesselnden Einblick in seinen unglaublich ausgefüllten Lebensweg. Besonders zeichnet ihn aus meiner Sicht aus, dass er - fernab aller überkommenen Rechts/Links-Schemata - ein sehr eigenständiges, souveränes Urteilsvermögen beweist. So lässt er sich trotz (oder gerade wegen) seiner jüdischen Wurzeln nicht die Kritik an Israels Politik nehmen oder benennt er (der selbst mit seiner Familie unter Hitler schrecklich leiden musste) nicht nur Verbrechen von Deutschen, sondern auch Gewalt, die an Deutschen durch die Vertreibung geschah - Leitmotiv dabei ist die immer wieder von ihm betonte "Unteilbarkeit der Humanitas".
Man wird nicht in jedem einzelnen Aspekt mit ihm übereinstimmen können, zu groß ist die Bandbreite der von ihm mit urteilsfreudiger Eloquenz belegten politischen, kulturellen oder sozialen Themen. Ungeachtet dessen verdient er großen Respekt als Weltbürger im besten Sinne, als kritischem Denker und - last but not least - ist er ein sehr eleganter Stilist, von dem wir noch viele, viele neue Bücher lesen möchten !!!
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20 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Literarische Geschichtsschreibung eines streitbaren Humanisten, 30. März 2007
Knapp die Hälfte der spannend geschriebenen Lebenserinnerungen sind der Geschichte der italienisch-deutsch-jüdischen Musikerfamilie Giordano gewidmet, als deren Sohn Ralph 1923 in Hamburg geboren wurde. Wegen der jüdischen Mutter wurden die Giordanos zwölf Jahre lang entrechtet. Ralph wurde mehrere Male denunziert, von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Am 14. Februar 1945 sollte sich seine »jiddische Mamme« Deportation nach Auschwitz einstellen. Freunden, die die fünfköpfige Familie in einer rattenverseuchten Kellerruine versteckten, verdanken die Giordanos ihr Überleben. Am 4. Mai 1945 bot sich den britischen Panzersoldaten ein seltsamer Anblick. Auf den Knien rutschend erreichten fünf lebende Skelette den Bürgersteig.
Bereits 1945 fing Ralph Giordano an, für das KPD-Blatt Hamburger Volkszeitung zu schreiben. Dessen Chefredakteur Erich Hoffmann, Spanien-Kämpfer und Auschwitz-Häftling, war sein Vorbild. Bald wurde er KPD-Mitglied. Der Chruschtschow-Geheimbericht beim XX. Parteitag der KPdSU am 25. Februar 1956 über die Verbrechen Stalins und Berijas, der zu Lebzeiten der DDR dort nie veröffentlicht wurde, schlug bei ihm wie ein Naturereignis ein. Der Halbgott Stalin entpuppte sich als ein mörderischer Diktator. Giordano fragte sich: »War ich unter eine Bande von professionellen Schwindlern und Schaumschlägern gefallen, die kein Wort von dem ernst nahm, was sie in Herrscherpose jahrelang als Dogma verkündet hatte?« Auch dem Saulus war es einst wie Schuppen von den Augen gefallen. Es gibt, so denke ich, dramatische Biographien von Menschen, die plötzlich ihre politische oder religiöse Wahrheit erkennen und dafür die bisherigen Überzeugungen aufgeben.
Ende 1956 schrieb Giordano voller Empörung über die Verbrechen des Stalinismus. Als vom Kommunismus Geheilter kam er nach Hamburg zurück. 1961 erschien auf Wolfgang Leonhards Empfehlung Giordanos Abrechnung mit dem Stalinismus: »Die Partei hat immer recht«. Und bereits im Januar 1942 hatte er beschlossen, das eigene Leben zum Rohstoff für einen Roman zu machen, der dann 1982 erschien: »Die Bertinis«.
1987 kam »Die zweite Schuld oder Von der Last, Deutscher zu sein« heraus; Giordano verfocht darin die These, dass die meisten NS-Täter davongekommen sind. In »Die Traditionslüge. Vom Kriegerkult in der Bundeswehr« attackierte Giordano das ideologiebefrachtete Konstrukt von den »zeitlosen soldatischen Tugenden«. Traditionspflege ist Geschichtspolitik; weiterhin sind zwei Dutzend von Hitlers Kriegshelden traditionswürdige Vorbilder der Bundeswehr.
Zwangsläufig schleichen sich in einem Werk, das diese Fülle an Erinnerungen, Namen und Daten kompiliert, kleinere Fehler ein. So ist Wehrmachtgeneral Rudolf Konrad (1891 bis 1964) nicht der »Gründungsvater der berüchtigten Mittenwalder Gebirgsjägertruppe«, sondern der Gründervater des völkisch-reaktionären »Kameradenkreises der Gebirgstruppe«. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1942 hatte sich Konrads Korpsstab zu einer Feierstunde versammelt. »Es war das Feldherrngenie des Führers«, wurde Hitler aus der Ferne angehimmelt, »welches die deutschen Heere von Sieg zu Sieg eilen ließ. Diesem unbeugsamen Willen in äußerster Pflichterfüllung nachzueifern, was auch kommen mag, sei unser Gelöbnis am heutigen Geburtstag des Führers«. General Konrad ist traditionswürdiger Kasernenpatron der Bundeswehr in Bad Reichenhall!
Jeder mündige Bürger dieser Republik kennt und schätzt Ralph Giordano als einen streitbaren und kämpferischen Humanisten. Und jeder kundige Leser wird von seiner literarischen Geschichtsschreibung fasziniert sein. Freilich: sein Bekenntnis als »glaubensloser Humanist« und sein wiederholtes Credo »Meine Passion ist der Mensch« fordern heraus zur kritischen Entgegnung. Warum eigentlich macht sich Giordano Illusionen über den Menschen? Auch seine Peiniger und Verfolger waren (verführbare) Menschen; sie folgten einem mörderischen Rassenwahn. So bleiben Fragen: Warum führt Giordano keinen fruchtbaren, imaginären Dialog mit dem jüdischen Denker Max Horkheimer? Kennt Giordano Horkheimers Diktum von der Religion als der Hoffnung, dass es bei diesem Unrecht, durch das die Welt gekennzeichnet ist, nicht bleibe, dass das Unrecht nicht das letzte Wort sein möge, dass der Mörder nicht über das unschuldige Opfer triumphieren möge? Für Horkheimer gebot die Sehnsucht nach universaler Gerechtigkeit, die der Religion innewohnt, Achtung.
Religion wird von Giordano als »Menschheitswahn« abgewertet, doch auch ihm ist die Sehnsucht nach dem ganz Anderen nicht fremd, wenn er auf der letzten Seite dieses poetische Bekenntnis ablegt: »Mein Leben ist mir immer wie ein Traum vorgekommen . . . ich werde erst durch den Tod aus ihm erwachen.«
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lesenswerte Erinnerungen eines Davongekommenen und Zeitzeugen, 28. September 2008
Der Schriftsteller, Fernsehautor und Journalist Ralph Giordano unterzieht sich im hohen Alter den Mühen, Rückschau auf sein Leben zu halten und seine Bilanz zu ziehen. Giordano hat die Zeit der Judenverfolgung hautnah erlebt und den Holocaust überlebt und ist einer der wenigen lebenden Zeitzeugen.
Ralph Giordano teilt seine Autobiographie in fünf Leben: An eine unbeschwerte Hamburger Kindheit (Elysium") schließt sich die Zeit der Verfolgung als Halbjude (Hiob") an, daran die Nachkriegszeit samt seiner langen Zugehörigkeit zur kommunistischen Partei (Irrtum und zweite Schuld"), dann folgt seine Tätigkeit als Reporter des westdeutschen Fernsehens, die ihn über den ganzen Globus führt, (Fasten your seatbelt") und schließlich das Alter, das er nicht als Abenddämmerung erlebt, sondern in dem ihm die wahre Befreiung seiner produktiven Kräfte widerfährt (Der Kreative Kreisel"). Diese klare Gliederung macht den Inhalt und die Absicht des Autors nachvollziehbar.
Das Buch erzählt die bewegende Lebensgeschichte von Ralph Giordano. In seiner Biographie porträtiert Ralph Giordano zunächst in aller Ausführlichkeit seine Familie, aus der er stammt. Danach legt er über seine Erfahrungen und Erlebnisse als verfolgter und später in Deutschland lebender Jude Zeugnis ab. Aus seiner Sicht schildert die Zeit, wie er sie erlebt hat. Der Leser wird Zeuge seines persönlichen Schicksls.
In seiner Biographie erzählt er die bewegende Geschichte eines Mannes, der als 10-jähriger die Machtübernahme erlebt hat, später die alltäglichen Konfrontation mit dem Nationalsozialismus und den Schrecken der Verfolgung ausgesetzt war und mehrere Male bei seiner Verfolgung davonkam. Als Zweiundzwanzigjähriger erlebte er, woran er nicht mehr geglaubt hat: die Befreiung. Er schwor sich, Deutschland zu verlassen.
Giordano beschreibt dann seine Jahre nach der Befreiung und seinen weiteren Werdegang. Giordanos Beschreibung seiner Hinwendung zum Kommunismus und seiner desillusionierten Abkehr, seiner Karriere als Filmemacher, die ihn alle Teile der Welt bereisen lässt, liest sich spannend wie ein Kriminalroman.
Er klagt die Bundesrepublik an, verurteilt deren Janusköpfigkeit (bzgl. des Gerichtsverfahren Strauß gegen ihn wegen der Bezeichnung Strauß als "Zwangsdemokrat") und setzt sich im Abgang mit sehr vielen innen- und außenpolitischen Themen auseinander.
Mit treffenden Worten, die die Seele der Leser berühren, schildert er den Aufstieg seiner bedrohten Existenz bis hin zum erfolgreichen Publizisten.
Er zeigt uns, wie er lernt seine Heimat, die ihn ermorden wollte, zu lieben. Er lässt den Leser teilhaben an der Entstehung seiner Romane und Veröffentlichungen.
Das Versagen der Bundesrepublik bei der Vergangenheitsbewältigung wird Dreh- und Angelpunkt seiner Bücher. Nichtsdestoweniger glückt das kaum zum glaubende: er kann verzeihen und findet seinen Frieden mit der Bundesrepublik, obwohl er sich im Krieg geschworen hatte, sie so schnell wie möglich zu verlassen.
Am Ende verliert sich Giordano - den Bogen etwas überspannend - in den kriegerischen Ereignissen der neueren Geschichte (Irak-Krieg).
Das Buch des Mannes mit den fünf Leben beginnt bewegend, wird dann beklemmend und endet nach der Schilderung seines bewegten Lebens schließlich im Abspann etwas fade. Dennoch ist Giordanos Biographie als Person der Zeitgeschichte ergreifend und daher sehr lesenswert.
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