Kurzbeschreibung
Über den Autor
Der Wissenschaftsredakteur Martin Kunz ist Leiter des Ressorts Forschung & Technik bei „Focus“ und Autor des Bestsellers „Die Volumetrics-Diät“.
Auszug aus Erfolgs-Gedächtnis von Gunther Karsten, Martin Kunz. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Was ist der GQ - der Gedächtnis-Quotient?
Bevor Sie die Geheimnisse des neuen Lernens kennen lernen und Ihre
Mentalkräfte durch zahlreiche Gedächtnisübungen verbessert haben,
soll ein Eingangs-Gedächtnistest zeigen, auf welchem Niveau Ihre Mental-Power
zu Beginn dieses Buches liegt. Durch zehn Tests, die insgesamt etwa
eine Stunde für die Bearbeitung in Anspruch nehmen, werden Sie Ihren
GQ erfahren. In Anlehnung an den IQ, den Intelligenz-Quotienten, steht
der GQ für den Gedächtnis-Quotienten. In der Tat bildet das Gedächtnis,
unsere Merkfähigkeit, einen Teilbereich der Intelligenz; und so wird
die Gedächtnisleistung auch in fast allen fundierten wissenschaftlichen
Tests zur Bestimmung der allgemeinen Intelligenz gemessen und beeinflusst
den IQ-Wert entsprechend.
Der vorliegende Test hat dagegen zum Ziel, ausschließlich Ihre Gedächtniskapazität
zu messen - Ihren GQ. Somit erfahren Sie am Ende einen den üblichen
IQ-Skalen entsprechenden Wert, zum Beispiel 80, 102 oder 155. Außerdem
können Sie sehen, wie viele Menschen einen geringeren - oder höheren
- GQ haben als Sie. (Auch wenn dieser Test kein wissenschaftlich normierter
Test ist, so ist er doch einerseits an Testfragen standardisierter
Testbatterien angelehnt und beruht andererseits auf den Erfahrungen,
die ich mit Hunderten von Teilnehmern meiner Seminare und Veranstaltungen
gesammelt habe.)
Wenn Ihr Wert deutlich unter 100 oder niedriger als Ihr IQ ist (falls
Sie ihn kennen), seien Sie nicht enttäuscht; vielleicht waren Sie
nicht voll konzentriert oder haben sich zu viel zugemutet - auf jeden
Fall werden Ihnen die in diesem Buch dargestellten Gedächtnissysteme
enorm weiterhelfen!
Am Ende des Buches finden Sie dann einen zweiten, in gleicher Weise
aufgebauten Test, den Sie allerdings erst machen sollten, nachdem
Sie das Buch gelesen und "verdaut" haben, das heißt nachdem Sie die
speziellen Strategien und Techniken im privaten Leben und im Beruf
wo immer möglich erfolgreich eingesetzt haben. Beherzigen Sie diese,
so wird sich beim Abschlusstest Ihr GQ im Geniebereich von deutlich
über 140 befinden!
Bitte beachten Sie: Der Test besteht aus fünf Aufgaben zu je einer
Minute und fünf Aufgaben zu je fünf Minuten. Da es jeweils recht kurze
Testzeiten sind und sich natürlich bei mehr Zeit mehr merken lässt,
ist die exakte Einhaltung der vorgegebenen Memorierzeiten - und Wiedergabezeiten
- unbedingt notwendig, um ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten.
Ferner sollten Sie konsequent den Modus der Punktevergabe für jeden
Test befolgen; ansonsten bekommen Sie ein wenig aussagekräftiges und
verfälschtes Endergebnis!
Unser Gehirn - ein faszinierender Datenspeicher
Nutzen wir tatsächlich nur zehn Prozent unseres Denkorgans?
Gratulation! Sie haben keine theoretische Abhandlung der Hirnforschung
erstanden, sondern einen leicht verständlichen und unterhaltsamen
Schnellkurs zur Steigerung der Gedächtnisleistung. Sie werden dieses
Buch schon nach wenigen Seiten schätzen lernen. Die Techniken und
Strategien, die ich erläutere, sollen Ihnen zu einer Mentalkraft verhelfen,
die Sie bisher für unmöglich hielten. Nach der Lektüre dieses Buchs
werden Sie sich wundern, warum nicht jeder längst mit Gedächtnis-Techniken
arbeitet, denn sie sind der Weg, die faszinierenden Möglichkeiten
unseres Denkorgans auszuschöpfen. Um die Wirkung der Merk-Methoden
besser verstehen zu können, möchte ich kurz auf die Anatomie und Physiologie
des Gehirns eingehen.
Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, der Mensch nutze sein Gehirn
nur zu zehn Prozent, manchmal wird behauptet, es seien sogar nur fünf
Prozent oder lediglich ein Prozent! Meistens entdeckt man solche Zahlen
in Prospekten für Persönlichkeits-, Gehirn- oder Motivations-Trainingsprogramme.
Und sicherlich durchschauen Sie, wie nützlich diese Behauptung ist,
denn sie deckt sich mit den Geschäftsinteressen jedes unseriösen (weil
schlecht informierten oder vorsätzlich schlecht informierenden) Mental-Gurus:
Wer wäre nicht daran interessiert, auch den viel größeren (um 90 bis
99 Prozent), aber anscheinend brachliegenden Teil des Gehirns zu nutzen?
Und so verbreitete sich der Mythos vom ungenutzten Gehirn über die
Jahre, untermauert auch durch eine angebliche Äußerung vom oft falsch
zitierten oder missverstandenen Albert Einstein! Und so werde ich
auch oft gefragt, was man tun kann, um die restlichen 90 Prozent unserer
grauen Zellen in Gang zu setzen. Meine nüchterne Antwort: "Wenn Sie
tatsächlich nur zehn Prozent nutzen würden, wären Sie außerstande,
diese Frage zu stellen!"
Hirnforscher sind einhellig der Meinung, dass wir Menschen nahezu die
Gesamtmasse unseres Gehirns aktivieren. Neueste Analysen von Computertomographie-Bildern
ermöglichen zu fast jedem Areal des Gehirns eine gewisse Zuordnung.
Und längst kann man jedem Menschen mit Hilfe von Tomographen und Hirnstrom-Messgeräten
(EEG) beim Denken zusehen. So fanden Forscher für Dutzende geistige
und körperliche Funktionen entsprechende neuronale Bereiche, die beispielsweise
für die Sprachbegabung oder das Zahlengedächtnis verantwortlich sind.
Zwar existieren auf der Landkarte des Gehirns noch viele weiße Flecken
(ähnlich wie auf dem Globus vor 500 oder 600 Jahren), aber nichts
deutet darauf hin, dass wir seit Jahrmillionen Menschheitsgeschichte
ein Kilogramm nutzlose Hirnmasse mit uns herumschleppen.
Die Erkenntnis, einen rundum vitalen Zentralrechner zu besitzen, sollte
Sie allerdings nicht dazu verleiten, das Buch beiseite zu legen. Ganz
im Gegenteil: Denn genauso wie bei einem Computer können wir (mit
gewissen Einschränkungen - aber dazu später) im Kopf zwischen Hardware-
und Software unterscheiden. Auch ein Computer benötigt alle seine
elektronischen Bestandteile für einen einwandfreien Betrieb, was man
beispielsweise daran sieht, dass er "den Geist aufgibt", wenn ein
winziges Bauteil der Hardware defekt ist. Aber wie effektiv man diese
Hardware nutzt und welche Gesamtleistung der Rechner vollbringt, hängt
von der (meist sehr kostbaren und teuren) Software ab, die installiert
ist!
Nehmen wir einmal an, eine Testperson sollte entscheiden, welcher von
zwei Computern der bessere ist: Auf dem einen läuft eine mickrige
Textverarbeitung, auf dem anderen eine fantastische 3-D-Animation.
Jeder würde wohl letzteren mit Sicherheit für den besseren halten
- obwohl in unserem Gedankenexperiment beide Computer mit identischer
Hardware ausgestattet sind.
Genauso verhält es sich mit unserem Gehirn. Wir benötigen nahezu die
gesamte Struktur unseres Denkorgans zur Bewältigung des Alltags und
der beruflichen Anforderungen. Darüber hinaus bewegen sich die messbaren
Unterschiede im Oberstübchen gesunder Menschen im Übrigen in sehr
engen Grenzen: Unsere Schaltzentrale besteht zu 75 Prozent aus Wasser,
ist etwa 1000 bis 2000 Gramm schwer (Männer haben im Durchschnitt
100 Gramm mehr - aber keine falschen Rückschlüsse daraus ziehen, meine
Herren!). Sie ist aus etwa 300 Milliarden neuronalen Zellen aufgebaut,
dies entspricht einer größeren Zahl als der uns im Universum bekannten
Sterne. Selbst das Gehirn von Albert Einstein, für die meisten Menschen
Inbegriff eines Genies, wies als einzig signifikanten Unterschied
zum "Durchschnittsgehirn" einen leicht vergrößerten Schläfenlappen
auf. Für seine epochalen Errungenschaften reicht diese anatomische
Erklärung jedoch nicht aus. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .