Im Grunde gehts um einen Gerichtsprozess, bei dem im München der Zwanziger Jahre ein liberaler und etwas leichtlebiger Museumsdirektor zu Unrecht von der rechten Justiz zu drei Jahren Festungshaft verurteilt wird. Seine Freundin findet sich damit nicht ab und versucht, Begnadigung zu erreichen.
Das ist die Kerngeschichte, um die mehrere weitere Handlungsfäden herumgewoben sind, beispielsweise der von einem energischen kommunistischen Ingenieur, der Züge von Bertolt Brecht trägt. Außerdem wird in vielen Kapiteln das Land Bayern in seinen speziellen Sitten und der besonderen Mentalität mit ironischem und liebevollem Blick zugleich ausgebreitet, dass es eine wahre Lesefreude ist.
Trotz der Länge des Buches kommt auf keiner Seite Langeweile auf. Feuchtwanger treibt sein ironisches Spiel mit denjenigen Figuren, deren Eigenarten und Fehler er kritisieren will, wobei immer auch ein Schuss Wohlwollen zu erkennen ist. Mehrere solcher Typen sind ins Geschehen gemischt und machen den Roman ungemein bunt, plastisch und süffisant, fast wie bei Karikaturen. Daneben gibt es auch vielschichtiger angelegte Charaktere, vor allem die Freundin des Gefangenen, mit der Feuchtwanger wieder einmal eine eindrucksvolle und teilweise widersprüchlich gestaltete Frauenpersönlichkeit gelungen ist.
Das Wesentliche sind aber Politik und Sprache: Nachkriegszeit, Inflation, rechte Justiz, Hitler-Putsch werden in Facetten dargestellt, die man nicht aus den Geschichtsbüchern kennt; kleine, intensive Episoden lassen die Zeit vor dem inneren Auge neu und lebendig sich abspielen, beispielsweise Kutzners (=Hitlers) hitzige und theatralische Reden in den raucherfüllten Münchner Bierkellern vor Menschen, die manchmal schon allein deswegen den Weg zu den "Wahrhaft Deutschen" gefunden haben, weil sie von der Stadt München einen Strafzettel bekommen oder eine Antiquität an einen Juden aus Holland verkauft haben, weswegen sie nun voll Zorn sind. Feuchtwanger lässt in kleinen Begebenheiten ganze Erkenntisse aufblitzen, bei manchen Intrigen der bayerischen Politiker, die am zünftigen Stammtisch mit Bier und Weißwürsten diskutiert werden, liest man mit offenen Mund und denkt sich, so muss es heute auch noch sein, so werden heute auch noch Politiker ausgewechselt und Fakten umgedreht.
Feuchtwanger erreicht dieses bunte Spiel mit seinem scharfen Blick und mit seiner scharfen Sprache, mit der er den Nagel immer auf den Kopf trifft. Als Leser hat man dabei den Eindruck, dass das Erzählte nur auf diese Weise und nicht anders erzählt werden kann. Ich habe die Kapitel geradezu verschlungen, auch weil sie mitunter ziemlich witzig sind (beispielsweise die Beschreibung eines Auftritts von Balthasar Hierl alias Karl Valentin), und war am Ende fast traurig, dass der Roman nicht weitergeht, bei dem nicht nur die Kenner und Liebhaber der bayerischen Lebensart voll auf ihre Kosten kommen.
Hier noch zwei von ganz vielen Schmankerln: "'Mach deine Ochsenaugen auf, Aff, geselchter!', rief er dem erschrockenen RAdfahrer die landesübliche Formel zu, zurückschimpfend." "Die materiell Minderbemittelten waren zumeist in den Linksparteien, die geistig Minderbemittelten in den Rechtsparteien organisiert."