Knapp acht Euro investieren, um endlich den Erfolg zu haben, von dem man träumt? Ist also jeder, der die CD nicht kauft, selber an seiner Misere schuld? Oder wäre der Verzicht auf solche Ratgeber sogar der erste Schritt, um wenigstens den Erfolg zu erleben, weiser geworden zu sein? Nach all dem, was mich Lebensgeschichten lehrten – eigene und fremde – und nach ausgedehnten Reisen in die Reiche der Hirnforscher plädiere ich auf Verzicht. Denn so schön die Erfolgspredigt von Sprenger klingt, so schnell verpufft sie eben. Denn sie beruht auf einem Glaubensmodell, das davon ausgeht, Persönlichkeitseigenschaften wie Selbstvertrauen liessen sich im Erwachsenenalter durch Einsicht verändern. Daran glaube ich nicht. Aber ich gebe zu, dass ich ebenfalls zu den Jüngern Sprengers gehörte, als er mit seinem ersten Buch über Nacht zum neuen Propheten menschlicher Selbstverantwortung avancierte. Auch ich meinte, man müsse bloss wollen, um zu können.
Heute sehe ich das anders. Die Botschaft, jeder ist der Schmied seines Glücks, stösst deshalb seit Urzeiten auf so fruchtbaren Boden, weil sie nach einem uralten Schema funktioniert, das uns die Rückkehr ins Paradies als möglich erscheinen lässt. Mich von diesem Schema zu verabschieden, bedeutet allerdings keineswegs Rückfall in dumpfen Fatalismus. Im Gegenteil, er setzt Kräfte frei, verschüttete Kanäle freizulegen, mehr auf die eigenen Stärken zu achten, mehr sich selber zu sein. Das Prinzip Selbstverantwortung, wie es Reinhard K. Sprenger vertritt, lässt sich einfach nicht halten, wenn man an die Behauptung der Neurologen glaubt, dass der grösste Teil unseres Verhaltens vom Unbewussten gesteuert wird. Interessanterweise gibt es auch keine ernsthaften Studien, die Sprengers Ansatz als praxistaugliches Erfolgsmodell stützen.
Mein Fazit: Ob Sprenger Recht hat oder nicht, kann auch ich nicht beweisen. Ich kann lediglich sagen, dass ich nicht mehr an sein Menschenbild glaube. Als Mann, der mit Worten umgehen kann, gelingt es Sprenger auf geradezu bewundernswerte Weise, den Glauben vom rationalen Menschen ins neue Jahrtausend zu retten. Und trotz dieser konservativen Haltung, gilt er als Rebell, Philosoph und Retter des autonomen Menschen. Gut gemacht. Abzug bei den Sternen gibt’s also nur für die Botschaft.