Auf der Suche nach einer bezahlbaren und gleichzeitig effektiven Mausalternative für meine RSI-geplagten Hände fiel mir die 3M Maus ins Auge, die hier und da zwar offeriert, aber nicht wirklich effektiv beworben wird. Auf den Versuch wollte ich es aber dennoch ankommen lassen.
Produktpolitik
Zunächst ist anzumerken, dass es von diesem Artikel sowohl die hier bewertete kabelgebundene 500er Version als auch die kabellose 550er gibt. Für Letztere war in Deutschland jedoch kein Verkäufer aufzutreiben, allenfalls dürfte hier und da in Ebay eine zu finden sein. Dies mag auch daran liegen, dass dieses Gerät schon einige Jahre auf dem Markt ist, so dass es zu einigen Problematiken kommt.
Äußerlichkeiten
Man sollte sich von den Bildern nicht täuschen lassen: Die 3M Maus ist relativ klein. Mit einem Joystick hat sie insofern nur die äußere Ausgestaltung gemein, abseits der Tasten besitzt sie keine beweglichen Teile. Bezüglich der Größe gibt es zwei unterschiedliche Versionen: eine für kleine/mittlere und eine für große Hände. Es wird aber wohl 3Ms Geheimnis bleiben, welch Kinderhand hier Vergleichsbasis war für diese Größeneinteilung, denn die große Variante erweist sich schon bei mittelgroßen Männerhänden als problematisch. Die Tasten hingegen sind gut erreichbar; sie bestehen aus einem Kippschalter am Kopf (linke/rechte Maustaste) sowie einer breiteren Taste am Griff (Scrollrad). Die Tasten sind recht leichtgängig und aufgrund der geringen Größe hält sich auch die Masse der Maus als solches in Grenzen.
Softwareprobleme
Für den interessierten Käufer nicht uninteressant: Dem Karton liegt keine Treiber-CD bei. Dies geschah offensichtlich deshalb, weil 3M um die Größenproblematik weiß. Nicht nur wird ein Umtausch angeboten, wenn sich die Maus als unpassend erweist, für entsprechende Treiber samt Zusatzprogramme wird auf die firmeneigene Website verwiesen. Auf der entsprechenden Website findet sich mittlerweile aber nur noch eine Beschreibung des Produktes sowie Dokumentationen, von Treibern oder Programmen keine Spur. Das mag aber auch daran liegen, dass die Software nicht weiterentwickelt wurde und somit nicht mehr kompatibel ist.
Zumindest für Windows halten sich die daraus ergebenen Probleme jedoch in Grenzen; die Maus wird ordnungsgemäß installiert und standardmäßig belegt. Der Kippschalter emuliert die linke/rechte Maustaste, während die Grifftaste für das Scrollen in Dokumenten vorgesehen ist. Zudem verfügt letztere noch über eine Sekundärfunktion. Das ist jedoch nach Programm völlig unterschiedlich und nirgendwo einseh- geschweige denn konfigurierbar. Zumindest die Details der Scrolltaste lassen sich jedoch über gewöhnliche Mauseigenschaften festlegen.
Ergonomie
Stellt sich abschließend natürlich vor allem die Frage, ob die 3M Maus ihrem Zweck überhaupt gerecht wird. Der Hauptzweck besteht natürlich im Wechsel von der schädlichen horizontalen zu einer natürlichen vertikalen Haltung des Handgelenks. Dieses wird zur Unterstützung auf dem Mausboden abgelegt. Zudem entfallen die maustypischen Spannungshaltungen am Handrücken und durch den Kippschalter die hochfrequente Benutzung des Zeigefingers.
Wie bei allen vertikalen Mäusen bleiben jedoch zwei RSI-Problemherde weiterhin akut:
Zunächst übt die vertikale Handposition den Liegedruck nun auf den kleinen Finger aus, was bei der 3M Maus jedoch insofern besser gelöst ist, als dass es sehr wohl möglich ist, mittels einer lockeren Haltung des Sticks den Druck zu verringern. Im Armbereich haben wir zudem die gleichen Belastungen wie bei einer normalen Maus: Zu starkes Ablegen des Unterarms auf einer Stuhllehne führt natürlich auch weiterhin zu entsprechenden Schmerzen. Allerdings ist es durch die Ablage an der Maus durchaus möglich, den Druck auszutarieren, um so mal den Schwerpunkt auf die Maus, mal auf den Unterarm und bisweilen auch mal in den Oberarm zu legen.
Fazit
Den "idealen" Mausersatz gibt es natürlich nicht; aus der Symptomatik des RSI ergibt sich schließlich höchstselbst, dass die beste Therapie möglichst viel Abwechslung beinhaltet. Und diese Vorgabe erfüllt die 3M Maus zu weiten Teilen, weil unterschiedliche Herangehensweisen möglich sind - in gewissen Grenzen natürlich. Ein steter Wechsel der Steuerung zwischen Maus, Tastatur und gegebenenfalls einem 3. Eingabegerät (Grafiktablett) ist aber dennoch anzuraten.
Einen Punkt Abzug gibt es von mir vor allem für den für ein solch einfaches Produkt recht stolzen Preis sowie für die Mängel bezüglich Treibersituation, Produktverfügbarkeit und Handgrößenanpassung. Insbesondere aufgrund Amazons vorbildlicher Rückgabepolitik sei allen RSI-Geplagten zumindest ein Test jedoch durchaus ans Herz zu legen.