Eric Johnson geniesst in unseren Breiten leider noch nicht die Aufmerksamkeit, die ihm gebühren würde. Bei den ersten G3 Touren fiel mir gleich seine Melodiösität auf, während seine Mitstreiter Joe Satriani und Steve Vai eher dadurch auffielen, welche Geräusche man mit einer Gitarre erzeugen kann, Krach pur! Vor einigen Jahren hatte ich im Hardrock Hotel Las Vegas das Vergnügen, Eric Johnson mit (u.a.) Roscoe Beck am Bass auf der "Venus Isle-Tour" live zu erleben. Mein Eindruck: Die Band klang live so gut wie bei der Studioaufnahme! Ich besitze alles, was E.J. bisher auf CD herausgebracht hat und nun endlich ein DVD-Livedokument. Das stammt zwar aus dem Jahre 1988, der Sound ist jedoch in DTS 5.1 und Stereo 2.0 in einer für das Alter der Aufnahme nicht für möglich gehaltenen Qualität aufgenommen. Um in einer Drei-Mann-Formation nicht zu dünn zu klingen, wird natürlich auch mit Echo- und Halleffekten gearbeitet, was zur Folge hat, dass die Sologitarre manchmal ein wenig "von hinten kommt". Hört man sich alte Aufnahmen von beispielsweise Jimi Hendrix oder Cream an, entsteht immer ein riesiges Klangloch, wenn die Gitarre von "rhythm" auf "lead" (Solo) umschaltet, weil entweder die Rhythmusgruppe (Bass und Schlagzeug) oder die aufnahmetechnischen Möglichkeiten einfach nicht gut genug waren, die Lücke zu füllen! Schlechtes Beispiel ist in heutigen Tagen Brian Adams, den ich sehr schätze, der aber mangels eigener Fähigkeiten am Bass live einfach auf keinen Keyboarder oder zweiten Gitarristen verzichten darf!!!
Eric Johnson lässt in dieser leider nur 60-minütigen Aufnahme (darum ein Stern Abzug)aufblitzen, was er schon damals drauf hatte: Jimi Hendrix, Jeff Beck, Wes Montgomery, Albert Lee und natürlich sein Gespür für wunderschöne Akkorde, Klänge, Sounds, Melodien gepaart mit "Griffbrettflitzerei", die ihresgleichen sucht! Aber Vorsicht: Der Aha-Effekt dabei nutzt sich schnell ab (Beispiel Ingwie Malmsteen). Mir ist eigentlich momentan nur ein Gitarrist bekannt, der in praktisch sämtlichen Stilen (Rock, Country, Jazz, Classic) auf dermassen hohem Niveau mithalten kann, nämlich der in seiner "Geldbringerformation Deep Purple" (welche ich ebenfalls kürzlich live sah und ausser der horrenden Lautstärke durchaus mag) beinahe unterforderte Steve Morse. Fazit zur Eric Johnson DVD: Kaufen, kaufen, kaufen und hoffentlich kommt bald etwas Aktuelles heraus!