Nach Claptons synthetisch-drögen Pop-Produktionen der 80er Jahre wie "Behind the sun", 1985, oder "August", 1986, besann sich Clapton Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre wieder zurück auf den Blues. Ansatzweise kann man das schon auf seinem Album "Journeyman" ('89) hören. Trotzdem ist "Journeyman" noch hauptsächlich bestimmt von kommerziellen Stücken im zeitgemäßen 80er Jahre Synthi-Pop-Sound, und Clapton arbeitet mit Synthesizern und Drum-Programmen. "Journeyman" ist im großen und ganzen eine ziemlich seltsame, unpassende, von kommerziell denkenden Produzenten bestimmte Mischung aus Pop, leichten Anklängen von Techno-Sounds und ein paar wenigen Bluesstücken, die allerdings teilweise ebenfalls in ein Popkostüm gekleidet sind - wie etwa "Old love". Mit "24 Nights" befinden wir uns zwei Jahre später. Was hat sich geändert? Eigentlich gar nicht all zu viel! Auch wenn sich Clapton wieder zum Blues zurückbesinnt, klingt auch auf "24 Nights" vieles noch sehr stark nach 80er Jahre Pop. Doch Clapton steht mit "24 Nights" am Wendepunkt -ein Jahr später nimmt er das geniale "Unplugged"-Album auf und geht dann 1994 wieder mit einer Bluesband auf Tournee, mit der er das Album "From the cradle" aufnimmt (auf dem er den Blues meiner Meinung nach etwas zu trocken, stur und einfallslos spielt). 1996 gibt er dann sein großartiges Konzert im Hyde Park, das großenteils vom Blues bestimmt ist, auf dem Clapton aber auch Uralthits wie "Badge", "Layla" oder "White room" in einem erstaunlich genialen bluesigen Sound zelebriert. Clapton bietet in den 9 Nächten, die er in der Royal Albert Hall spielt, Konzerte mit 4 verschiedenen Besetzungen - ein paar Ausschnitte davon sind auf der CD und dem Video zu hören/sehen. Von der ersten Band, der "4 Piece Band", sind 3 Stücke auf dem Video: "Running on faith", "White room" und "Sunshine of your love". "White room" und "Sunshine of your love" sind, wie jeder echte Claptomane weiß, natürlich noch Stücke aus der Cream-Zeit in den 60er Jahren - Klassiker. Doch die 4 Piece Band spielt sie enttäuschend - "White room", von Cream im unvergesslichen Sound als psychedelisches Rockstück gespielt, wird mehr oder weniger vergewaltigt und als einfallsloses Poprock-Stück mit synthetischen Hintergrunds-Sound heruntergespielt - mit einem durchgeschlagenen Beat, der den alten Zauber des Stückes total zerstört. Claptons Solo ist zwar technisch perfekt, ist aber enttäuschend nichtssagend und konzeptlos im Vergleich zum Solo auf der Original-Cream-Aufnahme oder 1996 im Hyde Park, wo er - meiner Meinung nach - seinen absoluten Höhepunkt in den 90ern erreichte und "White room", aber auch viele andere Stücke, wie "Old love" oder Bluesklassiker wie "Every day I have the blues" so fantastisch spielte wie nie zuvor und nie mehr nachher. "Running on faith" von Jerry Lynn Williams ist auch auf "Journeyman" verewigt und ein typisches leicht bluesig angehauchtes Poprockstück aus den 80er Jahren, ebenfalls ziemlich einfallslos heruntergespielt - verglichen mit Claptons Unplugged-Version. Als nächstes folgen drei Stücke aus den Bluesnächten mit schwarzen Bluesgrößen wie Buddy Guy und Robert Cray an den Gitarren und dem Pianisten Johnny Johnson und dem Schlagzeuger Jimmie Oldaker, der einige Zeit in den 70er Jahren mit Clapton zusammengespielt hatte - ein unvergleich erfrischender Sound! Clapton und seine Mitspieler bieten teilweise brilliante Solos und Einwürfe bei Bluesstandards wie "Watch yourself", "Have you ever loved a woman" und "Worried life blues". Schade ist, dass der Blues hier vielleicht etwas trocken gespielt wurde - großenteils von einem Delta-Shuffle bestimmt - und nicht mehr feurig-expressive Einfälle kamen. Trotzdem sind die Bluesaufnahmen auf jeden Fall ein musikalischer Genuss. Über die 9 Piece Band - mit Stücken wie "Old love", "Bad love", "Wonderful tonight", "Pretending" - muss man ähnliches sagen wie über die 4 Piece Band. Die Stücke wurden leider alle in ziemlich synthetischem Poprock-Sound dargeboten - mit nur wenigen großen Momenten oder überraschenden Wendungen. Den Abschluss setzt ein Ausschnitt aus dem Konzert mit Band und Orchester, dirigiert von Michael Kamen, vielleicht ein krönender Höhepunkt der Aufzeichnung. Clapton und seine Musiker spielen - zusammen mit dem Orchester - zwei alte Bluesstücke - "Hard times" und den "Bell bottom blues" und "Edge of darkness", eine Komposition von Clapton/Kamen für eine Fernsehsendung - ein großartig arrangiertes, dramatisches Stück mit einem furiosen Clapton-Solo, unterstützt vom Sound eines 200 Mann starken Orchesters. Trotz einiger schwächerer Momente ist "24 Nights" also auf jeden Fall hören- und sehenswert. Doch wer sich "24 Nights" zulegt, sollte sich auf jeden Fall auch Claptons Unplugged-Album/Video und das Hyde Park Video anhören/schauen!