Das Black-Swan-Modell gibt Antwort. Genauer gesagt, Bertrand Russel. Doch zum Schluss müssen die Autoren dieses Buches zugeben, dass es sich bei der Absage an das Ursache-Wirkungs-Prinzip um eine These und nicht um ein Modell handelt. Schade, dass dies erst auf Seite 110 steht und nicht gleich zu Beginn. Denn die 50 Erfolgsmodelle mögen noch so schön daherkommen, das Leben und seine Tücken können sie eben nur so erklären, wie wir es von der Ratgeberliteratur und Motivationsseminaren her kennen. Zwar stellen Mikael Krogerius und Roman Tschäppeler ihrer Modellschau eine Gebrauchsanweisung voran, die wie all ihre Texte in gehobener, verdichteter und eingängiger Werbersprache verfasst ist. Aber die Sehnsucht nach einfachen Lösungen und Rezepten ist in der Regel so gross, dass man das Kleingedruckte schnell wieder vergisst. Falls man es überhaupt zur Kenntnis nahm.
Die Verpackung der vorgestellten Welterklärungen ist so unverschämt gut gemacht, dass man kaum spürt, wie stachelig der Inhalt ist. Als ob man als Zuhörer einer Vorlesungsreihe die Erlaubnis erhalten hätte, den Professoren nur die letzten fünf Minuten zuhören zu müssen, nimmt man von jedem Thema nur das gekonnt vorgetragene Summary mit. Und natürlich das Tafelbild. Denn nach den ein- bis zweiseitigen Texten folgt jeweils das Highlight, die passende Illustration von Philip Earnhart. Sie sind meist so gut auf den Punkt gebracht, dass dieses kleine schwarze Büchlein mit Bestimmtheit zu den Kopiervorlagen von Seminarleitern aller Art gehören wird. Das Dumme ist nur, dass damit auch Botschaften eine neue Legitimation erhalten, die eigentlich nicht mehr zeitgemäss sind. Ob Herr Maslow aufgrund neuer Erkenntnisse seine Pyramide neu zeichnen oder gar einreissen würde, wird ebenso wenig in Frage gestellt wie statische Persönlichkeitsmodelle oder idealistische Vorstellungen zur Teambildung. Als Zuhörer dieser faszinierenden Vorlesungsreihe muss man gegenüber Fremdbeeinflussungen schon sehr resistent sein, um nicht daran zu glauben, mit dem richtigen Modell lasse sich alles in den Griff bekommen. Das ist das Stachelige.
Obwohl ich nicht der Meinung bin, die 50 vorgestellten Modelle seien auch wirklich die besten, bin ich von der Präsentation stark beeindruckt. An traditionellen Bildungsinstituten lernt man diese Handwerkskunst längst nicht mehr. Ich war daher alles andere als überrascht, dass beide Autoren an der Kaospilot University in Dänemark studierten. Denn als ich in den Neunziger Jahren von diesen Bildungspiloten hörte, düste ich sofort nach Aarhus, um den Initiator Uffe Elbaek kennen zu lernen. Eine Reise, die ich nie bereuen sollte. Was und wie dort gelehrt und gelernt wird, widerspiegelt sich auch in diesem Ratgeber der besonderen Art.
Mein Fazit: Das Lehrbuch für die Kunst der Präsentation schlechthin. Wer lernen möchte, wie man Theorien und Modelle komprimiert, vereinfacht und veranschaulicht, muss diese Mustersammlung zwingend erwerben. Ob jedes vorgestellte Erfolgsmodell auch tatsächlich die erhofften Resultate bringt, kann jeder selbst herausfinden. Sicher ist, dass die beiden Autoren den Geist der Kaospiloten begriffen und verinnerlicht haben. Und weil mir dieser Geist ebenfalls wichtig ist, sehe ich von einem Bewertungsabzug für allzu Vollmundiges ab.