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Erinnerungen und Gedanken. Eine Jugend in Deutschland
 
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Erinnerungen und Gedanken. Eine Jugend in Deutschland [Taschenbuch]

Golo Mann
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 10 (1. Juli 1991)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596107148
  • ISBN-13: 978-3596107148
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,6 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 264.836 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Golo Mann
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

" ... es ist weise und, aller Bitterkeit zum Trotz, zugleich auf seine Art heiter". (Marcel Reich-Ranicki)

Kurzbeschreibung

»Eine Jugend in Deutschland« - keine alltägliche, sondern gefährdet durch Anlagen und Umstände, gleichwohl im bürgerlichen Rahmen behütet und gefördert, eigensinnig und doch in vielen Entwicklungen repräsentativ für dieses Land und für die Zeit - 1909 bis 1933 -, durch die Golo Mann seinen Weg mit beharrlicher Unabhängigkeit und kritischer Selbstzucht findet. Die Stationen: Das vom Vater überschattete Elternhaus mit den großen Geschwistern Klaus und Erika. Literatur, Musik, Theater als frühe Eindrücke, Schule und Pfadfinder, Internat Schloß Salem. Nach dem Abitur Studium in München, Berlin, Heidelberg: Jaspers, der Sozialistische Studentenbund, erste Aufsätze, Versuche, dem Nazi-Geist entgegenzutreten. Hamburg, Göttingen: Selbstaufgabe der Weimarer Republik, alles Spätere vorbereitende Anfänge des »Dritten Reichs«.

Golo Mann beschwört keine »besonnte Vergangenheit«, viel zu sehr litt und leidet er an den Irrtümern deutscher Politik. Dennoch weckt dieses große deutsche Bekenntnisbuch Hoffnung: »es ist weise und, aller Bitterkeit zum Trotz, zugleich auf seine Art heiter«. (M. Reich-Ranicki)

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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"Die fesselndsten Romane sind autobiographische Studien oder Erzählungen von Ereignissen, verlotet im Ozean der Welt", so Honoré de Balzac. Gemessen daran ist das Buch von Golo Mann ein zweifach "fesselnder Roman": Er ist Lebens- und Zeitgeschichte, "verlotet" in der geistigen Welt und der historischen Epoche. Mit der geschliffenen Feder des Schriftstellers und Essayisten, mit dem geschulten Blick des Historikers und der lebhaften Erinnerung des Betroffenen wird das individuelle und allgemeine Bild der Zeit zwischen 1909, dem Geburtsjahr des Autobiographen, und 1933 gezeichnet.

Golo Mann nennt sein Buch einen "Entwicklungsroman". Diesem Genre bleibt er nichts schuldig. Mal in Anekdoten und knappen Erlebnisberichten, dann wieder mit scharf gezeichneten Porträts und tiefsinnigen Betrachtungen geht er den Lebenslinien nach. Oder besser: zurück. Denn "was ich erzähle, beginnt in tief versunkener, von mir gleichwohl erinnerter Vergangenheit".

Der Vater - er dominierte den großbürgerlich-intellektuellen Dichterhaushalt, in dem Golo lebte und litt. Die älteren Geschwister Klaus und Erika, selbstbewusst und frühreif, werden vom Vater akzeptiert. Anders Golo. Thomas Mann dazu: "Golo, mehr und mehr problematische Natur, verlogen, unreinlich, hysterisch..". So entstehen frühkindlich-psychische Schäden, die das ganze Leben nachwirken werden. Linkisch, liebedienerisch und einsam - das Kind Golo leidet unter den älteren Geschwistern, vor allem aber unter dem übermächtigen Vater. Der Leser spürt dies, trotz aller Verhaltenheit und Rücksicht. Der folgende Satz entlarvt: "Was hatten wir doch für eine elende Kindheit, Angst vor anderen Kindern, vor den Eltern und dem Gymnasium". Und über den "Alten". "Wohl konnte er noch Liebe ausstrahlen, überwiegend aber Schweigen, Strenge, Nervosität und Zorn".

Interessant und bezeichnend Golo Manns eigenes Bekenntnis, dass letztlich erst der Tod des Bruders Klaus 1949 und des Vaters 1955 die eigene schriftstellerische Arbeit ermöglicht haben. Den familiären Konflikten jedenfalls entzieht sich der Zurückgesetzte und Ungeliebte vorerst Durch "Ausbruchversuche" - wie es im Buch heißt.

Die Zeit des Ersten Weltkriegs ist im Hause Mann durch die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Zeitfragen bestimmt. Nicht zuletzt durch "Die Betrachtungen eines Unpolitischen" von Thomas Man; ein Werk, für das Golo nicht allzu viel übrig hatte.

Es folgen Salem und die Studienjahre in München, Berlin, Heidelberg, Hamburg und Göttingen. Das geistige Klima besonders an der Universität Heidelberg und die Begegnung mit Gundolf, Jaspers und Weber sind für die intellektuelle Prägung wichtig. Vor allem Jaspers hat auf Golo Mann "als sehr langsam sich zur Reife entwickelnden Schriftsteller" gewirkt. Auch hinsichtlich der später getroffenen Entscheidung für Die Historie. - Geschärft wurde in dieser Zeit aber auch das politische Bewusstsein von Golo, der bald sehr deutlich die Vorboten einer "neuen Zeit", die nichts Gutes verspricht, erkannt hat. Konsequent daher der Eintritt in den Sozialistischen Hochschulbund als Gegenposition zum aufkommenden Nationalsozialismus. Dennoch das Bekenntnis: "Rückwirkend glaubt man leicht, Geschichte vorausgesehen zu haben, nicht genau, aber ungefähr. Die Wahrheit ist, dass ich nichts voraussah, noch am 31. Januar 1933 nicht...."

Lebens- und Zeitgeschichte findet nicht statt ohne viele kleine, aber nicht unbedeutende Erlebnisse, Freundschaften und Bekanntschaften - so mit dem Fürsten Lichnowsky, mit dem Germanisten Pierre Bertaux, mit dem Journalisten Leopold Schwarzschild und der Schriftstellerin Ricarda Huch.

Was wollte Golo Mann mit diesem Buch? Es ist ein Form der Selbstvergewisserung geworden und die Autobiographie eines unserer bedeutendsten Denker und Historiker, eines "Menschen mit seinem Widerspruch". Es ist aber auch ein Deutschland-Buch.
Und daher auch in der Rückschau - unabhängig davon, das es brillant geschrieben ist - eine notwendige und spannende Lektüre.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Golo Mann malt in diesem Buch kein verklärtes Selbstportrait, wie es manch anderer nur zu gern in seinen Memoiren tut. Nein, er berschreibt wirklich seine eigene Entwicklung in sehr reflektierter Weise und gibt eine ganz persönliche Perspektive auf die von ihm in meinen Augen wertfrei gehaltene Obrigkeitshörigkeit, die er selbst als Kind an den Tag legte und die ja angeblich ein sehr deutsches Phänomen sei, ebenso wie viele andere Wesenszüge seiner eigenen Person und seiner Mitmenschen. Die eigene Entwicklung vom Kind im großbürgerlichen Elternhaus (hier wird das schwierige Verhältnis zu seinem Vater deutlich und wie sich Golo zu den Geschwistern Erika und Klaus verhielt) über den prä-pubertären Pfadfinder und den Internatsschüler bis hin zum Studenten bei Karl Jaspers etc. beschreibt der Historiker und Essayist, nicht ohne Selbstkritik und oft mit Bitterkeit, ebenso wie die Fehler, die im Umgang mit Personen seines Lebens gemacht wurden und dem Autor im Rückblick vermeidbar erschienen.

Das Buch ist aber viel mehr als bloß eine weitere Betrachtung des Privatlebens der Familie Mann, es ist es auch ein lebendiger Zeitzeugenbericht der wechselvollen Zeiten, in denen sich diese Entwicklung vom Kind zum Manne vollzog. Und gerade das ist es wohl auch, was dieses Buch wirklich interessant und lesenswert macht.
Die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, vor allem der ersten Hälfte, wird im Schulunterricht mehrfach breitgetreten. Was jedoch oft ausbleibt - und das ist schade, denn sonst kann man die historischen Zusammenhänge gar nicht verstehen - ist, wie es im privaten Mikrokosmos der Menschen dieser Zeit aussah. Wie äußern sich Zeiterscheinungen und Geisteshaltungen im Alltag? Wie beeinflussen sie (und gerade das wäre für Schüler sehr interessant) die Entwicklung junger Menschen? Wie lebten, dachten und fühlten die Menschen damals? Das sind entscheidende Fragen!
Golo Mann thematisiert sie und zeigt an sich selbst und seinem Umfeld mögliche Antworten auf, auch wenn es natürlich nur ein exemplarischer Einblick ist, noch dazu in ein Umfeld, das nicht das des damaligen Durchschnittsdeutschen war. Es ist spannend, seinen Plaudereien zu folgen, die trotz der Bitterkeit, die manchmal in seinen Worten liegt, manch sprachliches Kleinod bergen und dem geneigten Leser einfach Freude an diesem Umgang mit Sprache bereiten. Manchmal schweift er ab und verliert sich in Details, aber das gehört meiner Ansicht nach dazu und tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch - im Gegenteil: Es gibt dem Werk eine weitere persönliche Note, über die man denken kann wie man möchte. Mir persönlich macht gerade dies Golo Mann ungeheuer sympathisch.

Ein Zeitzeuge erzählt also auf persönliche Weise aus seinem Leben und von seinen Erfahrungen und das aus einer interessanten Perspektive. "Erinnerungen und Gedanken" ist ein Fenster in eine Zeit, die heute auch so dargestellt werden muss, um sie zu verstehen, mit interessanten Einblicken in das Leben und das Umfeld eines heranwachsenden Menschen und persönlichen Einblicken in eine Familie, deren Geschichte sich wie ein Roman und die Geschichten um sie herum wie viele kleine Novellen lesen, bzw. liest.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ernst und gewissenhaft 1. September 2007
Format:Taschenbuch
Diese Erinnerungen von Golo Mann sind eine sinnvolle, anregende Lektüre, für jeden ein Gewinn, der sich für Literatur, die Familie Mann oder die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts interessiert. Sehr gewissenhaft und möglichst exakt (mir fehlt ein besseres Wort), auch pflichtbewusst zerlegt Golo Mann gekonnt seine Kindheit und Jugend vor dem Leser, daneben auch die ganze Epoche, vor der sich dies abspielt. Als Teil der Familie Mann schreibt er natürlich vorzüglich und es könnte das größte Vergnügen sein, seine Memoiren zu lesen, wenn nicht ein unverbesserlicher Ernst kontinuierlich mitschwingen würde, welcher sich allmählich auch auf den Leser überträgt. Golo Mann war kein glücklicher Mensch, somit kann man auch nicht von ihm verlangen, dass er dies in seinem Schreiben verleugnet. Es ist bewunderswert, wie hart er auch mit sich selbst ins Gericht geht. Gleichzeitig jedoch hört man auch Trotz heraus, den Trotz eines Menschen, der sich selbst nicht genügend liebt, und sich vor sich selbst rechtfertigen will. Dies soll keinesfalls ein Vorwurf an Golo Mann sein. Trotzdem wurde dadurch meine Lesefreude beeinträchtigt. Ich wollte mit ihm sympathisieren, verstehe ich doch, dass er als Sohn Thomas Manns es sehr schwer hatte, sah mich aber nicht dazu in der Lage, da mir seine depressive Grundstimmung mit der Zeit auf die Nerven ging. Deshalb nur vier Sterne, eine sehr subjektive Wertung also.
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