Tschichold ist nicht gerade gnädig mit denen, die gedankenlos mit der Typografie umgehen. Dass kann er sich als exzellenter Setzer, Typograf und Schriftschöpfer durchaus leisten. In seinem letzten Lebensabschnitt präsentiert er sich (und dieses Buch ist ein Zeugnis dieses Abschnitts) fast fanatisch konservativ. Wer Tschicholds Lebenslauf kennt, der weiß, dass diese Haltung eine Reaktion auf schlechte Erfahrungen ist.
Das ist schade, denn einem so exzellenten Typografen hätte man gerne auch Lösungen zu neueren und neuesten Problemen der Typografie entlockt.
Das Buch sollte dennoch jeder gelesen haben, der sich mit typografischer Gestaltung auseinandersetzt. Nicht dass die Richtlinien, die hier gegeben werden, schlecht wären - das Gegenteil ist der Fall - aber ich würde Tschicholds Haltung vor allem zum Ausgangspunkt eigener Überlegungen machen, und zwar aus der Perspektive, was denn die angedachte Typografie überhaupt leisten soll. Wer dieses Buch kritisch liest, der wird vielleicht merken, dass dieser funktionale Aspekt bei Tschichold eher etwas zu kurz kommt und der Autor etwas dazu neigt, die Typografie in feststehende, unveränderliche Regeln zu packen. So wertvoll die dann auch seien, sie lassen kaum lebendiges Gestalten mit Schrift zu.