Der Trend in der Bewerbungsliteratur ist klar. Nachdem zu viele Kühe die Wiese leer gefressen haben, wird das Feld mit zielgruppenspezifischen Samen neu beackert. Klar, dass da auch das Erfolgsduo Hesse/Schrader ins Blickfeld gerät. Aber um es gleich vorwegzunehmen: Ihre Ermunterungen an die über 45-jährigen finde ich sprachlich und inhaltlich nicht so geglückt. Dabei wäre der erste Teil der wichtigste, sind doch die übrigen Ausführungen eher Standard. Denn Vorbereitungen, Recherchen, Kontaktherstellung, schriftliche Bewerbung und Vorstellungsgespräch unterscheiden sich für die verschiedenen Zielgruppen lediglich in Details. Die sind allerdings so wichtig, dass mit einige Lücken sauer aufstiessen.
Am Schluss des Buches hatte ich das Gefühl, die Autoren würden den über 45-jährigen das Bedürfnis nach Sinnlichkeit und guten Geschichten absprechen. Ich fühlte mich wenig angesprochen durch den sachlichen Ton, die verwinkelten Ausführungen und die Verweise auf Zahlen, Politik und Personalverantwortlichen. Irgendwie wirkten ihre Ermunterungen, die Stellensuche beherzt und mit Selbstvertrauen anzugehen, etwas pädagogisch und stumpf. Das konnte auch der Hinweis auf das eigene Alter der Autoren nicht ändern. Aber vielleicht sind Hesse und Schrader einfach schon zu lange im Geschäft, um sich noch wirklich einfühlen zu können.
Gekonnt professionell sind dann die Teile, in denen es um das übliche Bewerbungsprozedere geht. Wobei der Originalität auch bei diesen Inhalten wenig Platz eingeräumt wird. Auch wenn es bei der Suche nach einer Arbeit bestimmte Rituale und Erwartungen gibt, ist das reale Leben eben doch variantenreicher, als es im Buch dargestellt wird. Wer andere dazu ermuntert, mit Lust ans Werk zu gehen, sollte etwas von dieser Lust in den Text legen. Das erhöht Glaubwürdigkeit und Motivation.
Mein Fazit: Nicht mein Lieblingsbuch von Hesse und Schrader. Ich vermisste Seele, Herzblut und Einfühlungsvermögen. Oder anders gesagt, den Autoren gelang es offenbar nicht, mir Ihr Engagement für die über 45-jährigen sprachlich zu vermitteln. Aber vielleicht kommen sie bei anderen Lesern ihrer Zielgruppe ganz anders an. Kurz: Nichts ist falsch, aber wenig ist begeisternd.