In der 1. Auflage (2011) gibt Dietmar Hansch den Betroffenen von Depression, Angst, und Stresserkrankungen Hilfestellungen zur Überwindung an die Hand. Neben zahlreichen therapeutischen und Selbsthilfetechniken liegt das Augenmerk vor allem auf inneren Einstellungen und der Art und Weise, wie man diese im Alltag umsetzen kann.
Optisch: Das Taschenbuch im A5-Format setzt im Innenteil auf Schwarz-auf-Weiß mit blauen Akzenten. Wichtige Passagen sind farblich und strukturell hervorgehoben. Aufgrund der Kapitelzahlen an der Seite und der klar getrennten Überschriften fällt das Zurechtfinden leicht.
Inhaltlich: Hansch integriert in seine Hinweise viele aktuelle Strömungen der Psychotherapie ('Dritte Welle'), wie zum Beispiel Techniken der Achtsamkeit, der Acceptance-and-Commitment Therapie (ACT), der Mentalisierungs-basierten Therapie (MBT), und Erfahrungen aus fernöstlichen Glaubenssystemen wie dem Buddhismus. Diese Mischunng firmiert als Psychosynergetik. Das ist sowohl reizvoll für geistig offene Menschen als auch praktikabel für belastete Menschen. Er hält sich nicht mit der Darstellung von Wirksamkeitsbefunden auf, sondern orientiert sich an den Bedürfnissen der Hilfesuchenden. Dazu zählt auch das philosophische, sinnstiftende Anliegen bis hin zu ganzen Kapiteln zu 'Innerer Freiheit' und 'Förderlichen Geisteshaltungen'.
Didaktisch: Gleich im Vorwort wird vor langwierigem Lesen unnötiger Teile gewarnt und auf hilfreichere Kapitel verwiesen. Neben den praktischen Hinweisen die zur Nachahmung anregen widmet er sich auch einem Stiefkind der der Verhaltenstherapie: den Sinnfragen und der Ethik. So wertvoll das für den einen sein kann, so belehrt fühlt sich der andere. Mitunter verliert sich Hansch auch in wertenden Ansichten oder Verallgemeinerungen. Bezeichnungen wie 'der Quatschi' und eigenwillige Begriffskonstruktionen wie 'Erbgefühle' sind eher tendenziös. Unterm Strich bleibt aber ein therapeutisch wertvoller, moderner Blumenstrauß an Handlungsanregungen und alltäglichen Maßnahmen, um nicht nur aus der akuten Belastung herauszufinden, sondern auch Rückfällen vorzubeugen.
Besonders wertvoll ist die verkürzte Hörbuchvariante, die kostenlos von der Internetseite des Autors heruntergeladen werden kann und die wichtigen Gedanken und einprägsamen Vergleiche enthält. Gerade akut Belasteten ist es eine große Hilfe, Themen wieder und wieder anhören zu können, bis etwas hängen bleibt, statt wieder und wieder Leseversuche zu starten, die mit Enttäuschung enden, weil mangelnde Konzentration und Merkfähigkeit eben doch Symptome der Störung sind.
Fazit: Gerade durch die Hörbuchergänzung ein sehr praktisches, in den Grundkapiteln leicht verständliches und anschauliches Erste-Hilfe-Buch für Menschen mit Depression, Burn-Out, und Angsterkrankungen. Wer weiterführende Anregungen zu Sinnfragen und Geisteshaltungen sucht, wird ebenso fündig. Belastete mit eher informativem Anliegen (Was habe ich? Wer heilt mich? Welche Medikamente und Therapien gibt es?) und naturwissenschaftlichem bzw. psychoanalytischem Verständnis seien Ratgeber mit diesen Schwerpunkten eher ans Herz gelegt, z.B. Wolfersdorf (2011): Depressionen verstehen und bewältigen, Springer-Verlag // Hegerl & Niescken (2004): Depression bewältigen, Trias-Verlag // Wittchen (1997). Wenn Angst krank macht, Mosaik-Verlag.