Wie man die ersten drei oder sechs Monate an einem neuen Arbeitsort übersteht, wird in den meisten Ratgebern stiefmütterlich behandelt. Das mag bei einer Staatsstelle kein Malheur sein, wirft doch Vater Staat seine neuen Kinder nicht gleich wieder aus dem Haus. Als ich als Vorgesetzter einem renitenten Grafikers nach drei Monaten trotzdem Tschüss sagen wollte, musste nicht er, sondern ich beim obersten Personalchef antraben.
Aber da in den letzten Jahren auch europäische Unternehmen der Probezeit wieder mehr Gewicht beimessen, bekommen solche Ratgeber wieder Sinn. In zehn Kapitel erfahren die Leser, worauf sie achten müssen, welche Verhalten von ihnen erwartet werden, wie sie Erwartungen des Arbeitgebers entdecken können, zu welchem Typ sie selber gehören, was Ziele sind und wie ungemein wichtig der erste Tag ist. Sie können zudem die Meinungen des Autorenduos zu neuen Aufgaben, Arbeitskollegen und Chefs hören und nach der Lektüre vielleicht sogar besser mit Kritik und Zweifel umgehen.
Wer bereits andere Bewerbungsratgeber von Püttjer/Schnierda kennt, ist auch mit ihrer Profilmethode vertraut. Sie kommt hier ebenfalls zur Anwendung und bedeutet: Passgenauigkeit, Glaubwürdigkeit und Stärkeorientierung. Mit dieser Reduktion auf das Wesentliche erhält der Leser ein Vorstellungsbild, das sein Verhalten auch während der Probzeit steuert oder zumindest dramatische Abweichungen verhindern kann.
Mein Fazit: Dort, wo die Probezeit wirklich ernst genommen wird, lohnt sich die kleine finanzielle Investition und eine intensive Lektüre. Die Wahrscheinlichkeit auf erfolgreiches Bestehen wächst ebenso wie die Erkenntnisse zur eigenen Person.