Dieses Buch fesselt einen von der ersten Seite an. Die Autorin, Lena Christ, hatte das seltene Talent, mit wenigen Strichen eine ganze Welt zu zeichnen, intensiv und detailfreudig. Die Kindheit bei den Großeltern im oberbayrischen Glonn, das harte Leben als Wirtstochter in der Münchner Vorstadt, die Bigotterie der Klosterschule oder die Schrecken ihrer Ehe mit einem Alkoholiker, alles verdichtet sich vor des Lesers Augen zu einprägsamen Bildern, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Selten wurde das Leben der "kleinen Leute" authentischer beschrieben.
Man kommt nicht los von dem Buch und hält es doch kaum aus weiterzulesen: Zu grausam ist das Schicksal des aufgeweckten kleinen Mädchens, das nach den ersten idyllischen Jahren bei den Großeltern in eine lieblose Welt versetzt wird und schlimmsten Misshandlungen durch die Mutter ausgesetzt ist. Und auch die Flucht in die Ehe entpuppt sich nur zu bald als weiteres Fiasko.
Dieser autobiographische Roman, Lena Christs Erstling, und ihre weiteren Werke machten sie bald bekannt; ihr Name wurde in einem Atemzug mit dem Ludwig Thomas genannt. Es ist bedauerlich, dass später ihr Werk jahrzehntelang nur unter Kennern bekannt war; umso erfreulicher, dass es nun wieder allgemein zugänglich wird.
Schließlich war Lena Christ alles andere als eine "Überflüssige", sondern ein Klassiker nicht nur der bayrischen Literatur.