Seit "Sommerdiebe" bin ich unsterblich verliebt in den Schreibstil von Mr. Capote. Die Stimmungen, die er zeichnet, ziehen den Leser komplett in den Bann. Man verliert sich ganz und gar. Dabei findet er immer neue Worte, erfindet eine neue Sprache.
Sonst eher still, beinahe melancholisch strotzt "Erhörte Gebete" vor Sex. Er schreibt böse, herrlich direkt, ehrlich und schonungslos. Dabei steht weniger eine bestimmte, abgeschlossene Geschichte im Vordergrund, als vielmehr das Erzählen an sich. Deshalb sollte man bei Truman Capote auch kein klassisches Ende im Sinne von "... und wenn sie nicht gestorben sind ..." erwarten.
Man fantasiert sich beim Lesen an einen Tisch bei Tiffany's neben Holly Golightly und lauscht den bizarren Geschichten über die Reichen und Schönen. Tage auf der Fifth Avenue! Herrlich dekadenter Müßiggang! Klatsch und Tratsch deluxe. Wenn Capote aber liebevoll und zärtlich die einzelnen Charaktere zeichnet, den perfekten Rücken von Kate McCloud so plastisch beschreibt, dass sie beinahe vor einem steht, dann wird irgendwann egal, welche reale - mittlerweile verblasste - Berühmtheit sich dahinter verbirgt.
Erbarmungslos und sarkastisch rechnet er mit der Glitzerwelt seiner Zeit ab, nimmt sich dabei aber selbst nicht aus. Sein Alter Ego im Buch ist mindestens genauso verrückt, exzentrisch und verschroben wie alle anderen Figuren.
Bei aller rücksichtslosen Offenheit, bei aller Bosheit, liebt Capote die Menschen aber doch. Die Art, wie er die Akteure - mal mehr, mal weniger genau - skizziert, ist beinahe sensibel und zeugt von einer genauen Beobachtung. Und das ist dann der große Unterschied zur heutigen Yellow Press: die Liebe zum Menschen, die Zeichnung der Darsteller und das "Sich-Selbst-Nicht-Zu-Ernst-Nehmen".