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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2001
Die Studie von Daniel Levy und Natan Sznaider stellt laut Rezensent Roland Kany eine instruktive, empirisch fundierte Untersuchung zur Praxis der Erinnerung- und Gedenkkultur dar. Die Arbeit untersuche nicht nur den Stellenwert des Holocaust in der Gedenkkultur verschiedener Länder, sondern beleuchte auch die auf den Holocaust gründende Politik der Erinnerung. Überzeugend legen für Kany die Autoren dar, dass der Holocaust nach Kriegsende Teil einer "globalen Erinnerungskultur" wurde, der die Berufung auf universale Werte der Menschenrechte und Demokratie zugrunde lag. Für den Rezensenten zeigt die Studie, wie die Erinnerung an den Holocaust das Argumentationsmuster für das globale Engagement von Weltmächten wie die USA oder aber auch für den deutschen Einsatz im Kosovo-Krieg bildete. In diesem Kontext zieht Kany die Brücke zum gegenwärtigen Afghanistan-Krieg und fragt nach dem Stellenwert der Attentate vom 11. September für das kollektive Gedächtnis der USA.
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Kurzbeschreibung
Die Globalisierung wird gegenwärtig für alles Übel oder für alles Gute verantwortlich gemacht. Eine ihrer Schattenseiten ist die weltweite Standardisierung von Lebensformen. Daniel Levy und Natan Sznaider vertreten jedoch die These, in einem besonderen Fall, der Erinnerung an den Holocaust, sei die globale Angleichung von Werten ein Fortschritt: Es bilde sich dadurch ein kosmopolitisches Gedächtnis heraus.
Das Holocaust-Museum in New York, die Befreiung von Auschwitz als gesamteuropäischer Gedenktag, das Holocaust-Mahnmal in Berlin: Der "Holocaust" wird zu einem universalen moralischen Schlüsselwort, mit dem internationale politische Zusammenschlüsse, ja - wie im Kosovokrieg mit der Parole "Nie wieder Auschwitz" - militärische Interventionen gerechtfertigt werden. Die Erinnerung an den Holocaust wird also von ihren nationalen Ursachen gelöst und globalisiert. Das vorliegende Buch handelt von der Veränderung kollektiver Erinnerungen im Zeitalter der Globalisierung. Somit sprengt es de n Rahmen, in welchem Debatten über den Holocaust und das kollektive Gedächtnis üblicherweise geführt werden. Durch eine vergleichende Analyse der Debatten in den USA, Israel und Deutschland zeigen die Autoren vielmehr die Möglichkeiten und Grenzen kosmopolitischer, vom öffentlichen Gedächtnis an den Holocaust getragener Erinnerungen auf. Und von diesen Möglichkeiten wird die Friedfertigkeit oder Kriegshäufigkeit des 21. Jahrhunderts abhängen.