Das Sony Ericsson W890i ist ein echter Hingucker. Mit seinem schlanken Design in silberner Alu-Schale zieht man schonmal die Blicke auf sich. Die Verarbeitung ist vorbildlich, die Akkuabdeckung ist seitlich fest verriegelt, bei Bedarf aber auch leicht zu entfernen. Die sehr kleinen Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt und lassen sich selbst mit meinen Riesenpranken überraschend leicht und zielsicher bedienen.
Die Telefonfunktionen sind gut, die Gegenseite ist immer klar und deutlich zu verstehen. Verbindungsabbrüche, wie bei einigen Tests zu lesen war, traten bei mir bisher nicht auf. Richtig ist aber, dass die Signalqualität bei eingeschaltetem UMTS-Empfang sehr stark schwankt. Während mein altes W850i bei mir zu Hause immer 4 bis 5 Balken Empfangsstärke angezeigt hat, schwankt das Signal beim W890i ständig zwischen 1 und 5 Balken. Da ich UMTS nicht benutze, habe ich die UMTS-Funktion des Handys abgeschaltet und das GSM-Signal ist selbst in Kellern und Aufzugschächten immer bei mindestens 3 Balken und damit sogar besser als beim W850i. Wer also Wert auf UMTS legt, sollte das Handy vorher ausgiebig testen.
Das Display ist praktisch immer, auch bei direkter Sonneneinstrahlung, gut lesbar und scharf. Ein Umgebungslichtmesser sorgt immer für die richtige Beleuchtungsstärke des Displays, damit es auch bei Dunkelheit herabgedimmt wird und nicht zu sehr blendet.
Die Kamera mit ihren 3,2 Megapixeln liefert trotz des fehlenden Autofokus überraschend gute Bilder, ist in sehr dunklen Umgebungen mangels Fotoleuchte aber praktisch unbrauchbar. Für Schnappschüsse ist sie aber mehr als ausreichend, für "richtige" Bilder benutze ich eine echte Kamera.
Herzstück der SE W-Serie ist natürlich der Walkman, und als solcher macht das Handy seine Sache sehr gut. Der Klang ist beeindruckend, aber noch verbesserungsfähig. Durch die manuelle Anpassung des Equalizers lässt sich noch etwas mehr aus dem Handy herausholen. Die mitgelieferten In-Ear-Kopfhöhrer lassen sich durch drei verschieden große Aufsätze an unterschiedliche Gehörgangdurchmesser anpassen und sitzen fest im Ohr. Die Walkman-Software ist sehr einfach zu bedienen und übersichtlich. Um Grundmenü bietet sie Zugriff auf alle Medien und sortiert diese zunächst nach Fotos, Musik und Videos. Playlists sind leicht zu erstellen und verwalten. Die Software legt automatisch Listen von Musikstücken an, die oft oder gar nicht gespielt wurden. Die SensMe-Funktion, die Musik nach Stimmung sortiert (schnell, langsam, fröhlich, etc.) ist eine nette Idee, wird von mir aber überhaupt nicht genutzt, da mir eh nur Metal auf die Speicherkarte kommt :-). Zudem lässt sich die SensMe-Funktion nur dann nutzen, wenn die Musik mittels der Sony Ericsson-Software bei eingeschaltet SensMe-Option auf das Handy übertragen wurde. Die zwei Gigabyte große Speicherkarte bietet ausreichend Platz für ettliche Stunden Musikgenuss. Offiziell werden maximal 4 GB große Karten vom Handy unterstützt, allerdings habe ich eine 8 GB Karte eingesetzt, was beinahe tadellos funktioniert: Beim Anschließen des Handys an einen Windows-PC wird die 8 GB-Speicherkarte vom PC nicht erkannt (wird mit 0 Bytes angezeigt), kann aber über die mitgelieferte Software von Sony Ericsson normal verwaltet und mit Musik, etc. beladen werden.
Der große Anschluss an der Seite des Handys vermindert zwar minimal das tolle Design des Gerätes, hat aber einige Vorteile für Besitzer älterer Sony Ericsson-Modelle wie K750i und W850i: Ladegeräte und Headsets der alten Modelle lassen sich weiterhin mit dem W890i benutzen, was besonders paktisch ist, wenn man wie ich eine Ladeschale für das W850i besitzt.
Sehr schön sind auch die Themes mit animierten Hintergrundbildern, ob man diese aber wirklich braucht, bleibt jedem selbst überlassen.
Natürlich hat das Handy auch einige Mankos, die aber nicht wirklich stark ins Gewicht fallen:
- Durch die fehlende Fotoleuchte hat man nun auch keine Taschenlampe mehr, was bei einem Stromausfall schon praktisch sein kann. Allerdings habe ich die Taschenlampenfunktion beim W850i nur einmal benutzt und vermisse sie beim W890i nicht wirklich.
- Der Speicherkartenslot liegt unter der Akkuabdeckung und ist damit nicht mehr so gut zu erreichen wie beim K750i oder W850i. Den Akku muss man zum Wechseln der Karte jedoch nicht entnehmen, wodurch das Handy auch nicht abgeschaltet werden muss.
- Die Lautstärke des Alarms lässt sich nicht einstellen (ich habe es zumindest bisher nicht gefunden) und steigt von sehr leise nach laut langsam an. Positiv ist hier anzumerken, dass man den Alarmton so einstellen kann, dass er bei Stummschaltung des Handys dennoch ertönt/ nicht ertönt.
Die Internet-Funktion habe ich kurz angetestet und bin mit dem mitgelieferten Browser recht unzufrieden. Glücklicherweise lässt sich aber Opera Mini installieren. Das W890i ist bei Opera nicht gelistet, allerdings lässt sich das Installationspaket für das W880i auf das W890i übertragen und installieren (funktioniert einwandfrei).
Alle weiteren Funktionen wie Email, Spiele, Radio, das vorinstallierte GoogleMaps, etc. werden von mir nicht genutzt, weswegen ich dies auch nicht bewerten möchte.
Alles in allem bekommt man mit dem W890i ein hervorragendes verarbeitetes, sehr hübsch designtes Handy mit sehr gutem MP3-Player und guter Kamera. Wer Wert auf UMTS legt, sollte, wie bereits oben erwähnt, das Gerät vorher besser ausgiebig testen. Auch die sehr kleinen Tasten sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache und sollten vorher ausprobiert werden.