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Erinnerungen und Gedanken. Lehrjahre in Frankreich
 
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Erinnerungen und Gedanken. Lehrjahre in Frankreich [Gebundene Ausgabe]

Golo Mann , Hans-Martin Gauger , Wolfgang Mertz
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 287 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100479114
  • ISBN-13: 978-3100479112
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 774.940 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Golo Mann
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Als Golo Mann im Jahre 1986 seine Memoiren veröffentlichte, löste deren Titel, Erinnerungen und Gedanken, Befremden aus. Was wollte er, der sich mit seiner Deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (1958) und einer umfangreichen Wallenstein-Biographie (1971) als Historiker einen Namen gemacht hatte, mit dieser Anspielung auf Bismarcks Gedanken und Erinnerungen bezwecken?

Eine indirekte Antwort liefert nun der zweite Band seiner Memoiren. Der Reichskanzler habe sein Werk ursprünglich tatsächlich "Erinnerung und Gedanke" im Singular betiteln wollen, die Änderung und nicht zuletzt auch die neue Reihenfolge sei dann erst auf Anraten des damaligen Herausgebers -- "eines Gymnasialprofessors" -- zustande gekommen. Diese Reaktion auf die Aufnahme des ersten Bandes durch das Publikum, aber auch andere Betrachtungen zu einmal Gelesenem ebenso wie zu Zeitereignissen durchziehen das Manuskript des zweiten Bandes, das bei seinem Tod im Jahre 1994 noch längst nicht abgeschlossen war.

Doch gerade der Eindruck des Unfertigen, das Nebeneinander von fertig ausformulierten Erinnerungen an seine Zeit als Deutschlektor an der berühmten École Normale Supérieure von Saint-Cloud bzw. später an der Universität von Rennes und von noch im Fluß befindlichen Gedanken sind lesenswert. Sie geben nicht nur einen Einblick in die Familienverhältnisse, insbesondere die Schwierigkeiten der beiden Brüder Klaus und Golo und deren streitbarer Schwester Erika wieder, aus dem übermächtigen Schatten des berühmten Vaters herauszutreten. Golos anfänglicher Hoffnung, sich in Paris eine eigene Existenz als Hochschullehrer aufbauen zu können, machte die neue französische Ausländergesetzgebung einen dicken Strich durch die Rechnung.

Die Beschreibung seines Alltags, die Kontakte zu französischen Kollegen ebenso wie seine Beobachtungen zu den Aktivitäten der deutschen Emigranten, sei es in Paris, sei es in der Kolonie von Sanary-sur-Mer, machen das Buch zu einem wertvollen Zeitzeugnis. Es liefert interessante Eindrücke von den politischen Ereignissen während der dreißiger Jahre und den Lebensverhältnissen im Exil. Es war daher nur konsequent, daß die beiden Herausgeber an den Schluß des Bandes Auszüge aus den Tagebuchaufzeichnungen aus dem Frühsommer 1940 gestellt haben.

Golo, der von der Schweiz kommend sich nach dem deutschen Angriff als Kriegsfreiwilliger zur Verfügung stellen wollte, wurde noch an der Grenze von den Franzosen interniert. Nach einer Odyssee durch zahlreiche Lager, wo er viele der deutschen Emigranten wiedertraf, gelangte er erst Mitte September auf abenteuerlichen Wegen über Spanien und Portugal in die USA, wo er von seinem Vater, Thomas Mann, bereits seit Wochen sehnlichst erwartet wurde. --Stefan Martens

Kurzbeschreibung

Was folgte auf Golo Manns Jugend in Deutschland? Der erste Band seiner Erinnerungen endete mit einer bitteren Note. Vierundzwanzigjährig war dem Autor die Rückkehr in sein Heimatland verwehrt, er saß fest in Sanary-sur-Mer, umgeben von Emigranten aus Deutschland, wieder einmal seinen Eltern sehr nah, vielleicht zu nah. Hier setzt der zweite Band von Golo Manns Memoiren ein - und es ist ein in vielem helleres Bild, das vor den Augen der Leser entsteht. Denn die Jahre in Frankreich gehörten wohl zu den unbeschwertesten in Golo Manns Leben. Erstmals konnte er sich in einer ›unbelasteten‹ Umgebung frei fühlen, hier durfte er seine eigenen Fähigkeiten entfalten und er selbst sein, nicht nur der Sohn des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, mit dem ihn in der französischen Provinz die wenigsten in Verbindung brachten. Er wurde Deutschlektor in St. Cloud und schloß Freundschaft mit dem Direktor der dortigen Schule, Felix Pécaut, eine Freundschaft, die Golo Mann tief prägte und die er noch lange aufrechterhielt; später wechselte er, ebenfalls als Lektor, nach Rennes. Besuche zu Hause bei den Eltern in Küsnacht, Exkurse über den Einfluß französischer Dichter und vor allem Historiker auf sein Werk (hier ist Golo Mann auch als glänzender Übersetzer kennenzulernen) und ein Kapitel über seine Zeit in einem französischen Internierungslager in der Provence runden diese Erinnerungen zu einem eindrucksvollen »Porträt des Historikers als junger Mann«.

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Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Als Golo Mann nach Erscheinen des ersten Bandes seiner "Erinnerungen und Gedanken" im Jahre 1986 gefragt wurde, warum er das Buch überhaupt geschrieben habe, gab er zur Antwort: "Erstens: Ein Schriftsteller muß schreiben. Zweitens: Er möchte den Leser unterhalten und möchte seinem Geist etwas zu beißen geben." Das eine wie das andere ist dem hervorragenden Schriftsteller mit "Eine Jugend in Deutschland" gelungen; und das gilt auch für den zweiten Band "Lehrjahre in Frankreich", der postum, Golo Mann starb 1994, und leider nur fragmentarisch erschienen ist.

Der große Sohn des großen Vaters erinnert in diesem zweiten Band an die ersten Jahre der Emigration. Deutschland hatte ihm die Rückkehr in sein Heimatland verwehrt. Er war vierundzwanzig Jahre alt. "Eine Jugend in Deutschland" war abgeschlossen - teilweise mit bitteren Erfahrungen, was die persönlichen Erlebnisse - vor allem bezogen auf Thomas Mann - betraf; aber auch die schlimmen politischen Entwicklungen im Lande der Dichter und Denker. Und so zitiert Golo Mann am Ende dieses ersten Memoirenbandes den deutschen Dichter Johann Christian Günther mit dem Schlußvers des Gedichtes "An mein Vaterland": "Du magst mich jagen und verdammen ...Und geh, wohin die Schickung ruft. / Hier fliegt dein Staub von meinen Füßen, / Ich mag von dir nichts mehr genießen, / Sogar nicht diesen Mund voll Luft."

Die "Schickung" rief in nach Südfrankreich, nach Sanary-sur-Mer. Und so erzählt er von diesem Dorf an der Cote Azur, in dem sich die Flüchtlinge trafen: Thomas und Heinrich Mann, Erika und Klaus, Benjamin und Breicht, Kracauer und Feuchtwanger, Döblin und Remarque und Arnold Zweig. Zwar dachte Golo Mann über die politische Emigration "nicht allzu hoch und mit jugendlicher Schärfe" und hielt auch nicht viel von ihren realitätsfremden Gesprächen, und so fallen seine Urteile über nicht sehr schmeichelhaft aus. "Außer dem Alten und Heinrich habe ich noch keinen bedeutenden Emigranten getroffen...Arnold Zweig ...ein eitler, mittelgescheiter, geschwätziger Mann", der wieder "erztheoretischen Unsinn verzapft" hat. Und "wenn man sich hier in ein Kaffee setzt, schwapp, sitzt eine gestürzte Größe neben einem."

Aber es war doch eine - im Vergleich zu den vergangenen Jahren - gute Zeit für ihn. Golo Mann war plötzlich und auf eine unerwartete Weise frei und unbelastet. Der Vater ("Übrigens besaß er das glückliche Talent, nichts zu bemerken, was ihn häte enttäuschen können."), wenn auch nahe, übte nicht mehr die bedrückende Dominanz auf den jungen Golo aus. Es war die Zeit relativ unbeschwerter Lektüre und Entfaltung eigener Fähigkeiten. Und so erzählt Golo Mann in der ihm eigenen faszinierenden Weise von diesen Jahren, die wie auch schon der erste Band Lebens- und Zeitgeschichte in einem sind - "verlotet im Ozean der Welt". Anekdoten und Betrachtungen, Familiäres, Literarisches und Politisches wechseln miteinander ab; immer interessant, nie leichtfertig und oft genug liebenswürdig.

Von November 1933 bis Sommer 1935 wirkte Golo Mann als Lehrer an der École Normale Supérieure in Saint-Cloud, bevor er im November 1935 Lektor für deutsche Sprache und Literatur in Rennes wurde. In dieser Zeit wurde ihm der Direktor von Saint-Cloud, Félix Pécaut, zum Freund. Es wurde eine Lebensfreundschaft, der Golo Mann in diesen Erinnerungen ein ehrendes Denkmal setzt. Dankbar zeigt sich Golo Mann auch dem geliebten Frankreich und seiner Literatur. "Lehrjahre in Frankreich" nennt er nicht ihne Grund diesen Band - und er beweist diesen "Lehrmeistern" in diesem Buch seine Reverenz. Zum Beispiel der französischen Literatur, der er ein eigenes Kapitel widmet. "Von ihr zu sprechen heißt das Meer austrinken wollen", was natürlich nicht gelingen kann. Aber auch das wenig Erzählte ist schon viel, weil geistreich, liebevoll und keinesfalls unkritisch.

Natürlich setzt sich der Historiker Golo Mann auch mit der Politik auseinander, mit der deutschen und mit der französischen. Auch hier sein Urteil dezidiert - realistischer als wir es von seinem Vater gewohnt sind. Brillant und überzeugend die essay-artige "Auseinandersetzung" mit dem Staatsrechtler Carl Schmitt; holzschnittartig und doch treffend die Beurteilung Ernst Jüngers. 1936 bis 1940, in Frankreich hatte zwischenzeitlich die Volksfront gesiegt, hielt sich Golo Mann vorwiegend in der Schweiz auf. Die Eltern waren mittlerweile auch in Küsnacht seßhaft geworden. Mit dem Vater verstand sich der Sohn immer besser. "..öfters bat er mich, ein Gutachten, eine Rede für ihn zu entwerfen, hielt also etwas von meinem Urteil".

Doch die Weltgeschichte hatte anderes vorgesehen. Thomas Mann ging 1938 nach Amerika, der Krieg brach aus. Golo wollte sich der französischen Armee anschließen. Beim illegalen Grenzübertritt wird er verhaftet und in Loriol interniert. Dann die Verlegung in das berüchtigte Lager Les Milles bei Aix-en-Provence, später nach N'imes. "Hier ist weder Würde noch Wirklichkeit", schreibt Golo Mann. Er wird entlassen und begibt sich auf den gefährlichen Weg nach Amerika.

Ein Fragment, natürlich. Aber auf der Basis der letzten von Golo Mann durchgesehenen Fassung seiner Erinnerungen haben die beiden Herausgeber Hans-Martin Gauger und Wolfgang Mertz eine überzeugende Arbeit abgeliefert. Dennoch bleibt natürlich das Bedauern, daß der Autor nicht selbst diesen Band vollendet hat - und letztlich auch nicht mehr vollenden konnte. Gerade über die Zeit in Frankreich, das er besonders liebte, hätte er sicher noch viel zu erzählen gewußt. Auch der Verfolg der Welt- und Familiengeschichte aus Sicht des Historikers, Schriftstellers und Sohnes von Thomas Mann in den amerikanischen Jahren und danach hätte sicher noch viel Interessantes gebracht. Aber auch das Hinterlassene und das Unvollständige ist allemal lesens- und bedenkenswert.
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