Der Untertitel des Gedichtbandes lautet "eine lyrische Apokalypse" und verweist bereits darauf, dass es hier um eine Vermengung von Religiösem, Gelebtem und Lyrischem geht. Einerseits ist die anfängliche Anrufung der unterschiedlichen Geister aus Dichtung (Rimbaud), Philosophie (Dionysos) und Religion (Jesus) eine Anspielung auf die jeweiligen Traditionen. Andererseits handelt es sich nach der ersten Anrufung um mal scharfe, mal unscharfe Aufnahmen von absurden Alltagssituationen, die der Autor in Wort-Bildern kristalisiert. So etwa in den Gedichten "parkmädchen", "die elster" und "nacktparadies". Mitunter finde ich die lyrischen Momentaufnahmen und Bilder sehr gelungen - der Stil ist sarkastischer, provokativer und freigeistiger als in dem Band "Seelenknospen", der sich eher an klassischen Topoi orientiert. Insgesamt entwirft der Band "!leb dich fei" ästhetisch-anschauliche Bilder über das Absurde im Lebendigen. Im Schreiben wird aber zugleich über die Ungenügsamkeit und Unvollkommenheit des Schreibens reflektiert, so dass es nicht nur um einen Akt des "sich-frei-lebens", sondern ebenso um ein "frei-schreiben" geht: am Ende steht die selbstironische Erkenntnis, dass auch ein lyrisches Schreiben "Privilegierter Blödsinn" sein kann.