Die weiblichen Mitglieder der Familie Mann sind ja spätestens seit den Büchern von Inge und Walter Jens ("Frau Thomas Mann" und "Katias Mutter") und von Hildegard Möller ("Die Frauen der Familie Mann") zu (verspäteter) öffentlicher Aufmerksamkeit und Prominenz gelangt und man denkt zuerst, wieso muss dann noch ein Buch - nur über Erika Mann - geschrieben werden? Aber schon nach den ersten Seiten beweist die Autorin, dass es nicht nur möglich ist, ein ganzes Buch über Erika Manns (und ihrer Geschwister) Verhältnis zum Judentum ihrer Mutter Katia und der Pringsheim-Großeltern zu schreiben und auch, dass dieses Buch nötig war!
Bis auf Golo wollte anscheinend keines der Mann-Kinder mit diesem Thema konfrontiert werden, alle hatten die berühmte Reaktion ihrer Mutter Katia, befragt nach ihrem Judentum, verinnerlicht: "Unsinn, alles Unsinn". Und besonders Erika als Thomas Manns "kühnes, herrliches Kind" konnte und wollte das Jüdische in ihrer Biographie nicht zulassen, obwohl sie aufgrund ihrer Interessen, Aktivitäten und Lebensgeschichte natürlich vor allem in jüdischen bzw. Emigrantenkreisen verkehrte und sogar Berichterstatterin bei den Nürnberger Prozessen war.
Das Buch ist sehr schön, voller "Herz und Hirn" geschrieben, es bringt viele neue Aspekte bzw. stellt bekannte Aspekte in einen neuen Zusammenhang, eben des Themas des Buches, und vermeidet dadurch die bei manch anderer Familie-Mann-Biographie aufkommende Langeweile der schon bekannten Fakten. Sehr lesenswert!