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5.0 von 5 Sternen
Bestimmt nicht überflüssig!, 22. November 2004
Dieses Buch fesselt einen von der ersten Seite an. Die Autorin, Lena Christ, hatte das seltene Talent, mit wenigen Strichen eine ganze Welt zu zeichnen, intensiv und detailfreudig. Die Kindheit bei den Großeltern im oberbayrischen Glonn, das harte Leben als Wirtstochter in der Münchner Vorstadt, die Bigotterie der Klosterschule oder die Schrecken ihrer Ehe mit einem Alkoholiker, alles verdichtet sich vor des Lesers Augen zu einprägsamen Bildern, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Selten wurde das Leben der "kleinen Leute" authentischer beschrieben.
Man kommt nicht los von dem Buch und hält es doch kaum aus weiterzulesen: Zu grausam ist das Schicksal des aufgeweckten kleinen Mädchens, das nach den ersten idyllischen Jahren bei den Großeltern in eine lieblose Welt versetzt wird und schlimmsten Misshandlungen durch die Mutter ausgesetzt ist. Und auch die Flucht in die Ehe entpuppt sich nur zu bald als weiteres Fiasko.
Dieser autobiographische Roman, Lena Christs Erstling, und ihre weiteren Werke machten sie bald bekannt; ihr Name wurde in einem Atemzug mit dem Ludwig Thomas genannt. Es ist bedauerlich, dass später ihr Werk jahrzehntelang nur unter Kennern bekannt war; umso erfreulicher, dass es nun wieder allgemein zugänglich wird.
Schließlich war Lena Christ alles andere als eine "Überflüssige", sondern ein Klassiker nicht nur der bayrischen Literatur.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein schrecklich trauriges Buch, aber sehr gut, 20. Juli 2001
Man fragt sich wieviel Grausamkeit und Ungerechtigkeit ein Mensch ertragen kann. Lena Christ hatte in ihrem Leben leider nicht sehr viel Glück und wurde auch auf das Schwerste mißhandelt. Ihren sechs Kindern konnte sie auch kein viel besseres Leben bieten. Dieses Buch rührt einen wirklich zu Tränen, aber ich habe es gerne gelesen und werde es wieder lesen. Gerade für Münchner ist dieses Buch interessant, denn es werden viele Orte beschrieben, wie sie Ende des 19.Jh. ausgesehen haben bzw. wie die Mentalität der damaligen Leute war.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ausgabe aus dem Rosenheimer Verlagshaus haptisch vorzuziehen, 23. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Erinnerungen einer Überflüssigen. (Gebundene Ausgabe)
Ihre hier vorliegende Lebensgeschichte schrieb Lena Christ bereits als Dreißigjährige; kaum zu früh, denn noch keine Vierzig schied sie von eigener Hand aus dem Leben einer Überflüssigen.
Sie verlebt zunächst eine durchwachsene Kindheit in Glonn bei ihren Großeltern. Beim Besuch ihrer Mutter aus München wird klar, daß diese mit ihrem ledigen Kind nicht zurecht kommt. Sowohl die Mutter ohne Heirat als auch das Bankert sind in der stark ländlich und katholisch geprägten Umgebung Ausgestossene. Lenas Mutter will zunächst durch Ignoranz diesen Makel beheben. Als die achtjährige Leni nach München zur Mutter und Stiefvater kommt wird das Kind ausgenützt, geschlagen und mißhandelt. Auffallend ist in der bigotten Umgebung die Unterdrückung durch die Religion:
Die Mutter braucht die Arbeitskraft des fleißigen Kindes, hat aber immer ihren Schandfleck vor Augen. Das erträgt sie nicht. Die Diskrepanz zwischen der Frömmigkeit der Mutter und deren brutalem Verhältnis zum Kind fällt der Leni bald auf. Sie selbst schwankt zeitlebens zwischen heftiger Zuneigung und Abscheu vor den Widerwärtigkeiten im Elternhaus.
Freilich wäre zu prüfen, ob und wo Lena Christ ihr Verhältnis zur Mutter zu grob schildert. Auch um die Wende zum 20. Jahrhundert konnte man als volljährige Frau ausscheren, zumal in München. Das Intermezzo in der Floriansmühle zeigt es. Mir erschloß sich nicht ganz, welcher Magnetismus die Autorin immer wieder ins elterliche Wirtshaus zog.
Durch die treffende Sprache und das richtige Klangbild gelingt es Lena Christ ein Sittengemälde zunächst auf dem Lande, dann in der Großstadt München zu entwerfen. Was bringt der Vergleich mit den oft bemängelten heutigen Lebensumstände? Es wird klar, welch ungeheurer Fortschritt in Bezug auf Persönlichkeitsrechte trotz des Widerstands vor allem der katholischen Kirche erzielt wurde.
Die Ausgabe aus dem Rosenheimer Verlagshaus gefiel mir auch aus haptischen Gründen. Buchgröße und Schriftbild sind lesefreundlich. Dazu der sonst oft vermißte typische Buchgeruch ...
Wer sich mit Lena Christ, neben Marieluise Fleißer wohl der bedeutendsten bayrischen Autorin des 20. Jahrhunderts, auseinandersetzen will, muß ihren literarischen Erstling lesen.
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