Ich nutze dieses Buch für die Biografiearbeit in einem Altenheim. Man findet hier viele gute Ideen, die auch sehr einfach in die Tat umzusetzen sind. Das einzige kleine Manko ist, dass das Buch mittlerweile stellenweise schon ein bisschen veraltet ist... Menschen, die den Kohlrübenwinter 1916/17 miterlebt haben, wird man heute nicht mehr treffen und auch die Arbeit mit bestimmten Kassetten etc. ist schon etwas überholt. Eine entsprechend angepasste Neuauflage, die evtl. auch Themenvorschläge für die "aktuelle Altengeneration" enthält wäre eine feine Sache.
Trotzdem - hier findet man sehr viele Anregungen.
Aufgebaut ist das Buch folgendermaßen: Zunächst geht es um das Londoner Age Exchange Zentrum und das "Erinnerungshandbuch" (die Originalausgabe dieses Buches stammt ja aus England). Auch auf die deutsche Vergangenheit und die besonderen Bedürfnisse alter Menschen, die hier gelebt haben, wird natürlich behandelt.
Schließlich folgt der "Praxisteil" - Voraussetzungen, wie etwa: Was tue ich, wenn Probleme auftreten (und es werden welche auftreten :-), z.B. wenn manche Leute überhaupt nicht mehr aufhören wollen, zu erzählen, andere beharrlich schweigen o.ä. Wie "locke" ich Erinnerungen hervor, wie arbeite ich mit psychisch veränderten Menschen (Demenzkranke sprechen ja sehr gut auf viele Methoden der Biografiearbeit an) oder wie kann ich alte Menschen und Kinder zusammenführen?
Im Anschluss werden verschiedene Methoden vorgestellt: Reihum fragen (geht nur bei kleinen Gruppen), Erinnerungen präsentieren, Rollen- und Theaterspiele (geht auch nur sehr begrenzt), Zeichnen, Malen und Collagen (auch hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass es in Gruppen schwer werden kann, weil z.B. oft Menschen dabei sind, die nur noch sehr schlecht sehen können), Gegenstände betrachten und herumreichen (kommt sehr gut an!), Listen aufstellen, Stadtpläne und Landkarten, Musik und Geräusche, Ausflüge (auch nur sehr begrenzt möglich), Tätigkeiten aus dem früheren Arbeitsleben (kann sehr interessant sein - auch mit Demenzkranken), Stichworte geben und Fragen stellen, Texte (vor-)lesen, Einladung zum Rundgang, Geschichten erzählen, Rezitieren, fühlen/riechen/schmecken (gefällt den alten Menschen sehr gut!), Bilder betrachten, schreiben.
Im letzten Teil findet man Themenvorschläge: Familienleben, Hausarbeit und Frauenrolle, Kinderspiele, Schulzeit, Nachbarschaft, Feiern und Festtage, Ausflüge, Mode, Ausgehen, Arbeitsleben, verliebt - verlobt - verheiratet.
Hier werden viele konkrete Vorschläge gemacht, wie man sich einem Thema annähern kann. Wie kann ich verschiedene Sinne einbinden? Welche Fragen sind sinnvoll? Man erfährt auch, wie man fragen sollte - und wie nicht - um möglichst gehaltvolle Antworten zu erhalten.
Die Adressen im Anhang sind auch schon etwas veraltet und sollten vorher nochmal überprüft werden...
Abgesehen von der Tatsache, dass das Buch teilweise etwas veraltet ist, kann man sehr gut danach arbeiten. Ich habe noch verschiedene andere Bücher zum Thema gelesen und fand dieses hier mit am sinnvollsten aufgebaut. Die vorgestellten Methoden und Themen/Fragestellungen kommen bei den alten Menschen, mit denen ich arbeite auch sehr gut an. Besonders das Thema Ernährung hat es ihnen angetan :-) und dazu findet man hier viele gute Anregungen.
Für alle an Biografiearbeit Interessierten ein empfehlenswertes Buch.