Die neue Biographie eines Spiegel-Journalisten beweist, daß aus guten Zeitungsjournalisten nicht automatisch gute Romanautoren werden müssen. Dabei liest sich das Buch im Ganzen flüssig und unterhaltsam, ganz eben so wie der kurzweilige Spiegel. Nur das die in vielen Nebensätzen versteckte Meinung des Autors die Seriösität einer historisch korrekten Biographie stark in Frage stellt. Dabei finden sich schon wichtige Quellenbezüge mit Angaben auf historische Dokumente. Beim gelernten DDR-Bürger erzeugt es aber mitunter Belustigung, wenn DDR-Banalitäten für das Westpublikum erläutert werden müssen und der Autor sich seine Geschichtswelt "zurechtrückt", um dem Leser mitzuteilen: "So haben wir die DDR-Zeit zu sehen!". Dabei ist es erstaunlich, wie mit der Gesamtdeutschen Vergangenheit umgegangen wird, nur um nicht den tatsächlichen Zusammenhang zwischen Untergang der Sowjetunion und Risikofaktor "eigenständige DDR" im Herzen Europas darstellen zu müssen. Honecker generiert in diesem Buch mehr und mehr zum Ritter von der traurigen Gestalt und zu mehr als er wirklich war, einer vergessenen Randglosse der Geschichte. Unterhaltsam!