dies buch ist nicht das, was es meines erachtens vorgibt zu sein, nämlich ein biografisches werk über erika mann. es ist im wesentlichen mehr oder weniger eine abhandlung über zwei wesentliche themen; erstens über das jüdische in der familie thomas manns; zweitens über das vater-tochter-verhältnis thomas-erika.
die autorin beklagt im ersten teil des buches seite für seite, dass es im hause der familie mann nie thema war und nie sein sollte und immer verleugnet wurde, dass die mütterliche seite jüdisch war, die kinder also halbjuden und so weiter.
die autorin läßt sich darüber lange aus, teilweise auch recht polemisch, versucht,für diese tatsachen erklärungen zu finden und kritisiert stellenweise auch recht salopp andere buch- oder filmautoren, die in ihren werken andere schwerpunkte setzten (von der lühe, jens, breloer). manchmal kommt da beim lesen ein ungutes gefühl der peinlichkeit auf, auch, wenn zum beispiel eine trennlinie in der mann- familie zwischen homosexualität und judentum konstruiert wird (die autorin will vielleicht provozieren, aber ich meine, es ist sehr weit hergeholt, wenn sie thomas mann eine erotische verbindung zum jesus am kreuz- weil der halb nackig und ein mann- herstellen will).
erika mann erfährt dann als handelnde person im zweiten teil mehr aufmerksamkeit, in dem sie als tochter zur stimme und sachwalterin ihres vaters dargstellt wird. hier wird fleißig ein werk der psychoanalyse zu rate gezogen, um offensichtliches zu erklären. als wiederum sehr konstruiert beispielsweise finde ich, wenn aus dem satz erikas "die familiengeschichte der manns stand uns nicht sehr nahe" (s.227) abgeleitet wird, dass dies etwas damit zu tun habe, dass die manns eben im gegensatz zu den pringsheims nicht jüdisch war, und der jüdische teil sich eben untereinander besser stand.
nun ja. im großen und ganzen vielleicht eine neue nuance im mann- familie- canon, vielleicht aber auch nicht. ich fand dies buch entbehrenswert.