Ein sehr sinnliches Buch (im wörtlichen, nicht im erotischen Sinn gemeint): Vladimir Nabokov (geb. 1899) läßt seine Kindheit in Rußland wiederauferstehen, mit all ihren Farben, Gerüchen und mit Abschweifungen ins kleinste Detail, die dem Buch seinen Charme verleihen.
Aus einem sehr wohlhabenden und politisch fortschrittlich gesinnten Elternhaus stammend, ist es jedoch nicht das verlorene Vermögen, was er "den Roten" bzw. der Revolution zum Vorwurf macht, sondern den Verlust der magischen Stätten seiner Kindheit.
Nabokov erzählt von seinen Sommern auf dem Landsitz unweit von St. Petersburg, vom Leben im Winter in der Stadt, der ersten Liebe, der Flucht (zuerst auf die Krim, dann nach England), den Jahren im europäischen Exil, bis zur Flucht nach Amerika.
Ein manchmal kaum verborgener Snobismus und eine durchaus nachvollziehbare Sentimentalität werden aufgefangen durch einen feinen Humor und ein gesundes Ausmaß an Selbstironie, ohne die der Text wahrscheinlich nur schwer erträglich wäre.
"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", die russische Variante - und doch ist Nabokov nicht einfach nur einer, den die Sehsucht nach der Kindheit plagt. Daß er gerade seine Autobiographie in der Fremdsprache, dem Englischen verfaßt hatte, zeigt, wie er sein Schicksal in sprachlich-künstlerischer Hinsicht überwinden konnte.
Zur Übersetzung: Ich habe das Buch zweimal gelesen, zuerst im englischen Original, dann auf Deutsch. Auch wenn es ein Gemeinplatz ist, das Original als besser zu bezeichnen: hier kommt die Übersetzung von D.E. Zimmer syntaktisch nicht immer gut mit, der Rhythmus "hinkt" manchmal, die Nebensätze werden unübersichtlich, während der englische Text gerade durch den eleganten Sprachfluß besticht. Für alle, die gut Englisch können: eindeutig die bessere Wahl.