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Erinnerung an meine traurigen Huren
 
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Erinnerung an meine traurigen Huren [Gebundene Ausgabe]

Gabriel García Márquez , Dagmar Ploetz
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (44 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wenn man älter wird, bleibt oftmals nur Erinnerung. So ist es auch beim Ich-Erzähler im Roman Erinnerung an meine traurigen Huren des großartigen kolumbianischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez, der immerhin seinen 90. Geburtstag feiert und im Buch der leichten Mädchen blättert, die er im Laufe seines Lebens für Sex bezahlte. Oder doch zumindest fast. Denn Márquez wäre nicht Márquez, hätte er nicht auch diesmal wieder eine ganze Reihe raffinierter Wendungen und narrativer Wunder in seine Geschichte mit eingeflochten. Und so beginnt das erzählerische Feuerwerk von Erinnerung an meine traurigen Huren gleich mit dem ersten, überraschenden Satz: „Im neunzigsten Jahr meines Lebens wollte ich mir zum Geburtstag eine liebestolle Nacht mit einem unschuldigen Mädchen schenken“.

Was die „Reinheit meiner Prinzipien“ angeht, so hatte Rosa Cabarcas, Besitzerin eines geheimen Bordells, das Wesen des Erzählers bereits früh durchschaut: „Auch die Moral ist nur eine Frage der Zeit, sagte sie mit einem maliziösen Lächeln, du wirst schon sehen.“ Aber die Reinheit der Prinzipien ist doch stärker als die Intuition der Frau. Denn der Greis rührt die ihm zugeführte Delgadina in der Liebesnacht nicht an. Aus dem Wunsch nach Sex wird Liebe, und als Delgadina plötzlich verschwindet, fürchtet der Erzähler nichts mehr, als dass ein anderer vollendet haben könnte, was er zum Glück im letzten Augenblick zu verhindern verstand.

Für Gabriel García Márquez, der uns mit Romanen und Erzählungen wie Hundert Jahre Einsamkeit oder Chronik eines angekündigten Todes ein ums andere mal verzaubert hat, gehört Erzählen zum Leben dazu wie Essen und Schlaf. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit bis zum Erscheinen des neuen Buchs. Trotzdem haben wir zehn Jahre auf dieses Ereignis warten müssen. Aber das Warten hat sich gelohnt. Denn Erinnerung an meine traurigen Huren strotzt nur so von Altersweisheit, Lust und Liebe. Mit diesem Buch hat der Autor dem alten literarischen Topos vom alten Mann und dem Mädchen ein neues, in allen nur erdenklichen Farben des phantastischen Realismus seiner Heimat schillerndes Denkmal gesetzt.

Schade ist da nur, dass García Márquez einen eher schmalen Band vorgelegt hat. Aber wenn sein nächstes Buch nur annähernd so gut sein sollte wie dieses, dann wollen wir gern wieder zehn Jahre darauf warten. --Stefan Kellerer

Pressestimmen

"Eine Erzählung über Alter und Jugend, Eros und Tod, Schönheit und Vergänglichkeit, die uns rührt und verstört." (Hubert Spiegel, FAZ)

"Die Geschichte einer Liebe ohne Worte ... Garcia Marquez erzeugt eine Spannung, die den Leser bis zum überraschenden Ende fesselt. ... Der Stil von Gabriel Garcia Marquez ist brillant wie immer und gewinnt durch die Kürze dieses Romans an Intensität." (El Pais)

"Neunzig Jahre Einsamkeit" (Cambio)

Welt am Sontag, 28.11.2004

»Drastisch, melancholisch und ironisch, (...) mit feinem Humor grundiert. Wie sich Lüsternheit in Anteilnahme verwandelt, wie ein Mann erst am Ende seines Lebens sein Herz verliert, erzählt Márquez mit seiner unnachahmlichen poetischen Kraft.«

Focus, 29.11.2004

»Gabriel García Márquez feiert das Glück als eine gewaltige emotionale Eruption.«

El Mundo, 3.11.2004

»In diesem Roman ist der ganze Zauber der Prosa von Gabriel García Márquez enthalten, dieser lebendige, unverwechselbare Stil, der so viele Leser verführt hat.«

Kurzbeschreibung

Zu seinem 90. Geburtstag schenkt sich ein alter Mann, der sein Leben lang nur käufliche Liebe gekannt hat, in einem Bordell eine Nacht mit einem unschuldigen Mädchen. In dieser Nacht, der noch viele folgen sollten, betrachtet er verzaubert die schlafende Schöne und empfindet zum ersten Mal in seinem Leben Liebe. Frauen haben im Leben des alten Journalisten immer eine Rolle gespielt – seine schöne und gebildete Mutter, die ihm die klassische Musik und die Literatur nahe brachte; seine aufreizende Verlobte, die er sitzen ließ; all die vielen Huren, die er mehr nach dem Preis als nach ihren Reizen wählte, und schließlich Rosa Cabarcas, eine mit allen Wassern gewaschene Puffmutter, die ihm in der Nacht seines 90. Geburtstags Delgadina zuführt. Dieses von Rosa Cabarcas in Tiefschlaf versetzte schöne Mädchen löst in dem alten einsamen Mann, der mit dem Leben schon fast abgeschlossen hat, nie zuvor erfahrene Gefühle aus. Immer wieder zieht es ihn zu Delgadina, doch er weckt sie nie. Die Schlafende bringt ihn dazu, sich selbst besser zu verstehen; sie treibt den Liebenden in rasende Eifersucht und inspiriert den Journalisten zu hinreißenden Liebeselogen in der Lokalzeitung. Nach einem Jahr ist er ein anderer Mensch. »Erinnerung an meine traurigen Huren« ist eine Hommage an den japanischen Nobelpreisträger Yasunari Kawabata und seinen Roman »Die schlafenden Schönen«. Ein großes Thema der Weltliteratur, der alte Mann und das Mädchen, wird von García Márquez auf meisterhafte Weise karibisch variiert. Ein Roman voller Melancholie und Humor, voller Klugheit und Zärtlichkeit.

Der Verlag über das Buch

Der neue García Márquez: »Die Geschichte einer Liebe ohne Worte« El País

Über den Autor

Gabriel García Márquez wurde 1927 in Aracataca, Kolumbien, geboren. Nach dem abgebrochenen Jurastudium arbeitete er ab 1948 als Journalist in Cartagena und Barranquilla. In dieser Zeit entstanden seine ersten literarischen Texte. García Márquez hat sich immer als Schriftsteller und als Journalist verstanden. Die Veröffentlichung des Romans „Hundert Jahre Einsamkeit“ (1967) machte ihn auf einen Schlag weltweit bekannt. 1982 erhielt Gabriel García Márquez den Nobelpreis für Literatur. García Márquez hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt. Er lebt hauptsächlich in Mexiko.

Auszug aus Erinnerung an meine traurigen Huren von Gabriel Garcia Marquez, Dagmar Ploetz. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In meinem neunzigsten Jahr wollte ich mir zum Geburtstag eine liebestolle Nacht mit einem unschuldigen Mädchen schenken. Mir kam Rosa Cabarcas in den Sinn, die ein heimliches Bordell betrieb und guten Kunden Bescheid zu geben pflegte, wenn sie etwas Neues zu bieten hatte. Nie war ich dieser noch sonst einer ihrer obszönen Verlockungen erlegen, sie aber glaubte nicht an die Reinheit meiner Prinzipien. Auch die Moral ist eine Frage der Zeit, sagte sie mit einem maliziösen Lächeln, du wirst schon sehen. Sie war nur etwas jünger als ich, und ich hatte seit so vielen Jahren nichts von ihr gehört, dass sie inzwischen verstorben sein mochte. Doch nach dem ersten Klingelzeichen erkannte ich ihre Stimme am Telefon und sagte ohne Umschweife:
"Heute ist es so weit."
Sie seufzte: Ach, du trauriger Gelehrter, zwanzig Jahre lang bist du verschwunden, dann tauchst du wieder auf und verlangst Unmögliches. Sogleich besann sie sich jedoch auf ihr Handwerk und machte mir ein halbes Dutzend köstlicher Angebote, allerdings nur Gebrauchtware. Ich insistierte, nein, das Mädchen müsse Jungfrau sein, und ich wolle es für eben diese Nacht. Beunruhigt fragte sie: Was willst du dir beweisen? Nichts, erwiderte ich, dort verletzt, wo es am meisten schmerzte, ich weiß genau, was ich kann und was nicht. Gleichmütig meinte sie, Gelehrte wüssten alles, aber eben doch nicht alles: Die einzigen Jungfrauen, die es auf der Welt noch gibt, seid ihr, die im August geborenen. Warum hast du mir den Auftrag nicht früher gegeben? Die Inspiration kündigt sich nicht an, sagte ich. Aber sie wartet vielleicht, sagte sie, wie stets schlagfertiger als jeder Mann, und bat, ich solle ihr wenigstens zwei Tage geben, um den Markt zu sondieren. Ich erwiderte ernst, dass bei einem solchen Geschäft und in meinem Alter jede Stunde ein Jahr ist. Dann geht es eben nicht, sagte sie ihrer Sache gewiss, aber egal, umso aufregender das Ganze, was soll's, in einer Stunde rufe ich dich an.
Ich brauche es nicht zu erwähnen, denn man sieht es mir meilenweit an: Ich bin hässlich, schüchtern und altmodisch. All das wollte ich nicht sein und habe deshalb das genaue Gegenteil vorgetäuscht. Bis heute, da ich aus eigenem, freien Willen beschließe, mich so zu schildern, wie ich bin, und sei es nur, um mein Gewissen zu erleichtern. An den Anfang stelle ich den unsäglichen Anruf bei Rosa Cabarcas, denn von heute aus gesehen, begann damit ein neues Leben, und das in einem Alter, in dem die meisten Sterblichen schon tot sind. (...)
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