Natürlich ist diese Darstellung eines unmittelbar beteiligten Zeitzeugen individuell gefärbt und vielleicht auch selbstgerecht. Aber eines muss man ganz klar feststellen. Helmut Kohl hatte die Chance seines Lebens und hat sie mit beiden Händen gepackt. Entgegen der Widerstände aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens war er es, der die Chance zur Wiedervereinigung genutzt hat. In diesem sehr kleinen historischen Zeitfenster zwischen November 1989 und August 1991 hat er die Tür weit aufgestoßen, die nur einen ganz kleinen Spalt offen stand.
Natürlich teilt er auch aus, aber auch über Parteigrenzen hinweg. Eine ganze Reihe von Poltikern werden scharf kritisiert, auch solche die heute noch in der Politik tätig sind, wie z.B. Oscar Lafontaine. Bemerkenswert positiv aber auch solche Berichte die sehr persönlich geschrieben sind, wie z.B. über Willy Brandt und seinen Handlungen in der Zeit Anfang der 90er Jahre bis zu seinem Tod.
Auch wird zum Beispiel klar, dass er wieder als Grundlage für die positiven Ereignisse der Jahre 1989 ff. den Nato-Doppelbeschluss nennt. Auch dafür lobt er erneut die Beteiligten, vor allem seinen direkten Amtsvorgänger Helmut Schmidt, wenn auch dieses Lob nach meinem Geschmack etwas deutlicher und klarer hätte ausfallen können.
Bei aller Kritik, die man an Helmut Kohl üben kann, vor allem an den noch ausstehenden Handlungen zwischen 1994 und 1998, das Buch ist lesenswert. Teilweise ist es spannend wie ein Krimi, vor allem, wenn man noch eigene Erinnerungen an die Zeit hat. Ohne pathetisch zu sein, an manchen Stellen wird einem wirklich wieder einmal klar, welch großes Glück das deutsche Volk in dieser Zeit gehabt hat. Es hätte auch völlig anders kommen können!