Es ist eine große Aufgabe ein umfassendes Buch über das Risikomanagement vieler verschiedenen Organisationstypen zu verfassen. Handels- und Industrieunternehmen, Finanzdienstleister, Behörden und gemeinnützige Organisationen verfolgen unterschiedliche Ziele unter Einsatz von unterschiedlichen Prozessen. Es ist darum wichtig diese Unterschiede zu erkennen, im Rahmen des Risikomanagements einzuordnen und die Implikationen zu analysieren. In diesem Buch sind solche Überlegungen nicht aufgenommen, vielmehr ist eine exemplarische Darstellung in Teil IV „Branchenspezifische Aspekte des Risikomanagements" gewählt worden. Die Industrie kommt in diesem Teil zu kurz und das Kapitel über die Autobahnprojekte wirkt etwas exotisch. Weiterhin fehlen hier auch die Non-Profit Organisationen und die Behörden.
Die Zielgruppe dieses Buches sind zum größten Teil Praktiker. Das Ziel des Buches - das dem Leser etwas verborgen bleibt - muss also die Implementierung des Risikomanagements in der Praxis sein. Dieses ist im ersten Teil „Grundlagen des Risikomanagements" nur bedingt gelungen. Insbesondere das Kapitel „Ein Rückblick: Risikomanagement von der Antike bis heute" zeigt wie schwierig es ist die statistische Theorie mit der Praxis zu verknüpfen. Ebenfalls fehlen bei der Ausführung der gesetzlichen Grundlagen Hinweise auf die englische Turnbull-Kommission und das Sarbanes-Oxley Gesetz (USA). Obwohl das Gesetz erst seit kurzem in Vordergrund gerückt ist, ist der Ursprung jedoch älter.
Das Operational Risk Management, das aufgrund der Anforderungen im Kapitalakkordentwurf des Baseler Ausschusses in Banken umgesetzt werden muss, findet in diesem Buch immer wieder eine Reflektion. Bei der Behandlung im Kapitel „Gesetzliche Grundlagen, Einordnung und Trends" kommt das Operational Risk aber zu kurz.
Das Projektrisiko findet in diesem Buch keine Berücksichtigung. Es ist schade, dass dieses Risiko nicht behandelt wurde, da es sich hier um ein Thema handelt, das sich nach meiner Meinung in allen Unternehmenstypen ereignet. Es gibt wahrscheinlich kaum ein Unternehmen, das nicht über ein fehlgeschlagenes Projekt berichten kann. Vielleicht findet dieses Thema in der nächsten Auflage dieses Buches seinen Platz.
Das Kapitel „Analyse ausgewählter Unternehmenskrisen" ist spannend geschrieben. Es ist allerdings nur eingeschränkt akzeptabel, Urteile über Wirtschaftsprüfer zu geben, wo Fakten und die Meinung des Autors sich vermischen. Ich meine, dass das Testat des Wirtschaftsprüfers hier auf alle Fälle falsch interpretiert ist (Seite 454). Wirtschaftsprüfer machen nicht für nichts ein Vorbehalt für Betrugsfälle. Es ist bekannt, dass dieser Vorbehalt der Öffentlichkeit kaum vermittelbar ist. Man sollte jedoch in einem seriösen Buch nicht unterschwellig den Eindruck wecken, als seien die Wirtschaftsprüfer daran interessiert, Kunden zu jedem Preis zu halten. Sicherlich, in den genannten Fällen sind unakzeptable Praktiken durchgeführt worden, aber dieses sollte nicht zum Anlass genommen werden, die Arbeit eines Wirtschaftsprüfers so darzustellen. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn auch im Rahmen dieses Buches ein Beitrag geliefert wäre, den „Expectation-Gap" zwischen tatsächlicher Leistung eines Wirtschaftsprüfers und die Wahrnehmung dieser Leistungen in der Öffentlichkeit zu schließen.
Es ist gelungen die Zusammenhänge zwischen Risiko und Ertrag darzustellen. Risiko ist nicht etwas negatives, das man in jedem Fall meiden sollte. Es geht darum das Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag zu optimieren. Das kommt im Buch immer wieder zum Ausdruck.
Neben der Risikoidentifikation und -bewertung werden auch Risiko-managementmöglichkeiten betrachtet. Der Überblick über Versicherungs-möglichkeiten hilft dem Leser sich auch hier praktisch zu informieren. Das Outsourcing auch eine Möglichkeit des Risikotransfers darstellen kann, habe ich in diesem Buch vermisst. Insbesondere kleinere Unternehmen können so zum Beispiel ihre Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern verringern.
Das Buch ist insgesamt lesenswert. Die CD-ROM und das Glossar sind bei der Umsetzung in die Praxis sehr hilfreich. Die interdisziplinäre Behandlung des Risikos wird sicherlich auch zu einem Denkanstoß aus einer anderen Branche führen, was nur zu begrüßen ist.