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Erinnerungen an Czernowitz: Wo Menschen und Bücher lebten
 
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Erinnerungen an Czernowitz: Wo Menschen und Bücher lebten [Gebundene Ausgabe]

Zvi Yavetz
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 254 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 2., durchgesehene Auflage (1. Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406557473
  • ISBN-13: 978-3406557477
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 381.083 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Geschichte der Stadt Czernowitz und ihrer Menschen ist die Geschichte einer einzigartigen Kulturmetropole, die zum Symbol für das lange Zeit friedliche Zusammenleben von Ukrainern, Rumänen, Polen, Ruthenen, Juden und Deutschen wurde, ehe der Zweite Weltkrieg und die Verbrechen der deutschen Besatzer die kulturelle Blüte der Stadt ein für allemal zerstörten. Zvi Yavetz läßt in seinen Erinnerungen an die 1930er und 1940er Jahre in Czernowitz eine untergegangene Welt wieder lebendig werden. In bewegenden Bildern berichtet er vom jüdischen Alltag in einer Stadt, aus der so unterschiedliche Dichter und Gelehrte wie Paul Celan, Rose Ausländer, Erwin Chargaff oder Josef Schumpeter hervorgingen. Zvi Yavetz, Professor em. für Alte Geschichte an der Universität Tel Aviv, schildert seine Kindheit und frühe Jugend in Czernowitz. Geboren 1925 als Sohn jüdischer Eltern, wuchs er in einer Zeit des Umbruchs auf, als die "alte Welt" der k.u.k. Monarchie, in der ein bewegtes literarisches Leben, das Mit-einander von Sprachen und Völkern den Alltag in Czernowitz prägten, sich ihrem Ende zuneigte. In bewegenden Bildern bringt Zvi Yavetz die längst vergangene Welt der 1930er und 1940er Jahre zum Leben. Mit eindrücklichen Worten in "Czernowitzer Deutsch" beschreibt er das Zusammenleben, aber auch die Unterschiede der geistigen Heimat von Ukrainern, Rumänen, Deutschen, Polen und Juden. Vor den Augen des Lesers entsteht so das Bild einer längst vergangenen Welt, einer Kulturmetropole, die ihresgleichen sucht.

Über den Autor

Zvi Yavetz, geb. 1925 in Czernowitz, ist Professor em. für Alte Geschichte an der Universität Tel Aviv, zu deren Gründungsvätern er gehört. Zuletzt erschien von ihm: Tiberius (2002).


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Als Zvi Yavetz am 26. April 1925 als Harry Zucker und einziges Kind des Leo Zucker und der Amalie Jawetz in Czernowitz zur Welt kommt, ist die Stadt östlich der Waldkarpaten rumänisch. Das Geburtshaus liegt etwas außerhalb, in der Ziegeleigasse, seinerzeit Strada Caragiale, unweit des Bahnhofs. Die Gasse rechnete sich zu einem Stadtrayon, den Yavetz in seinem Buch nicht wenig geistreich mit Niederczernowitz etikettiert.

Die Rolle des Familienoberhauptes übernimmt nach dem Selbstmord des Vaters die Mutter und deren Eltern. Der kleine Harry Zucker wird umsorgt und geliebt. Großvater, Moses Jawetz, ist ein eleganter, gebildeter Mann, Buchalter, "Freidenker, kompromissloser Zionist", der sich aber keiner politischen Richtung verpflichtet fühlt und fließend Hebräisch spricht, durchaus keine Selbstverständlichkleit im Czernowitz der 1930er Jahre. Mit seinem Enkel unterhält er sich "ausschließlich auf Hebräisch".

Bereits mit zwölf Jahren treibt Yavetz die Sensucht nach Erez Israel um. Nichts beschäftigt ihn so sehr wie die Auswanderung ins gelobte Land. "Ich war wie besessen und sah mich bereits in einer landwirtschaftlichen Schule in Palästina. Die Auswanderung nach Palästina wurde für mich zur fixen Idee." Tatsächlich aber fühlen sich die Menschen, für die eine solche Auswanderung in Frage kommt, unsicher und allein gelassen. Für ein Einwanderungszertifikat müssen 1000 englische Pfund aufgebracht werden, Geld, über das man kaum verfügt. Vielfach sind auch die Nachrichten aus Palästina selbst bedrückend. "Die wirtschaftliche Lage sei schlecht," erinnert sich Yavetz an die Einschätzung seines Großvaters, "und die blutigen Zusammenstöße mit den Arabern seit 1936 machten das Leben unsicher. Die Kinder hinzuschicken sei gefährlicher, als sie in Rumänien zu behalten."

Vermutlich 1939 versucht Yavetz in der zionistischen Jugendbewegung Fuß zu fassen, und das tut er im Hanoar Hazioni. "Die allgemeine Lage im Dezember 1941 war trostlos, mehr noch - verzweifelt ... Ich aber ging nicht verloren. Wer mir dazu verhalf, waren eben die Mitglieder der Jugendbewegung Hanoar Hazioni; ihre Freundschaft, Liebenswürdigkeit, Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft waren grenzenlos. Sie ließen mich nie allein. ..." Die Bewegung ist eine der rund ein halbes Dutzend umfassenden Organisationen, die im Schatten des Haschomer Hazair, dem Flaggschiff der zionistischen Jugenbewegungen in der Bukowina den Pioniergeist pflegen "aus dessen Reihen in den 20er Jahren viele vom zionistischen Ideal durchdrungene Menschen nach Erez Israel gehen".

In der Ziegeleigasse ist man polyglott. Man spricht Deutsch, die Umgangs-, Amts- und Verkehrssprache in der Bukowina bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Die Großmutter beherrscht Polnisch, die Mutter Hebräisch, und ein wenig versteht man das Ukrainische, und man lernt - das gilt in der Hauptsache für die heranwachsende Generation - Rumänisch. Und natürlich spricht und versteht man Jiddisch. Einmal heißt es über einen "großen Familienrat" 1938: "Alle sprachen jiddisch, nur meine Mutter und Mendel [ein jüngerer Bruder des Vaters] benutzten die deutsche Sprache."

"Die Begriffe "Nieder- und Oberczernowitz" habe ich erfunden ...", schreibt Yavetz an anderer Stelle. Tatsächlich existiert dieser Topos in der Literatur und im Bewusstsein der Czernowitzer Bevölkerung nicht. Aber kein anderer Begriff bringt das Verhältnis von gesellschaftlichem Rang und Wohnsitz, vom Streben nach Anerkennung und von den Anstrengungen, es im Leben zu was zu bringen, so unmittelbar auf den Punkt. Oben, auf den "sieben Hügeln", im Stadtkern, residiert die bürgerlich-liberale, wohlhabende, sich am europäischen Kulturraum orientierende und deutsch sprechende Oberschicht der Czernowitzer Juden, am Rande der Stadt, etwa in der Ziegeleigasse, und das ist in Czernowitz auch im topografischen Sinne überwiegend unten, sind die einfachen Handwerker, Arbeiter und Bediensteten ansässig.

Und doch wäre es abwegig, die Familie Jawetz dem Proletariat oder Kleinbürgertum zuschlagen zu wollen. So schicken die Jawetz' ihren Sohn auf eine Eliteschule, später aufs Gymnasium. Man lässt den kleinen Harry Klavierstunden nehmen und hat sogar ein Klavier im Hause. Man liest viel und gern, und zwar die deutschen und jiddischen Klassiker, aber auch die hebräische Bibel.

Wollte man die Entwicklungslinien der rumänischen Politik zwischen den beiden großen Kriegen nachzeichnen und ihre Auswirkungen auf das von Habsburg verlassene Czernowitz sichtbar werden lassen, genügt gewiss nicht die Lektüre der Bukowiner Zeitungen. Andererseits gibt Yavetz mit einem Blick auf die Lebenshaltungskosten, die Einkommensverhältnisse, die Praxis der Steuererhebung, auf die Theaterszenerie, die Zusammensetzung und Wahl zur jüdischen Kultusgemeinde oder auf die Lesegewohnheiten der Czernowitzer Juden im Jahre 1937 ein lebensnahes und zuweilen recht unterhaltsames Bild der Menschen, ihrer Befindlichkeit und Lebensgewohnheiten.

Bedauerlich, dass das Buch so miserabel lektoriert ist, als wären dem renommierten Verlag C.H. Beck über Nacht die Lektoren ausgegangen. Nicht nur wird die Lyrik deutscher Klassiker fehlerhaft zitiert, es trifft auch Paul Celan, den großen Sohn der Stadt. Solcherart Nachlässigkeiten reichen bis zu den Straßen- und Familiennamen hinunter. Der Austriaplatz war in der Rumänenzeit nach Ghica Voda benannt, nicht nach dem Sportverein Dragos Voda. Der große Schriftsteller im Wiener Café Central war Friedrich Torberg, nicht Victor Torberg, das Attentat von 1938 auf den deutschen Botschaftssekretär in Paris nicht von Grünspan sondern von Herschel Grynszpan verübt worden. Das ließe sich nun beliebig fortsetzen bis in die Diktion, die russischsprachige, christlich-orthodoxe Glaubensgemeinschaft der Lipowaner sei ein "russischer Stamm" - oder Scholem Alejchem, Klassiker der jiddischen Literatur, ein "jiddischer Humorist".

Resümierend aber haben wir es über Strecken mit einer gut lesbaren, unterhaltsamen, nicht selten vergnüglichen, humorvollen, unprätentiösen Binnensicht auf eine Jugend im Czernowitz der Zwanziger und Dreißiger des vorigen Jahrhunderts zu tun, die für ein Nachempfinden, für das Hineinfühlen in die Befindlichkeit der Menschen jener Zeit einen wichtigen Beitrag leistet. Sie lässt sich unschwer mit Dorothea Sellas Romantrilogie, Hedwig Brenners Familiengeschichte oder Margit Bartfeld-Fellers Erinnerungen in eine Reihe stellen.

Obwohl Czernowitz nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur für die dort lebenden Juden kulturell und sozial in Bedrängnis geraten war und die Menschen mit einer ganzen Palette von Widrigkeiten des Alltags zu kämpfen hatten, schauen wir auf ein vorwärts strebendes, wirtschaftlich relativ erfolgreiches Gemeinwesen. Und wir erleben einen Jungen und Heranwachsenden, der mitten im Leben steht und den zugleich staatsgründende Ziele und Visionen umtreiben, als der Rest der Bevölkerung noch der Monarchie nachhing, die deutschen Klassiker verehrte und weder spürte noch ahnte, auf welch verlorenem Posten er stand. Was an Energie und Unbeugsamkeit des Willens es dazu braucht, welchen Kopf, das zeigt uns Zvi Yavetz mit dem Rückblick auf seine Jugend in Czernowitz.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zvi Yavetz Czernowitz C.H. Beck
ISBN 3406557473

Erinnerungen an Czernovitz  wo Menschen und Bücher lebten ist der ungewöhnliche Titel dieses schönen Buches.

Die Stadt Czernovitz verbindet man mit den Namen vieler berühmter jüdischer Dichter, Denker und Forscher, die zu Zeiten der k u k Monarchie dort geboren wurden. Paul Celan, Rose Ausländer, Erwin Chargaff , Gregor von Rezzori, Aaron Appelfeld, Wilhelm Reich und eben Zvi Yavetz, um nur einige wenige zu nennen, kamen aus der Bukowina, deren Hauptstadt damals Czernowitz war.
Die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen ist die Geschichte einer einzigartigen Kulturmetropole, wie es auf dem Klappentext heißt, die s. Zt. zur österreichischen Monarchie gehörte. Eine wechselvolle Geschichte hatte sie dahin geführt. Hier lebten Ukrainer, Rumänen, Polen Ruthenen, Juden und Deutsche zusammen und hatten die Stadt zu kultureller Blüte geführt. Hier tummelten sich fremde Sprachen und Völker. Alles aber endete mit dem Faschismus, der auch in Rumänien Einzug hielt und alles zerstörte, was bis dahin war.
Nach einer ausführlichen historischen Einführung in die Geschichte der Stadt beschreibt Zvi Yaretz in diesem Buch seine Kindheit mit vielen Details und lebhaften Eindrücken.

Beginnend mit seiner Leidenschaft für Schnee, die ihn nie verlassen hat, leitet er über in das alltägliche Leben im Hause seiner Großeltern mütterlicherseits, in dem er aufgewachsen ist. Seine Mutter lebte ebenfalls dort. Von seinem Vater erfuhr er erst sehr spät, wer er war. Gekannt hat er ihn nicht und um seine Abwesenheit wurde ein großes Geheimnis gemacht. Es hatte mit den Familien der Eltern zu tun, die sich aus dem Wege gingen.
Den Großvater mütterlicherseits, der ihm Vaterersatz war, verehrte er sehr. Von ihm hat er viel gelernt hat. Spät erst wird ihm bewuß, wie prägend auch seine Großmutter mit ihrer Herzenswärme und Bildung für ihn war.

Früh lernte Zvi Yavetz Sprachen und kannte Bibeltexte und Dichtungen auswendig. Er erwarb sehr jung ein umfassendes religiöses, biblisches Wissen und ein humanistisches Menschenbild, das ihm nie mehr verloren gehen sollte.
Er wurde von mehr oder weniger eindrucksvollen Persönlichkeiten zu Hause unterrichtet und sprach schon in jungen Jahren fließend hebräisch. Seine Mutter legte den größten Wert auf eine exzellente Ausbildung für ihren Sohn.
Er besuchte zeitweise Eliteschulen.
Dabei war die Familie Yavetz nicht gerade begütert. Sie lebte in einer einfachen Gegend mit schlechten Straßenverhältnissen fern von den wohlhabenden Schichten in den besseren Vierteln der Stadt.

Zvo Yavetz entwirft in seinen Erinnerungen ein sehr persönliches Bild seiner Kindheit.
Die vielen Personen, die erwähnt werden, und deren Namensträger für ihn damals und gelegentlich bei späteren Zusammentreffen in Israel von Bedeutung waren, sind verwirrend.
Er schließt sich in seinen jungen Jahren der zionistischen Jugendbewegung an, die ihm Heimat und Hort werden, als seine Großeltern tot sind und auch die Mutter 1941 an einer schweren Krankheit verstarb.

Mit den Vorahnungen zum zweiten Weltkrieg und veränderten politischen Machtverhältnissen begann in der Bukowina ein Umschwung, der bei den Juden Angst und Schrecken auslöste. Von nun an wurde bei den Familientreffen immer häufiger von der Auswanderung nach Palästina gesprochen. Man fürchtete die ersten Pogrome. Im Kopf von Zvi setzte sich der Gedanke fest, unbedingt nach Palästina auszuwandern.

In Czernowitz ist während der Zeit des Faschismus die gesamte kulturelle Vielfalt zerstört worden. Die Juden, die ihren Beitrag dazu geleistet hatten, sind entweder umgebracht oder vertrieben worden, oder sie sind beizeiten nach Palästina oder in andere Länder ausgewandert.
Während sich der erste Teil des Buches ganz mit dem persönlichen Schicksal und dem der Familien befasst, zeigt sich im zweiten Teil der Althistoriker; in diesem Teil widmet sich Yavetz der historischen Entwicklung der Stadt in den Jahren 1937-1940. Die kulturelle, wirtschaftliche, politische und demographische Entwicklung wird erläutert und mit Zahlen belegt. Zeitungen, die man las, werden besprochen, wo man Urlaub machte, wie die Theater und Künstlerszene sich gestaltete usw.

Wer sich ein Bild machen will, wie es In Czernowitz vor dem Krieg zuging, woher die vielen bekannten jüdischen Intellektuellen aus der Bukowina stammten, der wird mit diesem Buch einen interessanten Eindruck gewinnen können.

Das Buch ist sachlich geschrieben, ohne die Gefühle und lebhaften Erinnerungen an eine untergegangene Heimat zu verleugnen.

Das Glossar enthält ausführliche Informationen. Die jüdischen Feste, Traditionen und besondere Ausdrücke des Jüdischen Lebens sind dort nachzuschlagen.

Zvi Yavetz ist Professor em. für alte Geschichte der Universität von Tel Aviv, zu deren Mitbegründern er zählt.
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