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Erfolgsmythos Psychopharmaka: Warum wir Medikamente in der Psychiatrie neu bewerten müssen
 
 
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Erfolgsmythos Psychopharmaka: Warum wir Medikamente in der Psychiatrie neu bewerten müssen [Broschiert]

Stefan Weinmann
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 264 Seiten
  • Verlag: Psychiatrie-Verlag; Auflage: 2., Aufl. 2010 (September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3884144553
  • ISBN-13: 978-3884144558
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,8 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 291.203 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Stefan Weinmann
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Arzneimittelstudien prüfen Kriterien wie Symptomminderung, Verminderung der Rückfallgefahr oder weniger Nebenwirkungen. Die Nutzer stellen eher die Lebensqualität und -zufriedenheit in den Mittelpunkt, wie auch die Recovery-Bewegung zeigt. Hierzu tragen Medikamente alleine aber wenig bei. Stefan Weinmann stellt mit diesem Buch nicht nur die Medikamentenbehandlung auf den Prüfstand, er zeigt auch auf, dass es schon längst Alternativen zur Routine-Therapie gibt - man muss sie nur wollen und entsprechend fördern.Stefan Weinmann zeigt, dass die zentrale Bedeutung der Psychopharmakotherapie bei schweren psychischen Erkrankungennicht gerechtfertigt ist. Arzneimittelhersteller suggerieren zwar ein anderes Bild, die aktuellen Studien lassen aber Zweifel aufkommen.Ist der über die Placebo-Wirkung hinausgehende Nutzen von Antidepressiva doch geringer als bisher vermutet?Schaden Antipsychotika in manchen Fällen nicht mehr als sie nutzen?Höchste Zeit für eine Neubewertung, fordert Stefan Weinmann, und belegt dies ausführlich an den beiden wichtigsten Psychopharmakagruppen, den Antidepressiva und den Antipsychotika.

Über den Autor

Stefan Weinmann, Dr. Dr. med., Jg. 71, arbeitet wissenschaftlich in der Sozialmedizin und Epidemiologie an der Charité im Bereich psychiatischer Versorgungsforschung. Er hat in Medizin und Gesundheitswissenschaften/Public Health promoviert und ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

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28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Gehalten von einer Hand prangt eine grell-rote Pille im gleißenden Sonnenlicht auf dem Cover des brandneuen Buches Erfolgsmythos Psychopharmaka".
Der Autor, ein junger (Jg. 1971), promovierter Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, arbeitet an der namhaften Charité in Berlin im Bereich der psychiatrischen Versorgungsforschung.
Dr. med. Stefan Weinmann möchte die Psychopharmaka nicht abschaffen, sondern ihre Anwendung kritisch und problem-orientiert bewerten und patienten-zentriert einschränken: Psychopharmaka können wichtige und segensreiche Medikamente sein, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Im gegenwärtigen Versorgungssystem sind sie unverzichtbar." (siehe Seite 7).
Im einführenden Kapitel erfahren wir: "Eine der zentralen Thesen des Buches ist, dass die Behauptung einer spezifischen Wirkung vieler Psychopharmaka nicht zu halten ist." (siehe Seite 16).
In den folgenden sechs Kapiteln wird diese These anhand zahlreicher klinischer Studien und Erfahrungen aus der Praxis im Hinblick auf die Krankheitsbilder der Depression und Schizophrenie ausführlich und tiefgreifend dargestellt.
Im zweiten Kapitel erörtert der Autor zunächst kritisch die Vor- und Nachteile der gültigen Diagnosesysteme (ICD und DSM). Den Schablonen diagnostischer Denkweisen wird in ihren historischen Ursprüngen nachgegangen. Hierbei findet anhand von aussagekräftigen Fallbeispiele und institutionellen Studien (z.B. WHO) die Analyse der Reliabilität und Validität diagnostische Kriterien statt, insbesondere auch im Hinblick auf die länderspezifischen bzw. kulturellen Unterschiede.
Danach beinhaltet das dritte Kapitel die Evidenz randomisierter kontrollierter Studien. Hierbei dienen die methodischen Probleme der Durchführung und Interpretation von Langzeitstudien als ausführliche Beschreibungsgrundlage.
Im vierten Kapitel können wir die Ansichten und Vorurteile der Beteiligten, speziell der behandelnden Ärzte, nachlesen. Hauptsächlich kommen aktuelle Diskursthemen wie die Marginalisierung der Sozialpsychiatrie, die Tabuisierung der Kritik an der etablierten Applikation der Psychopharmaka bis hin zum Sozialkonstruktivismus in der Forschungsmethodologie zur Sprache.
Das anschließende Kapitel weist auf einige Probleme der breiten Anwendung von Psychopharmaka hin und stellt wirksame therapeutische Alternativen zur bestehenden Behandlungspraxis vor.
Im vorletzten Kapitel werden die Widerstände gegen die Durchsetzung therapeutischer Alternativverfahren in der Routineversorgung untersucht. Klinische Studien und skandinavische Erfahrungen, die verstärkt sozialmedizinische Aspekte berücksichtigen, dienen als Anschauungsmaterialien.
Im Abschlusskapitel geht es um die zukünftigen Konsequenzen einer patienten-zentrierten Psychotherapie. Es werden insgesamt elf konkrete Forderungen für die Verbesserung der Behandlungspraxis abgeleitet. Die wichtigsten sind: mehr Mitbestimmung der Patienten, Kontinuität der Versorgung, unabhängigere Finanzierungen und Informationen, verbesserte Qualitätskontrollen und Konzentration der Behandlungsaktivitäten auf die schweren Krankheitsfälle.

Fazit: Zur Pflichtlektüre ein wichtiges Buch, das ein überzeugendes Plädoyer zur patienten-zentrierten Behandlungspraxis aus der Perspektive eines kompetenten Facharztes darstellt.
Obwohl Dr. Weinmanns pauschale Kritik an der profit-orientierten Pharmaindustrie prima facie verständlich ist, so wäre jedoch meiner Meinung nach eine differenzierte Sichtweise angebracht. Denn es ist unbestreitbar, dass Arzneimittel - insbesondere Psychopharmaka - umfangreichen Qualitätskontrollen (GMP und AMG) unterliegen und weitreichenden regulatorischen Anforderungen der Registrierungsbehörden entsprechen müssen. Zudem sollte auch der Pharmaindustrie der Behandlungserfolg des zufriedenen Patienten am Herzen liegen, da sich nur so nachhaltig Gewinne erwirtschaften lassen, wie die Geschichte nachweislich gezeigt hat (Diskutiere Fallbeispiele der Psychopharmaka Valium und Librium!).
Berechtigterweise tritt der Autor sowohl für die Verantwortung des Arztes als auch für den informierten, mündigen Patienten ein, der ein Recht hat in seinem individuellen gesellschaftlichen Umfeld als ganzheitliche Person wahrgenommen zu werden und dem problembewusst und nachhaltig geholfen werden soll.
Dr. Stefan Weinmanns Buch Erfolgsmythos Psychopharmaka" ist ein richtungsweisender Beitrag, den sowohl die Entscheidungsträger aus der medizinischen Praxis als auch die Betroffenen des etablierten medizinischen Systems aufmerksam beherzigen sollten, um konkrete praktische Verbessungen in den unzureichenden psychiatrischen Behandlungsverfahren umsetzen zu können.

Dr. Achim Schmetz Freiburg i. Br. im März 2009
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein unverzichtbares Buch 3. Januar 2010
Format:Broschiert
Was für eine hervorragende Arbeit! Auf die differenzierte und genaue Darstellung der Fragestellungen der sog. modernen, im Rahmen der Fachzeitschriften veröffentlichten, überwiegend neurobiologisch geprägten, Psychiatrie bzw. der hierdurch immer weiter festgeschriebenen, sehr engen Definition von seelischem "Kranksein" hat der vorherige Rezensent eindrücklich hingewiesen.
Ich meine nicht, dass der Autor zu kritisch mit den Studien zum Einsatz von Psychopharmaka in Bezug auf deren Wirksamkeit umgeht. Er bestreitet ja gerade nicht, dass Medikamente eine wichtige Rolle spielen können. Er beleuchtet allerdings sehr genau die ideologischen Verzerrungen und das aus wirtschaftlichem und karriereplanenden Druck hilflose Festhalten an zweifelhaften Paradigmen zur Genese, Diagnose und Therapie seelischen Leidens. Natürlich müssen Medikamente ein Prüfverfahren durchlaufen. Aber wie dieses gestaltet wird, lässt eben erhebliche Zweifel am Sinn und Nutzen dieses Procedere entstehen, was der Autor beispielsweise an Hand der peer-reviews und der Nicht-Veröffentlichung der Wirtschaft nicht angenehmer Studienergebnisse darstellt.
Insbesondere aber weist der Autor auf eine der Hauptschwierigkeiten der Psychiatrie hin, welche den Ausschluss sozialer und psychischer Vorgänge bei der Erklärung und dem Umgang mit seelischem Leiden so fördert: wenn denn die bisher angeblich so sicher erscheinenden Modelle zu Psychosen und seelischen Erkrankungen als reine Gehirnerkrankungen in Frage gestellt werden, was kann dann der Psychiater überhaupt noch tun und wie geht er mit dieser Not um? Es wäre ein Paradigmenwechsel bzw. eine Paradigmen-Erweiterung notwendig. Wie diese aussehen könnten, dazu gibt Stefan Weinmann hilfreiche Hinweise.
Das Buch ist, aus meiner Sicht, eine Pflichtlektüre für Psychiater und Psychotherapeuten.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Ich kann eine weitreichende Empfehlung abgeben.

Dieses Buch erklärt wissenschaftliche Grundlagen und deren Auslegungen in der Welt der Medizin. Soziokulturelle Einflüsse und sehr plastische Beispiele die dazu beitragen ein neues Verständnis für die Psychiatrie zu gewinnen.

Auch die sehr breite Darstellung von Medikamenten im Bereich Schizophrenie und Depression ist sehr aufschlussreich. Zu Bedenken sind die dahinter liegenden Studien und deren Datenlage... Werden die Betroffenen befragt? Ein neuer Trend in der Psychiatrie - wie beurteilen Betroffene bestimmte Medikamente und deren Nebenwirkungen?

Der Autor legt hier eine Spur für den selektiven Umgang mit Psychopharmaka, wer in diesem Bereich tätig ist, sollte diese Spur aufnehmen und ihr nachgehen, um sich eine fundierte Meinung über diesen wichtigen Bereich bilden zu können.
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