Viele werden Wieland Staud als den freundlichen jugendlichen Herrn kennen, der in regelmäßigen Abständen auf n-tv seine Charts präsentiert und uns auf diese Weise auf die demnächst wahrscheinlich eintretenden Ereignisse an den Finanzmärkten vorbereitet. Nun hat er uns ein nettes Büchlein geschrieben, das im angenehmen Plauderton anekdotenhaft seinen Werdegang und seine "Erfolgstechniken" beschreibt.
Schon im Klappentext lesen wir, dass die allerwenigsten von uns an einer schlechten Analyse oder mangelhaften Prognose scheitern, wenn sie sich mit den Finanzmärkten messen wollen. Vielmehr scheitern wir "im Regelfall vor allem an der sensationell katastrophalen Umsetzung dieser Prognosen". Der Autor schickt sich nun nach eigenem Bekunden an, uns bei der Vermeidung dieser sensationellen Katastrophen behilflich zu sein.
Nach seinem BWL-Studium ging Staud zunächst zur Dresdner Bank und wurde dort technischer Analyst. Nur große Fondgesellschaften und Banken leisten sich den Luxus solcher nach ihrem Verständnis eigentlich überflüssiger Mitarbeiter. Angeblich suchen diese Institutionen nach mittel- und langfristigen Anlagen, deren Auswahl auf der Arbeit von Fundamental-Analysten beruht. Diese Analysten sind aber eigentlich schon das letzte Glied in der Hierarchie eines Fonds. Wahrscheinlich aus diesem Frust heraus wechselte Staud dann zu einer japanischen Bank, wo er plötzlich Chefstratege mit großem Einfluss wurde. Leider trieb das Management diese Bank kurze Zeit später in den Ruin. Seitdem ist der Autor Geschäftsführer seiner Staud Research GmbH.
Aus verständlichen Gründen stichelt der Autor an mehreren Stellen in seinem Buch gegen die Fundamentalanalyse. Sicher hat er Recht, wenn er meint, dass ein Kleinanleger damit eigentlich nichts erreichen kann. Die großen Anteilseigener im Fond- oder Bankenbereich kennen Unternehmensdaten immer viel früher als der normale Sterbliche. Sie haben die ständige Möglichkeit das Unternehmen bei sich antreten zu lassen und zu befragen. Und natürlich benutzen sie darüber hinaus feine analytische Methoden, die sich wahrscheinlich der Kenntnis des Autors entziehen.
Nach den ersten zwei einführenden Kapiteln kommt der Autor dann im 3. Kapitel zur Sache. Sein Ansatz lautet: "...möglichst wenig Geld für möglichst kurze Zeit zu investieren, dabei möglichst viel Geld zu verdienen", um sich dann "wieder zurückzuziehen und auf die nächste gute Chance zu warten." Das kann ich getrost unterschreiben. Dem Autor geht es vor allem um Einfachheit. Er möchte uns beibringen, dass mit Methoden, die jeder leicht erlernen kann, dauerhaft Reichtum zu erzielen ist. In den Abschnitten 3.3 und 3.4 erläutert er, dass man das schon mit einfacher Mustererkennung (Dreiecke, Flaggen etc.), dem Trendreiten oder mit dem Handeln von Ausbrüchen erreichen kann. Man sieht so etwas natürlich gerne ein, vor allem, wenn man rückwärts einen Chart betrachtet und sich fragt, warum man eigentlich so bescheuert war und diesen oder jenen lang anhaltenden Trend nicht mitgemacht hat. In die andere Richtung zu schauen ist wesentlich schwieriger. Denn dort ist immer einfach nur gähnende Leere.
In den folgenden Abschnitten des 3. Kapitels geht es um den Staudschen Stimmungsindikator (der uns allerdings nicht verraten wird), den MACD und relative Stärke und Schwäche. Schließlich werden uns einige elementare Kauf- und Verkaufsregeln beigebracht. In 3.9 erfahren wir andeutungsweise etwas über die Elliott-Wellen.
Kapitel 4 widmet sich den Ansichten des Autors zum Money-Management. Seine Aussagen, die durch die Schilderung eigener kostspieliger Erlebnisse untermauert werden, sind durchaus lehrreich. Wer hingegen wissen will, was professionelle Trader unter Money-Management verstehen, der schaue sich beispielsweise das Turtle-System an, das im Anhang des Buches von Curtis Faith dargestellt wird.
In Kapitel 5 erzählt uns Herr Staud, was es alles sonst noch für den Erfolg braucht, und im abschließenden Kapitel lesen wir, was wir dafür alles nicht brauchen. In beiden Fällen vermischt der Autor gut gemeinte allgemeine Ratschläge mit Geschichten aus seinem Börsenleben. Am Ende des Buches folgen 60 den Text zusammenfassende Empfehlungen des Autors für ein erfolgreiches Anlegerdasein.
Fazit:
Zunächst einmal sollte jeder wissen, dass dies kein Lehrbuch über die technische Analyse von Finanzmärkten ist. In Wirklichkeit wird auch nichts über irgendwelche konkreten Erfolgstechniken verraten. Vielmehr erzählt uns Herr Staud über seine Erfolgsgeschichte und gibt ganz nebenbei jede Menge allgemeiner Ratschläge. Das Buch ist für Börsen-Neulinge, Fans von Herrn Staud, Teilnehmer von Börsenstammtischen oder Mitglieder von Investmentklubs bestens geeignet. Es zeigt darüber hinaus, dass jeder scheinbar immer dieselben Fehler macht. In diesem Sinne ist es sogar lehrreich. Unterhaltend ist es allemal.