Marketing-Fallstudien gibt es viele, Bankmarketing-Fallstudien kaum. Diesem Mangel hat sich Professor Dr. Wolfgang L. Brunner von der FH für Technik und Wirtschaft in Berlin, wo er Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Banken lehrt, angenommen. Der von ihm herausgegebene Band "Erfolgsfaktoren im Bankmarketing" (Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2004) schließt diese Lücke, in dem in der deutschsprachigen Literatur erstmals eine (mehr oder weniger) geschlossene Darstellung des Bankmarketing anhand von aktuellen und exemplarischen Fallstudien vorgelegt wird. Die Einteilung der Fallstudien, die übrigens von ausgewiesenen Fachleuten erstellt wurden, erfolgte aufgrund der klassischen Marketinginstrumente in Produkt-, Entgelt-, Vertriebs- und Kommunikationspolitik. Einleitend geht Brunner auf den Einsatz und den Nutzen von Fallstudien beim Studium der Bankbetriebslehre ein. Die Fallstudien-Methode wird dabei dargestellt, ihre Einschätzung als didaktisches Instrument erörtert und ihre Vor- und Nachteile werden angeführt. Schließlich wird noch ein - positives - Fazit gezogen. Von den Fallstudien sollen einige kursorisch angeführt werden: Aufbau eines Firmenfinanzportals, Kundenbindung durch Bonusprogramme, Kundenbeziehungsmanagement mit der Balanced Scorecard, Altersvorsorge für Studenten. Erfreulich ist, daß indirekt der persönliche Verkauf in einem abschließenden Essay gewürdigt wird. Dies ist deshalb so besonders erfreulich, da dem Verkauf, der Tätigkeit, an der unser gesamtes Wirtschaftssystem hängt, in Marketingbüchern und auch in Bankmarketingbüchern nicht die Würdigung erfährt, die ihm zusteht. Denn alle Produkt-, Entgelt- Vertriebs- und Kommunikationspolitik nutzt nichts, wenn - trotz E-Banking - der Verkauf nicht die entsprechenden Ergebnisse bringt. Er hat sich die Würdigung durch den Autor dieses Essays, Reinhard Carl, verdient. Insgesamt ein interessantes Bankmarketingwerk, das Beachtung nicht nur durch Studenten verdient.